Neue EU-Regeln belasten Sparkassen
Wohnungsbaukredite im ersten Halbjahr weniger gefragt

Münster -

Die 68 Sparkassen in Westfalen-Lippe haben sich offensichtlich mehr und mehr auf anhaltende Niedrigzinsen und den Druck auf die Margen eingestellt. Zur Jahresmitte präsentierte ihre Verbandsspitze eine Prognose, nach der die heimischen Geldhäuser bundesweit zu den ertragsstärksten Sparkassen gehören.

Freitag, 05.08.2016, 12:08 Uhr

Für den Bau neuer Häuser vergaben die Sparkassen im ersten Halbjahr weniger Kredite.
Für den Bau neuer Häuser vergaben die Sparkassen im ersten Halbjahr weniger Kredite. Foto: Arno Burgi/dpa

Sie liegen in puncto Rentabilität hinter den Instituten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes ( Brandenburg , Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt) auf dem zweiten Platz.

Verbandspräsident Dr. Rolf Gerlach , der im März 2017 nach 22 Jahren sein Spitzenamt abgeben wird, sprach von einem „auskömmlichen Betriebsergebnis“. Auch wenn dieses nach der Hochrechnung gegenüber 2015 im Laufe des Jahres vor Bewertung um 10,3 Prozent zurückgeht, rechnet Gerlach mit einem Jahresergebnis von 179 Mio. €. Dies würde in etwa dem Wert von 2015 entsprechen.

Im Kreditbereich verbuchten die Sparkassen in Westfalen-Lippe im Jahresvergleich (Mitte 2015 zu Mitte 2016) ein Plus von 3,5 Prozent auf insgesamt 87,9 Mrd. € . Um annähernd den gleichen Prozentsatz (3,4) erhöhten sich die Kunden­einlagen auf 92,1 Mrd. € .

Bei einem aktuellen Durchschnittszins für Unternehmen in Höhe von 1,8 Prozent (Vorjahr: 2,0 Prozent) waren im ersten Halbjahr 2016 bei den Sparkassen vor allem Firmenkredite stark nachgefragt. Der Zuwachs um fünf Prozent auf 42,6 Mrd. €  ist aus Sicht von Verbandsvizepräsent Jürgen Wannhoff „bemerkenswert“. Die Kundenkredite an Privatpersonen lagen zur Jahresmitte um 1,8 Prozent über Vorjahr (39,3 Mrd. € ).

Beim Kreditneugeschäft konnten die Sparkassen in Westfalen-Lippe das starke Jahr 2015 nicht wiederholen Vor allem beim wichtigen Geschäft der Wohnungs­baukredite schlagen die Ende März in Deutschland nach EU-Vorgaben eingeführten Wohnimmobilienkreditrichtlinien voll durch.

Das Neugeschäft sank um 10,9 Prozent im Vergleich zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres auf 2,5 Mrd. € . Verschärfte Bonitätsprüfungen und mehr Bürokratie sorgen für Wannhoff für „Verzögerungseffekte“. Ohne den damit verbundenen Schutz für die Kunden in­frage zu stellen, sieht man im Sparkassenverband die deutsche Ausformung der Richtlinie kritisch. „Wir sind hier wieder besonders gut“, erklärte Gerlach. Im Verband rechnet man damit, dass bis sich die Situation bis zum Herbst aber stabilisieren wird. Dann habe sich der neue Prozess „eingeruckelt“.

Die Sparkassenkunden in Westfalen-Lippe investieren aber nicht nur, sie parken auch ihr Geld. Das Plus bei den Kundeneinlagen betraf vor allem die Sichteinlagen, die gegenüber Mitte 2015 um 9,6 Prozent höher lagen (49,9 Mrd. € ). Das Wertpapiergeschäft mit Privatkunden ging wegen der Unsicherh eit an den Kapitalmärkten zurück. Der Wertpapierumsatz lag bis zum Sommer bei 4,5 Mrd. €, damit 22,4 Prozen t unter Vorjahr.

Um unter anderem neue Produkte in der digitalisierten Welt schneller umsetzen und Prozesse besser an­passen zu können, wird die Sparkassenfinanzgruppe ihre Entscheidungsstrukturen optimieren.

Ab 2017, so Gerlach, werden viele Bes chlüsse einem Hauptkoordi­nierungsausschuss über­tragen. Die Zahl der bisher rund 100 Arbeitskreise wird deutlich gekappt. Und damit man mehr von Innovationen profitiert, beteiligt man sich zielgerichtet an neuen Kompetenzzentren wie den digitalen Hubs, die augenblicklich in NRW entstehen.

Durchaus mit etwas Neid verfolgt man auch in West­falen-Lippe, dass die Ge­nossenschaftsbanken mit der Fusion von DZ Bank und WGZ Bank nunmehr über ein Zentralinstitut verfügen. Aus Sicht von Gerlach ist eine deutsche Sparkassenzentralbank überfällig: „Die Führung der deutschen Sparkassen sollte ein Spitzeninstitut ins Auge fassen, um nicht den Hauptmitbewerber von dannen ziehen zu lassen.“

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