Gesundheit
Erster Impfstoff von Astrazeneca erwartet

Der dritte Impfstoff soll am Samstag in NRW eintreffen. Das Land will die ersten Lieferungen für Erstimpfungen einsetzen und vorerst nichts für die zweite Spritze zurücklegen. Über priorisierte Impfgruppen wird diskutiert.

Freitag, 05.02.2021, 17:23 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 17:30 Uhr
Medizinisches Personal befüllt eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca.
Medizinisches Personal befüllt eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Foto: Owen Humphreys

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die ersten 74 400 Corona-Impfdosen des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca werden an diesem Samstag in Nordrhein-Westfalen erwartet. Mit diesem dritten Impfstoff nach den Produkten von Biontech und Moderna kann voraussichtlich ab der kommenden Woche im bevölkerungsreichsten Bundesland geimpft werden. Bis einschließlich der ersten Märzwoche sollen nach Angaben von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) etwa 600 000 Impfdosen von Astrazeneca eintreffen. Nach den jüngsten Daten des Bundesgesundheitsministeriums könnten es sogar fast 700 000 sein.

Im Unterschied zum Vorgehen bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna will das Land NRW die Menge von 600 000 Impfdosen komplett für die Erstimpfungen einsetzen, und nicht die Hälfte für die zweite Spritze zurücklegen. Mit dem Impfstoff von Astrazeneca sollen weitere Beschäftigte im stationären und ambulanten Gesundheitsbereich, die der Gruppe 1 der Priorisierung angehören und unter 65 Jahre alt sind, geimpft werden. So hatte das Ministerium die Kommunen schriftlich gebeten, Vorbereitungen für die Vergabe von Impfterminen an Personal ambulanter Pflegedienste, Personal von Tagespflegeeinrichtungen, Beschäftigte und ehrenamtlich Tätige in den Hospizen sowie Rettungsdienstpersonal zu treffen.

Nordrhein-Westfalen folgt mit der kompletten Bereitstellung der ersten 600 000 Impfdosen von Astrazeneca für die Erstimpfung einer Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wie ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums am Freitag sagte. «Die großen Unterschiede zwischen Impfstoffen sind der Eintritt der hohen Wirksamkeit sowie der Zeitraum zwischen Erst- und Zweitimpfung», erklärte er. Bei dem Impfstoff von Astrazeneca trete hohe Wirksamkeit schon nach der ersten Impfung ein, bei denen von Biontech und Moderna sei für den vollständigen Schutz die Zweitimpfung erforderlich.

Auch beim zeitlichen Abstand zwischen der Erst- und der Zweitimpfung gebe es bei den Impfstoffen Unterschiede: Beim Impfstoff von Biontech sollte die Zweitimpfung den Ministeriumsangaben zufolge drei Wochen und bei dem von Moderna vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen. Beim Impfstoff von Astrazeneca sollte demnach die zweite Spritze zwischen der neunten und zwölften Woche verabreicht werden. «Dieser im Verhältnis lange Zeitraum eröffnet darüber hinaus Spielräume, um Lieferengpässe auszugleichen», erläuterte der Sprecher das Vorgehen bei Astrazeneca. Es sei somit durchaus sinnvoll, beim einen Impfstoff strikt Rücklagen zu bilden und beim anderen «durchzuimpfen».

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, den Wirkstoff von Astrazeneca nur Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zu verabreichen, weil die Effizienz bei älteren Menschen noch nicht ausreichend belegt sei. Nach der jüngsten Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums sind für NRW folgende Astrazeneca-Lieferungen mit einer zunehmenden Menge vorgesehen: Am 6. Februar 74 400 Dosen, am 12. Februar 84 000 Dosen, am 19. Februar 218 400 Dosen und am 2. März 316 800 Dosen. Demnach summierten sich die ersten Liefer-Tranchen auf 693 600 Impfdosen.

Kurz vor der ersten Lieferung sprach sich NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) erneut dafür aus, Beschäftigen in der Kindertagesbetreuung und in Schulen Vorrang bei der Impfung damit einzuräumen. «Wenn der Impfstoff gerade für unter 65-Jährige geeignet ist, sollte eine schnelle Impfung derjenigen erfolgen, die unsere Kinder bilden und betreuen. So könnte in Schulen, Kitas und Kindertagespflege der Weg zur Normalität erleichtert werden», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag). Eine Entscheidung könnte schon bei der Bund-Länder-Schalte am Mittwoch getroffen werden.

Laumann verwies darauf, dass die Frage an den Bund gerichtet werden müsse, da sich NRW bei der Impfpriorisierung an die Vorgaben der Coronavirus-Impfverordnung halte. «Eine Einstufung von Beschäftigten in Schulen und Kitas in der höchsten Priorität ist nach dieser aktuell nicht zulässig. Ich halte es im Übrigen für den richtigen Weg, Fragen der Impfstoff-Zulassung und der Priorisierung nicht politisch zu entscheiden», sagte er der dpa. Der Bund habe sich aus gutem Grund an die Empfehlungen der Ständige Impfkommission, der Leopoldina und des Ethikrates gehalten. «Persönlich habe ich zugleich Sympathie für die Forderung, Beschäftigten in den Schulen und Kitas möglichst zeitnah ein Impfangebot machen zu können», ergänzte er.

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