Professor Dr. Paul Leidinger referierte
Ein Ende ist immer auch ein Neuanfang

Ahlen -

Einen Vortrag unter dem Titel „Der Erste Weltkrieg – Deutschland und die Türkei“ hielt Professor Dr. Paul Leidinger in der Ahlener Volkshochschule. Dabei wurde der Erste Weltkrieg aus der Perspektive des damals mit Deutschland verbündeten Osmanischen Reichs beleuchtet.

Dienstag, 07.10.2014, 15:10 Uhr

Was assoziieren die Menschen heute mit dem Ersten Weltkrieg ? Vielen historisch Interessierten wird wohl sofort der zermürbende Stellungskrieg ins Gedächtnis kommen, der im Zentrum Europas ab 1914 tobte. Die „Hölle von Verdun“ oder die „Blutpumpe von der Sommes“ sind bekannte Beschreibungen für besonders blutige Gefechte zwischen den Truppen des Wilhelminischen Kaiserreiches und denen Frankreichs an der Westfront.

Aber nicht nur in Europa tobte vor 100 Jahren der Krieg, auch das damals noch existierende Osmanische Reich war involviert. Wie es zu dessen Kriegsbeitritt kam und welche verheerenden Auswirkungen der Weltkrieg für das Osmanische Reich hatte, erläuterte am Montagabend Professor Dr. Paul Leidinger . Sein Vortrag im voll besetzten Alten Ratssaal beleuchtete die Wirren des Krieges aus einer Perspektive, die vielen Zuhörern bis dahin nicht ganz so gut bekannt war.

Ab dem November 1914 führte das Osmanische Reich den Krieg nämlich an der Seite Deutschlands , obwohl es sich im August zuvor noch für neutral erklärt hatte. Allerdings gab es Vertreter der jungtürkischen Revolution in der Regierung, die den Kriegsbeitritt forcierten. Der Kriegsverlauf brachte dann bis zur Kapitulation im Jahr 1918 großes Leid für Soldaten und Bevölkerung.

Serhat Ulusoy (Ahlener türkischer Elternverein), Professor. Dr. Paul Leidinger (Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins Beckum-Warendorf) und Uwe Schnafel (VHS-Fachbereichsleiter Politik und Geschichte, kl. Bild v.l.) erläuterten die Ereignisse

Serhat Ulusoy (Ahlener türkischer Elternverein), Professor. Dr. Paul Leidinger (Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins Beckum-Warendorf) und Uwe Schnafel (VHS-Fachbereichsleiter Politik und Geschichte, kl. Bild v.l.) erläuterten die Ereignisse Foto: Martin Feldhaus

Nachdem zwei Kriegsschiffe südrussische Häfen beschossen hatten, erklärte Russland dem Osmanischen Reich den Krieg und drang um die 200 Kilometer in Ostanatolien vor. Große Teile der armenischen Bevölkerung liefen dann zu den Russen über.

Bezüglich eines Genozids an den Armeniern zu dieser Zeit äußerte sich Professor Dr. Paul Leidinger recht eindeutig: „Ich habe alle Quellen aus dieser Zeit gelesen und sie lassen keine Zweifel zu“, so der Vorsitzende des Kreisgeschichtsvereins Beckum-Warendorf. Man müsse bei der „Armenienfrage“ allerdings immer beide Seiten sehen. Die Armenier hätten nämlich in Ostanatolien an der Seite der Russen ebenfalls Massaker begangen. Nach dem Krieg war der Zusammenbruch des Osmanischen Reichs zugleich die Geburtsstunde der Türkei. Geprägt von den westlich orientierten Jungtürken entstand durch die Ausrufung am 29. Oktober 1923 eine säkulare, laizistische Republik. Von einem „türkischen Wunder“, das Gründer Kemal Atatürk vollbracht haben soll, ist in diesem Zusammenhang weithin die Rede.

Die Säkularisierung bedeutet allgemein jede Form von Verweltlichung, im engeren Sinn aber die durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse, welche die früheren engeren Bindungen an die Religion gelöst und den Lebenswandel zunehmend auf Basis menschlicher Vernunft begründet haben. Soziologisch wird dieser Prozess in der aktuellen Denkweise als „sozialer Bedeutungsverlust von Religion“ bezeichnet. Für manche Gruppen steht Säkularisierung auch als Synonym für „Entchristlichung“.

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