Rainer Schepper liest zum ersten Mal aus dem Kriegstagebuch seiner Tante
„Dumpfe Luft von Erde und Blut“

Ladbergen -

Der 1. August 1914 hat sich ins Gedächtnis der Weltgeschichte gebrannt. Ungezählte tatendurstige junge Männer ziehen damals voller Enthusiasmus in den „Großen Krieg“. Sie stellen schon bald fest, dass sie entgegen ihrer Erwartungen nicht schon zu Weihnachten wieder bei ihren Familien und Angehörigen daheim sind.

Samstag, 19.07.2014, 09:07 Uhr

Der Erste Weltkrieg , der erste mit Massenheeren und neuen Waffensystemen, deren Vernichtungskraft alles bisher gekannte in den Schatten stellt, soll sie und die Welt für immer verändern.

Christine Schulte-Lippern, geboren am 13. Juni 1889 in Münster , zieht seinerzeit als freiwillige DRK-Schwester mit hinter die Front nach Frankreich (Sedan und Vouziers). Ihre Erlebnisse hält sie in einem Tagebuch fest, das später in die Hände von Rainer Schepper gelangt. Anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsausbruchs am 1. August 1914 liest der in Ladbergen nicht unbekannte Rezitator am 24. September um 19.30 Uhr im Gasthaus „Zur Post“ zum ersten Mal aus diesem Werk.

„Christine Schulte-Lippern war die Schwester meiner Mutter“, erzählt Rainer Schepper im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten . „Das Tagebuch befindet sich seit Jahrzehnten im Familienbesitz. Als meine Mutter starb, habe ich es übernommen“, sagt er.

Die Erinnerungen der Schreiberin zeichnen eindrucksvolle Bilder: „Unvergesslich werden jedem jene verhängnisvollen Tage sein, der sie miterlebt“, ist dort zu lesen. „Die Österreichische Note an Serbien und alle sich daran reihenden Ereignisse. Alte, liebe Vaterstadt Münster, von Deinem Herzen aus sah ich, wie unser starkes deutsches Reich aus seinem Friedensschlummer erwachte und durch das eine Wort aufgeweckt wurde: Mobilmachung“.

Die Aufzeichnungen, so Rainer Schepper (geboren am 23. März 1927) zeugten von einem Patriotismus, der heute nur schwer zu verstehen sei. „Deutschlands Frauen wollten nicht hinter ihren Männern zurückstehen. Tausend hilfsbereite Hände streckten sich der Arbeit entgegen“, schreibe Christine Schulte-Lippern.

Neben dem Tagebuch, so Schepper weiter, existierten zwei Kriegsalben mit insgesamt rund 180 Originalfotos, teilweise auch Postkarten von Soldaten. Sie zeugen vom Alltag im Lazarett („Eine dumpfe Luft von Erde, Schweiß und Blut“), von der Stimmung an der Front, von Grauen, Rohheit und anderen Dingen, die das Kriegsgeschehen mit sich brachte.

„Ich habe lange gebraucht, um die Tagebücher zu entziffern. Sie sind in einer Handschrift verfasst, die oft nur schwer zu lesen ist“, sagt Rainer Schepper. Besonders Ortsnamen seien häufig kaum nachzuvollziehen gewesen. „Jetzt sind aber alle Texte erfasst und im Computer gespeichert“, freut er sich. In Buchform sollen sie „vermutlich noch vor Weihnachten“ veröffentlicht werden.

Die Lesung in Ladbergen, die in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Lengerich veranstaltet wird, ist nach Scheppers Worten „eine Premiere“. Nie zuvor habe er Passagen aus dem Tagebuch vor Publikum gelesen.

Wie die stellvertretende VHS-Direktorin Angelika Weide versichert, ist „das Einzigartige und Besondere an der Lesung, dass es sich um Berichte einer Frau von der Front handelt“.

Karten gibt es an der Abendkasse für acht Euro (ermäßigt sechs Euro).

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