Corona-Patienten
Angespannte Lage in NRW: mehr Intensivbetten belegt - nur nicht in Münster

Münster -

Während einige NRW-Unikliniken über Engpässe auf Intensivstationen stöhnen, ist die Lage in Münster entspannt. Hugo Van Aken, der Ärztliche Direktor der Uniklinik Münster, verlangt von den Kranken­häusern im Münsterland aber mehr Solidarität - und fordert einen Erlass, der alle Krankenhäuser zwingt, einen bestimmten Anteil ihrer Betten und ihres Personals für Covid-Patienten bereitzuhalten.

Mittwoch, 14.04.2021, 21:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2021, 06:48 Uhr
Corona-Patienten: Angespannte Lage in NRW: mehr Intensivbetten belegt - nur nicht in Münster
In einem Zimmer der Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt. Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Während die Unikliniken in Essen und Köln über Engpässe auf ihren Intensivstationen stöhnen, ist die Lage in Münster „sehr entspannt“. Das hat der Ärztliche Direktor der Uniklinik Münster , Hugo Van Aken, am Mittwoch gesagt. Von den 49 Intensivbetten seien am UKM lediglich elf besetzt. Sogar noch ausreichend Platz, um zwei Patienten aus Osnabrück zu übernehmen.

Trotzdem verlangte Van Aken von den Kranken­häusern im Münsterland mehr Solidarität. Er forderte dringend einen Erlass, der alle Krankenhäuser zwingt, einen bestimmten Anteil ihrer Betten und ihres Personals für Covid-Patienten bereitzuhalten. Das habe es in der ersten Welle auch ge­geben. Das Problem: Die Pauschalen, die die Kliniken für die nicht genutzten Betten bekommen, sind geringer als das Geld, das sie verdienen, wenn in ihnen Patienten liegen. Nun dürften sie nicht klagen, wenn ihre Kapazitäten erschöpft seien, meinte Van Aken.

Die Situation in Münster sei aber nur entspannt, weil der Maximalversorger seit Dezember regelmäßig komplette Abteilungen gesperrt habe, um genug Personal für die Quarantäne-Stationen zur Verfügung zu haben. Seit Anfang der vorigen Woche berichteten jeden Morgen alle Abteilungen mit Intensivbetten über den aktuellen Stand. „Wir wissen genau, wie viele Betten im Laufe ­jedes Tages frei werden, weil Patienten verlegt werden“, berichtet Van Aken. Davon hänge ab, welche Opera­tionen durchgeführt werden und welche nicht. „Und wenn ein Intensivbett an einem Samstag frei wird, dann operieren wir auch samstags“, sagte er.

Warnungen vor einer drohenden Triage

Dagegen bezeichnete eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums die Lage als „sehr angespannt“, und in den nächsten Wochen seien weitere Belastungen zu erwarten. In der Essener Universität, dem patientenstärksten Corona-Behandlungszentrum in NRW, waren am Mittwoch nur noch sieben von 180 Intensiv­betten frei. Außerdem gibt es bereits einzelne Warnungen von Medizinerseite vor einer drohenden Triage, also einer Situation, in der Ärzte nach bestimmten Kriterien prio­risieren müssen, welcher schwer kranke Patient zuerst behandelt wird.

Die Triage müsse nach Van Akens Worten „in einem so robusten Gesundheitssystem wie in Deutschland“ ein Tabu bleiben. Sie dürfe nur im Krieg oder bei Naturkatastrophen eine Rolle spielen. Aber das werde in Deutschland nicht der Fall sein.

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