Erster Weltkrieg
Enkel finden 700 Feldpostbriefe auf dem Dachboden

Kattenvenne -

Eigentlich sollte Anstreicher und Glaser August Jasper (1896-1966) aus Kattenvenne im Sommer 1914 nur an einer Reserveübung teilnehmen. Doch plötzlich wurde der 18-Jährige zu einer Übung zur deutschen Mobilmachung des Ersten Weltkrieges herangezogen und kam unvermittelt an die Front. 

Dienstag, 29.04.2014, 10:04 Uhr

100 Jahre später rekonstruieren seine Urenkel Sabine und Steffen Rotsch in Heidelberg gemeinsam mit seiner Enkelin Christel Rotsch und ihrem Mann Joachim in Kattenvenne seine Erlebnisse an der Westfront und in der Etappe. Möglich machen dies seine über 700 Feldpostbriefe und zahlreiche Postkarten, allesamt in Sütterlin geschrieben und überraschend gut erhalten. Christel Rotsch: „Die Briefe haben wir in Schuhkartons meiner Oma gefunden und die Fotos in einem kostbaren Jugendstil-Postkartenalbum auf dem Dachboden .“ Seitdem digitalisiert Urenkelin Sabine Rotsch die Briefe: „Bis 1917 habe ich sie schon komplett in meinen PC geschrieben und einen Zeitstrahl erstellt.“ Soldat Jasper schrieb am Anfang mit Tinte, am Ende mit Bleistift, und er schrieb oft, so groß war die Sehnsucht nach seiner Frau Dina.

August Jasper machte in der Etappe oft Versorgungsfahrten und Meldegänge mit dem Fahrrad, war aber auch an der Front. „So viel Tote und Verwundete“ schrieb er. „Nach 14 Tagen endlich aus dem Schützengraben raus. Keine Zeit zum Kleidung wechseln, bis an die Knie im Wasser gestanden.“ Danach stand die große Wäsche an. „Ich habe vier Stunden gekocht, damit die Bienen kaputt gehen . . .“ Er meinte die Läuse.

Oft musste er die Stellung wechseln. „Dann war er in größter Sorge“, berichtet seine Urenkelin Sabine Rotsch bei der Durchsicht der Briefe. „Denn es gab zehn Tage keine Feldpost, kein Zeichen von zu Hause. Das tat ihm nicht gut.“

Das Eiserne Kreuz bekam August Jasper 1917. „Aber es interessierte ihn nicht“, sagt seine Enkelin. „Er war nie begeistert vom Krieg und schickte das Eiserne Kreuz nach Hause, anstatt es sich umzuhängen.“ Christel Jasper (geboren 1943) hat ihren Opa gut in Erinnerung. „Mein Vater starb im Zweiten Weltkrieg und August war ein guter Vaterersatz für mich.“ Nach 1918 führte er in Kattenvenne einen Anstreicher- und Glaserbetrieb. Joachim Rotsch, der Mann seiner Enkelin, erinnert sich: „Er war ein bodenständiger Mensch, immer mit seinem Rad unterwegs. Der Fensterkitt lagerte auf dem Gepäckträger, die Leiter trug er auf der einen, den Farbeimer auf der anderen Schulter.“

Und er bleibt in Erinnerung: 1928 vergoldete August Jasper den Wetterhahn der Evangelischen Kirche in Kattenvenne.

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