Verbundschule verabschiedet 91 Schüler
„Ihr habt alle einen Weltmeistertitel“

Everswinkel -

Mit einer stimmungsvollen Abschiedsfeier sind 91 Verbundschüler verabschiedet worden. Nun beginnt für sie eine neue, spannende und ungewisse Zukunft.

Mittwoch, 04.07.2018, 16:08 Uhr

Leistungsstarker Jahrgang: Die 91 Schüler sind froh, nun endlich ihren Abschluss in der Tasche zu haben. Die meisten Lebenswege trennen sich nun in verschiedene Richtungen.
Leistungsstarker Jahrgang: Die 91 Schüler sind froh, nun endlich ihren Abschluss in der Tasche zu haben. Die meisten Lebenswege trennen sich nun in verschiedene Richtungen. Foto: Marion Bulla

Der Saal ist voll besetzt und viele Besucher müssen stehen. Zu den Pianoklängen von Schülerin Hanna Dudey folgt zum Auftakt der Feier der Einmarsch der scheidenden Zehntklässler. Es ist für die 91 Absolventen der Verbundschule wohl das letzte Mal, dass sie als Everswinkeler Schüler gemeinsam Platz nehmen. Ab jetzt geht es für sie in eine neue und spannende, wenn auch ungewisse Zukunft.

Bevor der offizielle Teil startet, betreten Ina Markfort, Johanna Kaschke und Nele Potthoff die Bühne. Unter großem Beifall singen sie das Lied „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Soll der liturgische Freudengesang ihre Begeisterung über das Ende der Schulzeit im Vitusdorf ausdrücken? Oder ist es ein „Hallo“, wir grüßen euch alle? Ganz egal, der Tag ist für alle ein denkwürdiger Anlass, und das Trio überzeugt mit großartigen Stimmen und jeder Menge Mut, diesen Auftritt vor so großem Publikum zu meistern.

Das Motto, das sich die Schüler ausgedacht haben, erzeugt bei einigen Stirnrunzeln. Es lautet nämlich: „Absturzklasse 18“. „Das kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Ihr könnt stolz auf eure Leistungen sein. Hier in der Schule ist ein Absturz sicherer Raum und wir sind sicher, dass ihr das richtige Rüstzeug habt, um nicht abzustürzen“, findet etwa Schulleiter Hubertus Kneilmann-Uekötter.

Dass die Jugendlichen ihre Sache gut gemacht haben, beweisen auch die Ergebnisse. Aus den beiden Hauptschulklassen haben von 38 Zehntklässlern 19 einen Hauptschulabschluss, zehn die Fachoberschulreife (FOR) und neun die Fachoberschulreife mit Qualifikation zur gymnasialen Stufe geschafft. 23 gehen weiter zur Schule und einer besucht das Augustin-Wibbelt-Gymnasium. 14 werden eine betriebliche Ausbildung beginnen. „Das finden wir richtig gut, denn Facharbeiter werden dringend benötigt“, betont der Schulleiter.

Beim Realschulzweig ist der Erfolg noch ersichtlicher. Alle 53 Schüler aus den beiden Klassen erreichten die FOR und sage und schreibe 40 Schüler sogar mit Qualifikation. „Glückwunsch, ganz toll gemacht!“, freuen sich Pädagogen und Verwandtschaft gleichermaßen. Bis auf acht Absolventen, die eine Ausbildung anstreben, gehen alle weiter zur Schule. Entweder zur Fachschule, zum Berufskolleg oder zum AWG.

„Keine Frage, dies ist ein leistungsstarker Jahrgang. Das muss man wirklich sagen“, äußert sich Hubertus Kneilmann-Uekötter anerkennend.

„Das Projekt Verbundschule steckte damals, vor sechs Jahren, als ihr eingeschult wurdet, noch in den Kinderschuhen. Ihr musstet euch umstellen und euch im Labyrinth neu finden. Auch ich kam vor sechs Jahren als Leiter dieser Schule hierher und musste mich erst zurechtfinden. Ich habe aber das Glück, dass ich bleiben darf, und ihr müsst gehen“, scherzt er.

Auch Sebastian Seidel lobt die Leistungen der Entlass-Schüler. Zuvor muss der Bürgermeister aber noch eine positive Neuigkeit loswerden. Aus Düsseldorf sei die Zusage gekommen, dass die Verbundschule über 2020 weiter bestehen werde. „Das fabelhafte System hat sich herumgesprochen. Das ist ein tolles Signal“, zeigt Seidel sich zufrieden und richtet dann das Wort an die Absolventen. „Ihr seid keine Einzelkämpfer, sondern als Gemeinschaft im Team so weit gekommen. Vielleicht fehlte bei der WM in Russland einfach die Teamarbeit, um zu gewinnen. Das wird euch nicht passieren“, prognostiziert Sebastian Seidel.

Klassenlehrer Markus Weinberg springt verbal auf den Fußballzug auf und vergleicht die Schulzeit mit einer Fußballmannschaft. In der Fünften hätten sie alle neue Mitspieler und Trainingsräume bekommen. Jeder habe sich seinen Stammplatz erkämpfen und die Spielweise verbessern müssen. „Ähnlich wie im Fußball gibt es auch bei euch unterschiedliche Spielertypen, die mal einen Sieg einfahren, unentschieden spielen oder verlieren. Es gab auch rote und gelbe Karten. Doch jetzt habt ihr alle euren eigenen Weltmeistertitel in der Tasche und wer weiß, vielleicht kommen noch andere Titel hinzu“, bemerkt Weinberg schmunzelnd.

Während der Zeugnisübergabe gibt es ein Novum. „Wir ehren zwei Schüler, das gab es noch nie. Aber diese beiden sind ganz besonders“, begründet Hubertus Kneilmann-Uekötter die Maßnahme. Zunächst ist es Ismael Calaki, dem diese Auszeichnung zuteil wird. Der junge Mann war erst in der siebten Klasse zu ihnen gestoßen und hatte zwischendurch gar ein ganzes Jahr ohne Schule in Ägypten verbringen müssen. „Ismael hat fast nur Einser auf dem Zeugnis, ein Schnitt von 1,3. Das ist großartig“, sagt der Schulleiter. Auch Elaf Abd-Allahs Leistungen werden gewürdigt. Sie war erst vor vier Jahren nach Deutschland gekommen und sprach kein Wort Deutsch. Jetzt glänzt die junge Frau mit einem Notendurchschnitt von 1,9 und besucht demnächst das AWG.

Am Ende verschenken die Schüler ihr Mottoschild, ein Dreieck mit von einer Klippe abstürzenden Figuren, an Hubertus Kneilmann-Uekötter. Es sei ein kleiner Stempel als Beweis, dass wir hier waren, sagen sie.

„Die Schulzeit war wie eine Wanderung. Da hat man Dinge im Gepäck, die man braucht. Unterwegs zeigt sich aber erst, ob man alles dabei hat. Wir nehmen Wissen, Erfahrungen und Freundschaften mit auf den Weg“, erzählt Schülersprecher Noah Wößmann. „Wir haben viele Freundschaften geschlossen. Mit- und Füreinander war uns immer wichtig. Aus uns ist ein „Wir“ geworden“, sagt Elise Rundle, die ebenfalls als Schülervertreterin nach vorne gekommen ist.

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Aus datenschutzrechtlichen Gründen möchte die Verbundschule die Namen der Entlassschüler nicht veröffentlichen.

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