Erfolgreicher Tabubruch
Projekt wird fünf Jahre alt: Studienabbrecher werden Lehrlinge

Münster -

Einen BWL-Studenten zieht es in die Tischlerei, eine künftige Floristin wollte einmal Architektin werden, und ein ehedem angehender Japanologe wird nun Fachinformatiker – diese bunten Wege aus Hochschul-Hörsälen in den praktischen Beruf zeigten am Montag die Initiatoren des Programms „Und morgen Meister“ in ihrer Zwischenbilanz auf.

Montag, 03.09.2018, 16:38 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 03.09.2018, 16:36 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 03.09.2018, 16:38 Uhr
Studienabbrecher landen nach der Neuorientierung in sehr unterschiedlichen Ausbildungsberufen – hier zum Beispiel in einem Metall-Betrieb.
Studienabbrecher landen nach der Neuorientierung in sehr unterschiedlichen Ausbildungsberufen – hier zum Beispiel in einem Metall-Betrieb. Foto: dpa

Vor über fünf Jahren, im Januar 2013, hatten die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, die Handwerkskammer Münster und die Industrie- und Handwerkskammer ( IHK ) Nord Westfalen ihr Projekt gestartet. Das Ziel: Jungen Menschen, die mit dem begonnen Studium hadern und eine Alternative suchen, soll eine neue Orientierung geboten werden.

„Damals waren Studien­abbrecher noch ein Tabu-Thema“, weiß Knut Heine. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer ist stolz darauf, vor allem bei den Fachhochschulen der Region ein Umdenken bewirkt zu haben. „Die Kooperation läuft gut.“ Stockend läuft das ­Projekt noch an der Uni­versität Münster. „An der Uni steht das Thema noch nicht so im Fokus“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel .

Doch die Zahlen belegen, dass Studienabbrecher das Angebot zur Neuorientierung intensiv nutzen: Rund 800 junge Menschen hätten das Programm innerhalb der vergangenen fünf Jahre genutzt, berichtete Joachim Fahnemann , der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Ahlen-Münster. 450 Studienabbrecher, also 56 Prozent der Interessenten, hätten dann eine Ausbildung begonnen, so Fahnemann. Fast alle Teilnehmer sind unter 25 Jahre alt. Den Durchschnitt beziffern die Initiatoren des Programms auf 22 Jahre. 61 Prozent waren nach Angaben Fahnemanns männlich, lediglich 39 Prozent weiblich.

Das Projekt umfasst neben Informationsveranstaltungen auch Orientierungsseminare und individuelle Beratungsangebote. „Ziel ist eine passgenaue Besetzung der Stellen“, betonte Jaeckel. Ein wesentlicher Grund für die Anstrengungen der Kooperationspartner ist der wachsende Fach­kräftebedarf im Münsterland. „Es dauert in bestimmten Bereichen immer länger, gute Arbeitskräfte zu finden“, beklagte Jaeckel.

Einen Punkt betonen Heine und Jaeckel mit Vehemenz: „Wir wollen niemanden in eine Lehre locken.“ Man wolle nur diejenigen Studenten auffangen, die nach einer Alternative zur akademischen Ausbildung suchen. Für die Arbeitgeber sind die Studienabbrecher laut Fahnemann attraktive Bewerber: „Sie haben schon Lebenserfahrung und mit ihrem Abitur eine gute schulische Vorbildung.“

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