KZ-Außenlager im Eisenbahntunnel Lengerich
Blättern in einem dunklen Kapitel

Lengerich -

Studierende des Historischen Seminars in Münsters habe die Geschichte des Lengericher Eisenbahntunnels während des Zweiten Weltkriegs aufgearbeitet. Das Ergebnis kann jetzt im Westfälischen Feldbahnmuseum angeschaut werden.

Sonntag, 08.07.2012, 23:07 Uhr

KZ-Außenlager im Eisenbahntunnel Lengerich : Blättern in einem dunklen Kapitel
Im Westfälischen Feldbahnmuseum ist an den nächsten drei Sonntagen die Ausstellung des Historischen Seminars der Uni Münster zum Eisenbahntunnel als KZ-Außenlager zu sehen. 15 Schautafeln informieren (rechts). Foto: M. Baar

Wie bringt man das, was man im Hörsaal lernt und zu Hause bearbeitet, unters Volk? Eine gute Möglichkeit haben die 20 Studenten des Historischen Seminars der Uni Münster gefunden: Gestern Morgen ist im Westfälischen Feldbahnmuseum die Ausstellung „Jenseits von Tarnname Rebhuhn“ eröffnet worden. Die Studenten werden detaillierte Blicke auf die vielen Facetten des Lengericher Eisenbahntunnels während des Zweiten Weltkriegs .

Als eine „schöne und spannende Abwechslung“ beschreibt es Student Philipp Erdmann, die Ausstellung vorbereitet zu haben. Seine Kommilitonin Anna-Lena Böttcher erläutert einen Aspekt, der unter die Lupe genommen wurde: Was bedeutet es, Häftling zu sein und im Außenlager des KZ Neuengamme, eben im alten Eisenbahntunnel Lengerich , arbeiten zu müssen?

Zeitzeugenberichte gibt es nur wenige. Rund 200 Häftlinge, untergebracht im Tanzsaal der Gaststätte Brunsmann (heute „Centralhof“) arbeiten in zwei Schichten rund um die Uhr. Dünner Kaffee, gekocht aus Kartoffeln, ein oder zwei Scheiben Brot (Wurst, Käse oder Marmelade gibt es nicht immer), mittags eine dünne Suppe – Mangelernährung ist die Regel. Hinzu kommen ständige Appelle, oft als reine Schikane der SS-Schergen gegenüber den Kriegsgefangenen.

Auf 15 großformatigen Schautafeln haben die Studenten die Ergebnisse ihrer Recherchen dokumentiert. Die zahlreichen Besucher der Eröffnung stehen oft fassungslos vor den Bildern und Texten. Unterhaltungen werden in gedämpftem Ton geführt.

„Der Raum passt gut zur Ausstellung“, sagt Dr. Sabine Kittel und blickt sich im Feldbahnmuseum um. Die Leiterin des Historischen Seminars kündigt einen Spaziergang zum Alten Tunnel an. Dort soll Mittags eine Tafel angebracht werden. Der einsetzende Regen macht einen Strich durch die Wanderung.

Für die Eisenbahnfreunde – sie unterhalten das Feldbahnmuseum – sei die Bereitstellung kein Thema gewesen. „Wir haben gerne Ja gesagt“, erklärt Günther Schliek und verweist auf den direkten Bezug: Im KZ-Außenlager war auch eine Feldbahn im Einsatz.

Bürgermeister Friedrich Prigge spricht von einem dunklen Kapitel, das auf eindrucksvolle Weise beleuchtet werden. „Es wurde früher kaum bis gar nicht darüber gesprochen“, erinnert er sich. „Gut, dass das Thema jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet wird.“

Mit seinem Angebot überrascht er Sabine Kittel und Thomas Köhler (Villa ten Hompel, Münster), die gemeinsam das Seminar leiten. „Wo bleiben die Tafeln nach der Ausstellung?“, will der Bürgermeister wissen und denkt laut darüber nach, ob sie nicht in der Stadt gezeigt werden können.

Eine Anregung, die Thomas Köhler gerne aufgreift. Er nennt ein wesentliches Ziel des Seminars: „Die Studenten sollten lernen, wie sie ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

► Die Ausstellung ist an den nächsten drei Sonntagen (15., 22. und 29. Juli) jeweils von 11 bis 12 Uhr geöffnet. Zwei Studenten stehen dann jeweils ans Ansprechpartner zur Verfügung.

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