„Irrweg verlassen“
Handwerk fordert Rückkehr zur Meisterpflicht

Das Handwerk dringt auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in den meisten Berufen und Gewerken. „Die Abschaffung der Meisterpflicht in zahlreichen Berufen war, und diese Feststellung ist parteiübergreifend unstrittig, ein Irrweg“, betonte Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung, der müsse verlassen werden.

Mittwoch, 02.01.2019, 15:36 Uhr aktualisiert: 02.01.2019, 16:03 Uhr
Auch für Goldschmiede wurde im Jahr 2004 die Meisterpflicht abgeschafft.
Auch für Goldschmiede wurde im Jahr 2004 die Meisterpflicht abgeschafft. Foto: dpa

Die Prophezeiungen der Befürworter der Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 hätten sich keineswegs erfüllt, erklärte Hund. Im Gegenteil: Es sei nicht zu mehr Beschäftigung und Ausbildung in diesen Berufen gekommen. „Das belegen unsere Erhebungen“, so Hund. Im Übrigen habe die Handwerksbranche das auch schon 2004 vorhergesagt.

Der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer schloss sich dieser Beurteilung an: „Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen.“ Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen.

2004: In mehr als 50 Berufen fällt Meisterpflicht weg

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. „Seit der Deregulierung braucht man als Rolladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied, Orgelbauer oder Musikinstrumentenhersteller keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr, um in diesen Gewerken selbstständig am Markt zu sein“, sagte Wollseifer. Theoretisch könne jeder einfach einen Auftrag annehmen und machen. „Für diese Tätigkeiten sollte man aber qualifiziert sein“, so Wollseifer.

Hund geht noch weiter: „Wir haben zahlreiche Betriebe, die nachweislich unqualifizierte Arbeiten abliefern, also mehr Mängel, mehr Verbraucherbeschwerden als es früher der Fall war.“ Das beweise, so der münsterische Kammerpräsident, dass der Meistertitel in Deutschland ein Qualitätssiegel sei.

Konsequenzen auch bei Lehrlingsausbildung

Auch in Sachen Lehrlingsausbildung ist der Weg der Meisterpflicht in vielen Gewerken spürbar. Hund nannte eindrucksvolle Zahlen: Im Jahr 2004 habe jeder „meisterpflichtige“ Betrieb statistisch 0,84 Lehrlinge ausgebildet. 2018 waren es 0,92 Lehrlinge je Betrieb.

Bei den zulassungsfreien Betrieben sackte der Wert laut Hund im selben Zeitraum von 0,43 auf 0,08 Auszubildenden pro Betrieb ab. Ausbildung fände in diesen Berufen fast nur noch in den meistergeführten Altbetrieben statt, sagte der Kammerpräsident. Deren Zahl werde aber mit der Zeit immer weiter sinken, weil auch immer weniger Fachkräfte nachwachsen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6293221?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F2295806%2F
Ulf Schlien: Abschied von einem „unverwechselbaren Typen“
Präses Annette Kurschus hatte Ulf Schlien im Februar 2018 ins Amt eingeführt – nun hielt sie die Predigt beim Gedenkgottesdienst für den unerwartet verstorbenen Superintendenten.
Nachrichten-Ticker