Prozesse
Fast verhungertes Kind: Mutter und Ex-Freund schweigen

Kurz vor dem Hungertod wird im August 2020 ein fünfjähriges Mädchen in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Staatsanwaltschaft macht dafür die Mutter und ihren Ex-Freund verantwortlich, die dem Kind nicht genügend Nahrung gegeben hätten. Nun steht das Ex-Paar vor Gericht.

Montag, 12.04.2021, 13:14 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 13:22 Uhr
Blick auf das Kölner Landgericht.
Blick auf das Kölner Landgericht. Foto: Rolf Vennenbernd

Köln (dpa/lnw) - Es soll ein erschütterndes Bild gewesen sein: Abgemagert bis auf die Knochen wird im August 2020 eine Fünfjährige in ein Kölner Krankenhaus eingeliefert, so stellen es die Ermittler dar. Seit Montag müssen sich deshalb die Mutter des Mädchens und ihr damaliger Lebensgefährte vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Mord aus Grausamkeit vor. Aber das Ex-Paar schwieg zum Prozessauftakt zunächst zu den Beschuldigungen.

Die 24-Jährige und ihr 23 Jahre alter Ex-Freund erschienen vor Gericht mit Wollmützen und in Kapuzen. Erst nach einer Aufforderung legten sie ihre Kopfbedeckungen ab und machten Angaben zu ihren Personalien. Mehr gab es von den beiden Angeklagten nicht zu hören. Sie erklärten, sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Die Öffentlichkeit wurde auf Antrag ihrer Verteidiger vom dem Prozess ausgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft warf den beiden Deutschen vor, in der Zeit nach dem 11. Juni und vor dem 27. August 2020 die Fünfjährige durch das Vorenthalten von ausreichend Nahrung «durch Unterlassen gequält» zu haben. Damit hätten sie sie «in die Gefahr des Todes» gebracht. Als das Mädchen Ende August in ein Kölner Krankenhaus eingeliefert worden sei, habe es bei 98 Zentimetern Körpergröße nur noch 8,2 Kilogramm gewogen. Ohne die Klinik «wäre zeitnah mit dem Hungertod des Kindes zu rechnen gewesen», sagte die Staatsanwältin.

Gerettet wurde die Fünfjährige durch das Jugendamt, wie ein Gerichtssprecher erklärte. Die Kita soll eine Meldung gemacht haben, nachdem das Mädchen unentschuldigt gefehlt habe.

Die Zustände in der Wohnung sollen dramatisch gewesen sein. Die Fünfjährige habe ihre Tage verwahrlost und nur mit einer Windel bekleidet in einem mit Erbrochenem und Kot verschmutzten Bett verbracht, hieß es in der Anklage. Dabei habe sie ein dauerndes Hungergefühl gequält. «Eine tödliche Entgleisung des Stoffwechsels war jederzeit möglich», unterstrich die Staatsanwältin. Neben der Fünfjährigen soll auch ihr vierjähriger Bruder in der Wohnung gelebt haben. Für den Prozess wurden zunächst Termine bis Ende Mai festgelegt.

© dpa-infocom, dpa:210411-99-163649/4

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