Die Stadt der Zukunft wird bunter
Megatrends führen zu neuen Wohn- und Arbeitskonzepten

Münster -

Einmal mit der Glaskugel in die Zukunft schauen, um die Trends von morgen schon heute zu identifizieren – welcher Geschäftsmann wäre daran nicht interessiert? Christiane Varga hat am Dienstagabend beim Trialog-Forum in Münster Ideen zum Thema „Stadt neu denken“ präsentiert, wie das ein Stück weit auch ohne Glaskugel funktioniert.

Mittwoch, 31.10.2018, 16:02 Uhr aktualisiert: 31.10.2018, 16:07 Uhr
Der Berliner Holzmarkt ist einer der Orte, an dem eine mögliche Zukunft des Städtebaus schon heute besichtigt werden kann. Das urbane Dorf vereint Wohnen, Ateliers, Handel und Gastronomie.
Der Berliner Holzmarkt ist einer der Orte, an dem eine mögliche Zukunft des Städtebaus schon heute besichtigt werden kann. Das urbane Dorf vereint Wohnen, Ateliers, Handel und Gastronomie. Foto: imago

Die Trendforscherin und Autorin vom Wiener Zukunftsinstitut stellte auf der Veranstaltung des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen Faktoren vor, die die zukünftige Entwicklung von (Innen-)Städten beeinflussen. Sie ist sich ­sicher, dass Leben, Shoppen und Arbeiten auf eine komplett neue Art und Weise miteinander verquickt werden.

Geschäftsleute denken auf Produktebene

Die Grundlage bilden die Megatrends unserer Zeit, die das Zukunftsinstitut bestimmt hat. Dazu zählen neben der Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung unter anderem die Veränderung der Geschlechterrollen, die Alterung der Gesellschaft, ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis und vor allem die Individualisierung. Da Geschäftsleute oft auf der oberflächlichen Ebene der Produkttrends dächten, entstehe bei ihnen eine „soziale Blindheit, welche die Megatrends außer Acht lässt“, referiert Varga . Um selbst Trends zu setzen oder diese frühzeitig zu erkennen, müssten aber verschiedene Blickwinkel eingenommen werden.

Innenstädte sterben nicht aus

Wie also sieht die Stadt der Zukunft aus? Führt die Digitalisierung dazu, dass die ­Innenstädte aussterben? Zur Freude des Einzelhandels beantwortet Varga diese Frage mit einem klaren „Nein“ und verweist auf Michael Radau, Vorsitzender des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland, der in seinem Grußwort die Innenstädte als „identitätsstiftende Orte der Begegnung“ bezeichnete. Jeder Trend habe seinen Gegentrend, so die Soziologin. Die Digitalisierung werde auf Sicht das Gefühl der Überforderung und Sehnsucht nach Begegnungen und Gesellschaft aus­lösen. Der Treffpunkt Stadt bediene diese Sehnsucht. Zudem werde sich dauerhaft eine größere digitale Achtsamkeit etablieren.

Trend zur Individualität

Varga sagt allerdings auch, dass der Trend zur Individualität das Arbeits- und Privatleben grundlegend ändern wird. Standardisierte Lebensformen werde es zukünftig ebenso immer weniger geben wie klassische vom Handel ausgemachte Zielgruppen. Für eine größtmögliche Flexibilität geht der Trend zum Teilen. „Es wird zu immer mehr dörf­lichen Strukturen innerhalb der Stadt kommen . “ Wohnquartiere mit eigenen Begegnungsplätzen und aktiven Nachbarschaften entstünden bereits jetzt in einigen Städten. Das Teilen von Autos, Gärten, Kreativ-Büros und sogar von Wohnraum, etwa in Rentner-WGs, werde zunehmen. „Es kommen Fragen auf wie: Warum muss ­jeder Mieter eines Hauses seine eigene Bohrmaschine oder eine voll ausgestattet Küche haben, wenn diese Dinge vielleicht nur unregelmäßig gebraucht werden?“, sagt Varga.

Wandel wird kommen

Die Modulbauweise werde daher einen großen Aufschwung erleben, um schnell auf sich verändernde Lebensbedingungen reagieren zu können. In den Wohnquartieren werde auch Gastronomie und erlebnisorientierter Handel inte­griert, so die Prognose.

Die Entwicklung dahin habe längst begonnen. Allerdings erstrecken sich die ausgemachten Megatrends über einen Zeitraum von 30 bis 50 Jahre. Der Wandel wird kommen – aber das Tempo ist kaum absehbar.

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