Nach dem Sieg in Bremen
Geister-Party im Norden - Bayern feiern 30. Titel ohne Fans

Keine Weißbierduschen, keine Fangesänge im Stadion - die 30. deutsche Meisterschaft und die achte nacheinander ruft beim FC Bayern gemischte Gefühle hervor. Trainer und Team haben zwei weitere Ziele.

Mittwoch, 17.06.2020, 09:51 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 10:44 Uhr
Die Spieler von Bayern München feiern die deutsche Meisterschaft.
Die Spieler von Bayern München feiern die deutsche Meisterschaft. Foto: Martin Meissner

Bremen (dpa) - Auch bei der Abfahrt aus dem Weserstadion kam kurz vor Mitternacht keine Meisterstimmung auf.

Rund 20 Schaulustige warteten vor dem Mannschaftsbus des neuen und alten deutschen Meisters FC Bayern München , als Spieler, Trainer und Betreuer mit Masken vor dem Mund einsteigen und in Richtung des Bremer Atlantic-Hotels davonfuhren. Nur Bayern-Urgestein Thomas Müller stimmte nach seinem neunten Titel mit dem Rekordmeister ein kurzes Liedchen mit den Fans an. Im Hotel in der Hansestadt wollten Trainer Hansi Flick & Co. dann zumindest ein wenig den 30. Meistertitel insgesamt und den achten nacheinander feiern. «Es ist einfach Freude pur», sagte Flick.

Der 55-Jährige hatte im November 2019 den glücklosen Double-Gewinner Niko Kovac abgelöst und formte die zwischenzeitlich schwächelnden Bayern wieder zu einer Meistermannschaft. «Als Hansi das Ruder übernommen hat, hat er das Schiff sehr schnell wieder auf Fahrt gebracht», lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:0-Sieg bei Werder Bremen den einstigen Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw. Dieser hätte nach eigenen Worten sogar eine Weißbierdusche in Kauf genommen, doch in Corona-Zeiten gab es natürlich keine wilde Party im fast menschenleeren Stadion.

So hat Bayern München die Meisterschaft gefeiert

1/13
  • Mit einem Sieg in Bremen ist Bayern München zum achten Mal in Folge Deutscher Meister geworden. Die Feierlichkeiten hielten sich in Grenzen.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Münchens Robert Lewandowski (l) erzielt das Tor des Tages im leeren Stadion in Bremen.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Der Stürmer feiert mit seinem Teamkollegen Jerome Boateng den Führungstreffer.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Jubel nach Abpfiff: Nach dem 1:0-Sieg ist den Bayern die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen, zu groß ist der Vorsprung auf den Zweitplatzierten aus Dortmund. Für Manuel Neuer (r.) ist es der achte Meistertitel mit den Bayern – alle in Folge. Thomas Müller (2.v.r.) hat sogar einen Meistertitel mehr.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Etwas anders sieht es bei diesen beiden aus: Für Leon Goretzka (l) ist es die zweite Meisterschaft, für Benjamin Pavard sogar eine Premiere. Dafür ist der Franzose schon Weltmeister geworden. Die Feierlichkeiten damals waren allerdings deutlich ausgelassener.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Ein gewohntes Bild: Bayern München feiert die Deutsche Meisterschaft jetzt insgesamt schon zum 30. Mal.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Jerome Boateng (l) und Lucas Hernandez feiern die Meisterschaft – ganz coronagerecht – ohne Umarmung.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Natürlich gab es auch das obligatorische Meister-T-Shirt. Die letzte Mannschaft, die vor dem Rekordlauf der Münchener – zuvor waren drei Titel in Folge das Maximum – die Meisterschaft gewann, war 2012 Borussia Dortmund.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Ohne Fans im Stadion blieb den Spielern nichts anderes übrig als sich selbst zu feiern. „Ohne Fans zu feiern ist ein bisschen kompliziert“, sagte Torschütze Lewandowski.

    Foto: Martin Meissner (dpa)
  • Die Fans verfolgten das Spiel zu Hause oder wie hier in einem Café in München.

    Foto: Sven Hoppe (dpa)
  • Die Corona-Vorschriften sorgten aber auch hier dafür, dass es nicht zu trubelig wurde.

    Foto: Sven Hoppe (dpa)
  • Auch auf der Leopoldstraße in München, sonst Feiermeile der Bayern-Fans, waren am Dienstagabend nichts los.

    Foto: Sven Hoppe (dpa)
  • Auch die sonst übliche Meisterfeier auf dem Marienplatz (hier ein Bild von 2019) fällt in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus.

    Foto: dpa (Archiv)

Stattdessen wollte sich Flick einen besonderen Drink mit Club-Legende Hermann Gerland gönnen. «Ich habe keine Ahnung, wie das Programm heute Abend ist. Ich weiß nur, dass Hermann Gerland gesagt hat, ich soll irgendetwas mit Cola trinken, ich glaube mit Whiskey. Das werde ich tun, weil er es sich verdient hat. Deswegen werde ich mit ihm eine Bourbon-Cola-Light trinken», kündigte Flick an.

Zwei Spieltage vor Saisonschluss liegen die Bayern uneinholbar auf Platz eins der Tabelle und wollen nach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg am kommenden Samstag zumindest ein bisschen im heimischen Stadion feiern - allerdings ohne die Frauen und nur im ganz kleinen Kreis, wie Rummenigge nach der Partie in Bremen verriet. Die Meisterschale gibt es ohnehin erst nach dem 34. und letzten Spieltag beim Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg. Doch schon jetzt gilt die Konzentration von Trainer und Team zwei weiteren Zielen: dem DFB-Pokalfinale am 4. Juli gegen Bayer Leverkusen und der Champions League, die vermutlich als Finalturnier in Lissabon stattfindet.

«Die Ziele sind immer hoch. Wir haben den ersten Schritt gemacht. Wir haben noch den Pokal, das nächste Ziel», sagte Flick und betonte: «Die Champions League kann man nicht planen. Es wird immer nur ein Spiel sein. Da müssen wir auf dem Punkt topfit sein.»

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7453570?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F1614511%2F
Nachrichten-Ticker