Mister Platzwart vom Wolbertshof
Willi Gottheil hat sich jahrzehntelang bei Vorwärts Epe engagiert

Willi Gottheil war nie eine Sportskanone. Dennoch überredeten ihn 1967 seine Schulfreunde Heinz Huismann, Heinz Kernebeck, Anton Meyer und Heinz Pöpping, sie zu Vorwärts Epe zu begleiten. „Ich konnte dem Spiel mit dem Lederball selbst nichts abgewinnen. Doch die damalige Platzanlage an der Schillerstraße hatte mein Interesse geweckt“, erinnert sich der 1946 geborene Eperaner im Gespräch mit den WN. So kam, was kommen musste – der damals 20-Jährige wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung zum neuen Platzwart gewählt.

Dienstag, 16.04.2019, 10:20 Uhr aktualisiert: 16.04.2019, 11:39 Uhr
Mister Platzwart vom Wolbertshof: Willi Gottheil hat sich jahrzehntelang bei Vorwärts Epe engagiert
Willi Gottheils Herz schlägt für 2 Vereine: Borussia Mönchengladbach und Vorwärts Epe. Foto: Angelika Hoof

Angst vor körperlicher Arbeit kannte Willi Gottheil  nicht, da er hauptberuflich im Baugewerbe tätig war. Bei Wind und Wetter kümmerte er sich fortan um das Grün, besserte es mit Mutterboden aus, säuberte die Tribüne und die Außenanlagen. „Man könnte fast sagen: Willi war mit jedem Grashalm auf du und du. Solche Menschen sind Unikate und wachsen leider nicht an den Bäumen“, betont Willy Schulze-Wilmert , der die ,Arbeit des Eperaners während seiner eigenen Amtszeit als Erster Vorsitzender des Vereins sehr zu schätzen lernte.

Mit fachmännischem Wissen trug Willi Gottheil 1984 zur Errichtung der neuen Sportanlage am Wolbertshof  bei, zog mit seinem nagelneuen Golf sogar den Ascheplatz glatt und kaufte sich einen Anhänger, um all seine Gerätschaften transportieren zu können. Auch 1998, als FC und Vorwärts im Eper Park gemeinsam eine Umkleide am Standort der abgerissenen Sporthalle errichteten, packte Gottheil selbstverständlich mit an.

Doch damit nicht genug: Auch bei den Hallenturnieren unterstützte er den Verein und sorgte dafür, dass die Kabinen und die Halle stets so verlassen wurden, wie man sie vorgefunden hatte. Das brachte dem „Mädchen für alles“ nicht nur die Anerkennung der Vereinsmitglieder
ein, sondern auch die der Verantwortlichen der Stadt Gronau, die ihn bei der Pflege der Anlage mit entsprechenden Gerätschaften tatkräftig unterstützten.

Während es sportlich zwischen den „Grünen“ und den „Blauen“ in Epe schon immer heiß her ging, wurde die Kameradschaft bei den Platzwarten groß geschrieben. "Wenn ich um Unterstützung gebeten wurde, war ich selbstverständlich zur Stelle. Das galt für den gemeinsamen Rasenplatz im Eper Park genauso wie für den Platz in den Bülten“, sagt Gottheil. Selbst Gastmannschaften und Schiedsrichter kamen in den Genuss seiner Hilfsbereitschaft, indem er fehlende Trikots organisierte oder sich um das Wohlergehen der Unparteiischen kümmerte. „So war Willi, immer herzensgut und hilfsbereit“, beschreibt Willy Schulze-Wilmert den ehemaligen Platzwart, den er derzeit betreut.

Auch Schalkes Legende Charly Neumann, Mannschaftsbetreuer des FC Schalke 04, sowie Rudi Assauer und seine damalige Frau, Simone Thomalla, erfuhren 2006 im Rahmen eines Freundschaftsspiels zwischen den Knappen und Vorwärts Epe die Fürsorge des Platzwarts. „Es war richtig kalt und Charly Neumann fror. Also schenkte ich ihm eine Coachjacke von Vorwärts Epe und organisierte Stühle mit Kissen für das Ehepaar Assauer“, erinnert sich Gottheil.

Eine Sache war ihm jedoch noch wichtiger: die Anerkennung der Profis von Borussia Dortmund, darunter Jürgen Kohler, die bei einem sportlichen Event in Epe seine hervorragend gepflegte Platzanlage lobten.

Vorwärts Epe war und ist sein Leben. Selbst die Aufwandsentschädigung, mit der der Verein seine Dienste honorierte, ließ die gute Seele des Vereins
den Mannschaften wieder zukommen. „Ich hätte gerne noch zehn Jahre weitergemacht“, sagt der heute 72-Jährige mit einem Leuchten in den Augen. Doch aus gesundheitlichen Gründen musste der Eperaner nach 50 Jahren seinen Posten 2017 zur Verfügung stellen. Dennoch lässt er es sich dank der Unterstützung von Willy Schulze-Wilmert nicht nehmen, die Heimspiele der Senioren zu besuchen, bei den Hallenturnieren vorbeizuschauen und an der jährlichen Nikolausfeier teilzunehmen.

Seinen Lebensabend verbringt Willi Gottheil seit August 2018 nämlich im Dorotheenhof in Epe. Doch Fußballfans, gleich von welchem Verein, ist Willi Gottheil in bester Erinnerung als Mister Platzwart vom Wolbertshof, der seinen Job immer mit viel Herzblut ausgeübt hat. 

Für sein Engagement ist Willi Gottheil bereits mehrfach geehrt worden. Neben der silbernen und goldenen Ehrennadel sowie der Verdienstnadel von Vorwärts Epe wurde er bereits 2016 bei der Jahreshauptversammlung  zum Ehrenmitglied ernannt und damit für seine 50-jährige Tätigkeit als Platzwart ausgezeichnet. Außerdem erhielt er beim Ball des Sports 1996 die Ehrenplakette der Stadt Gronau. Ehre, wem Ehre gebührt.

Fußball-Frotzeleien beim Kaffeetrinken

Wenn „Blaue“ und „Grüne“ zusammenkommen, wird gefrotzelt. So auch bei der Feier im Dorotheenhof, bei der Willi Gottheil geehrt wurde. Norbert Lünterbusch nahm als Vertreter der Volksbank Gronau-Ahaus eG teil. Gleichzeitig ist er aber auch Vorsitzender des Vorwärts-Ortsrivalen FC Epe. Und in der Funktion gab er zu, doch immer wieder neidvoll zu den Vorwärtslern rübergeblickt zu haben. „Weil ihr den Willi hattet.“ Wobei auch der FC – zumindest ab und zu – von dem Engagement Gottheils profitierte: Er zog auch auf dem von beiden Vereinen genutzten Platz im Eper Park immer wieder die Linien.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dorotheenhofs, wo Gottheil lebt, hatten die Kaffeetafel für die Feier liebevoll gedeckt. Silke Schulze-Dinkelborg und Dagmar Albers von den Eper Landfrauen brachten eine Nuss-Sahne-Torte mit, die die Anwesenden in höchsten Tönen lobten. (Das Rezept finden Sie hier )

Willy Schulze-Wilmert, der Gottheil für den Preis vorgeschlagen hatte, hielt eine kurze Ansprache, in der er dem langjährigen Ehrenamtler für sein Engagement dankte. Die 500 Euro, die der Verein von der Volksbank erhält, sollen für die Anschaffung eines Laubbläsers verwendet werden.

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