Feinde im Tod vereint
Neues Denkmal bei Notre-Dame-de-Lorette in Nordfrankreich verbindet ehemalige Kriegsgegner

Notre-Dame-De-Lorette -

Sie haben einander getötet – vor hundert Jahren. Jetzt sind ihre Namen auf einem einzigen langen elliptischen „Ring der Erinnerung“ vereint. 580 000 Einträge von A bis Z: französische, deutsche, britische Namen. Aber es gibt keine Angabe zur Nationalität, zum Dienstgrad, zur Religion. 580 000 Soldaten, die im Ersten Weltkrieg in der französischen Region Nord-Pas de Calais gefallen sind. Zum ersten Mal unterscheidet ein Weltkriegs-Denkmal nicht zwischen Freund und Feind. Hundert Jahre nach dem „europäischen Bürgerkrieg“ ist die Zeit dafür reif. Aus den verfeindeten Völkern sind längst Freunde geworden.

Montag, 10.11.2014, 20:11 Uhr

Ein Ring verbindet einstige Feinde: Im Innenkreis sind die Namen von 580 000 in Nordfrankreich gefallenen Soldaten verzeichnet – unabhängig von Nationalität, Rang und Religion.  
Ein Ring verbindet einstige Feinde: Im Innenkreis sind die Namen von 580 000 in Nordfrankreich gefallenen Soldaten verzeichnet – unabhängig von Nationalität, Rang und Religion.   Foto: Mémorial de Notre-Dame-de-Lorette/AAPP Philippe Prost/Conseil Régional Nord-Pas-de-Calais

Frankreichs Präsident François Hollande wird das Denkmal des Architekten Philippe Prost in Ablain-Saint-Nazaire am heutigen Dienstag, dem Jahrestag des Waffenstillstandes 1918, einweihen. Unter den erwarteten Gästen des Staatsaktes: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Alle Namen ohne Unterschiede eingraviert auf einem einzigen langen Ring? „Ein schöner Gedanke“, findet André Leroy . Schließlich seien sie alle „Victimes“ (Opfer) des Krieges. Gemeinsam mit seinem Kameraden Ernest schiebt der Kriegsveteran mit der Trikolore am Arm Ehrenwache auf dem benachbarten französischen Soldatenfriedhof Notre-Dame-de-Lorette – dem größten in ganz Frankreich. Mehr als 40 000 französische Soldaten sind hier begraben. 20 000 davon in Einzelgräbern – weiße Kreuze auf 25 Hektar. Zum Teil liegen Vater und Sohn nebeneinander.

Ernest und André stehen unter dem Laternenturm in einem der acht Beinhäuser, in denen die Gebeine jener 22 000 Soldaten ruhen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Der Lorettohügel – eine der wenigen Erhebungen in der Region zwischen Lens und Arras , und strategisch wichtig – war im Ersten Weltkrieg hart umkämpft.

Wer vom Beinhaus hinüberschlendert zum schlichten Ring von Philippe Prost, der muss eine Art (Schützen-)Graben passieren, um ins Innere des riesigen Kreises zu gelangen. Erst dort sieht er die lange Reihe der Namen: französische, britische, deutsche – vereint auf dem einen Ring. Prost will den Ring als Symbol der Einheit verstanden wissen. Er soll die brüderliche Verbundenheit ausdrücken, die heute zwischen den Völkern herrsche, die sich im Ersten Weltkrieg bekämpft haben.

„Doch, das ist schon gut“, sagt André Leroy. „Wenn auch ein wenig teuer“, spielt der alte Herr auf die Kosten von über 6,5 Millionen Euro an. In welchem Krieg er selbst gekämpft hat? „In Algerien. Ein sinnloser Krieg“, sagt André. „Wie alle Kriege.“

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Informationen für Besuche vor Ort: Atout France – Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 100128, 60001 Frankfurtwww.rendezvousenfrance.cominfo.de@rendezvousenfrance.com

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