„Alle, die eine Ausbildung wollen, sollten eine bekommen“
DGB kämpft für Erhalt von Industrie-Arbeitsplätzen

Münster -

Stefan Körzell warnt vor einem Wandel zum Schlechteren: „Wir gehen sehr fahrlässig mit ­unseren Industriearbeitsplätzen in Deutschland um“, sagte das Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), das am Dienstag auf seiner Sommertour im Münsterland Station machte. „Stellen im Dienstleistungssektor können nicht die hochwertige Beschäftigung in der Indus­trie ersetzen.“

Mittwoch, 08.08.2018, 07:46 Uhr

„Alle, die eine Ausbildung wollen, sollten eine bekommen“: DGB kämpft für Erhalt von Industrie-Arbeitsplätzen
Foto: colourbox.de (Symbolbild)

Körzell beschäftigt auch die Ausbildungsfrage: Trotz des teilweisen Mangels an qualifizierten jungen Nachwuchskräften sieht der Gewerkschafter Betriebe und Politik weiter in der Pflicht, für die unversorgten jungen Menschen zu sorgen: „Alle, die eine Ausbildung wollen, sollten eine bekommen.“

Als Grund für die Schwierigkeit mancher Betriebe, freie Lehrstellen mit ge­eigneten Bewerbern zu besetzen, sieht Körzell auch die geringe Entlohnung. „In einigen Branchen sind die Ausbildungsvergütungen nicht mehr up to date“, kritisierte der DGB-Vorstand. Den Unternehmen warf er vor, die Gewerkschaftsappelle der Vergangenheit nicht ernst genommen zu haben: „Wir haben immer gesagt, bildet über Bedarf aus – der demografische Wandel kommt“, so Körzell.

Um die hohe Nachfrage nach Auszubildenden im Münsterland auch mithilfe der zahlreichen unversorgten jungen Schulabgänger im Ruhrgebiet befriedigen zu können, setze sich der DGB – allerdings bundesweit – für kostenlose Azubi-Tickets für den Öffentlichen Per­sonen-Nahverkehr ein, er­klärte Gewerkschaftssekretär Volker Nicolai-Koß vom DGB Münsterland. Immerhin koste eine Fahrkarte bislang bis zu 60 Euro  monatlich – „unzumutbar bei einem Azubi-Lohn“.

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