Wandel in der Bankenwelt: IT-Dienstleister Fiducia & GAD stellt sich neu auf
Vor dem Quantensprung

Münster. -

Die Bankenlandschaft wandelt sich. Das erhöht auch die Ansprüche an die IT-Dienstleister der Branche. Fiducia & GAD hat jetzt reagiert.

Donnerstag, 13.08.2020, 11:04 Uhr
Martin Beyer, , Vorstandssprecher der Fiducia & GAD
Martin Beyer, , Vorstandssprecher der Fiducia & GAD Foto: Peter Grewer

Der IT-Dienstleister Fiducia & GAD steht vor einem gewaltigen Umbruch. „Quantensprung“ nannte Vorstandssprecher Martin Beyer die zum 1. Oktober dieses Jahres wirksam werdende neue Unternehmensstrategie im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Konzern mit Sitz in Münster (2500 Mitarbeiter) und Karlsruhe will in zahlreichen Bereichen völlig neue Herangehensweisen verankern. Der Grund für den radikalen Schritt fünf Jahre nach der Großfusion der münsterischen GAD mit der Karlsruher Fiducia ist für den seit einem Jahr amtierenden neuen Chef vor allem der große Wandel, in dem die Bankenwelt zurzeit insgesamt steckt. „Viele Non-Banking-Unternehmen wollen am Markt partizipieren“, weiß Beyer, dessen Unternehmen insbesondere für die Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch für zahlreiche Privatbanken IT-Landschaften schafft und betreut.

Wegen der neuen Konkurrenz und der sich rasend schnell wandelnden Ansprüche im Markt der Banken-IT hält es Beyer für unumgänglich, das soeben bei allen Volksbankenkunden installierte Kernbanksystem „agree21“ künftig als offene Plattform zu gestalten. Das heißt, es sollen den Kunden in Zukunft Module zur Verfügung gestellt werden, an die Drittprodukte angedockt werden können. „Wir müssen äußerst schnell auf neue Themen reagieren können“, ist sich der Konzernchef sicher.

Notwendig sei die Strategie einer offenen Plattform auch, weil Volksbanken sich künftig nicht mehr ausschließlich auf Banken-Dienstleistungen beschränken würden, meint Beyer. Wer etwa beim Kreditinstitut einen Hauskauf finanziere, könne sich in Zukunft wohl auch einen Handwerker über die Bank-Plattform beschaffen. Ebenso könne der Einkauf beim Bio-Bauern in der Region über die Volksbank vermittelt werden.

Als weiteres Element der neuartigen Unternehmensphilosophie nannte Beyer auch den Ausbau strategischer Partnerschaften. „Wir wollen künftig nicht mehr alles selbst programmieren.“ Vor allem bei regulatorischen Fragestellungen sei eine Kooperation sinnvoll, so der Firmenchef.

Auswuchs der neuen Strategie ist auch eine veränderte Führungsstruktur bei Fiducia & GAD: „Agile Organisation“ bezeichnet der Vorstandssprecher den neuen Aufbau. In einzelnen Geschäftsbereichen würden künftig alle Funktionen von der Softwareentwicklung über den Vertrieb bis hin zum Betrieb des Systems gebündelt. „Damit ist die Verantwortung klar zugeordnet“, so Beyer.

In der Corona-Pandemie setzt auch Fiducia & GAD intensiver auf die Arbeit im Homeoffice. „80 bis 90 Prozent der Mitarbeiter haben in der Spitze zu Hause gearbeitet“, betonte Beyer. „Zurzeit liegt die Quote noch bei 50 Prozent.“ Auch das Verhalten der Bankkunden habe sich im Zuge der Corona-Krise verändert: Die Menschen zahlen viel öfter per Karte. Das führt zu mehr Buchungen als Barabhebungen, was dem Unternehmen zugutekommt. „Viele Kunden, die bislang vor allem mit Bargeld bezahlt haben, haben die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens jetzt erst richtig kennengelernt“, so Beyer.

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