Neue Coronavirus-Fälle in Münster
40 Kinder und Eltern in Quarantäne

Münster -

Die Erzieherin einer Kita und ein Mann aus Senden (Kreis Coesfeld) wurden in Münster positiv auf das Coronavirus getestet. Bei einer Pressekonferenz wurde am Mittwoch die aktuelle Lage erläutert.

Mittwoch, 04.03.2020, 14:08 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 20:00 Uhr
Neue Coronavirus-Fälle in Münster: 40 Kinder und Eltern in Quarantäne
In Münster gibt es zwei neue bestätigte Corona-Fälle. Eine Kita wurde am Mittwochmorgen geschlossen. Foto: Matthias Ahlke

Die junge Frau war Karneval feiern. Ausgerechnet im Kreis Heinsberg, wo inzwischen über 100 Coronavirus-Fälle bekannt geworden sind. Als sich Symptome bei der 24-jährigen Erzieherin einstellten, informierte sie ihren Arbeitgeber, den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Die Stadt schloss am Mittwochmorgen die Julius-Moses-Kita am Dahlweg, die von 39 Kindern besucht wird und in der insgesamt 13 Beschäftigte arbeiten.

„40 engere Kontaktpersonen der Erzieherin wurden in häusliche Quarantäne geschickt, darunter sind die Kinder aus ihrer Kita-Gruppe, Geschwisterkinder und Eltern“, berichtet der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, Dr. Norbert Schulze Kalthoff. Durch die 14-tägige Maßnahme soll sichergestellt werden, dass dieser Infektionsherd keine Kreise zieht. Auch der Lebensgefährte der Frau, der es gut gehe, ist in Quarantäne.

49-Jähriger hatte Fieber

Die Stadt informierte am Mittwochmittag über zwei weitere Corona-Fälle in Münster. Neben der jungen Erzieherin hatte sich ein 49-jähriger Mann aus Senden, der im Clemenshospital operiert werden sollte, infiziert. Er habe kaum Symptome gezeigt, bis auf Fieber. Daraufhin sei er positiv auf den neuen Erreger getestet worden. Auch der Sendener befinde sich auf dem Wege der Besserung und sei am Nachmittag in häusliche Quarantäne entlassen worden.

Kita vorsorglich geschlossen: Information zur Schließung der Kita am Dahlweg

Die Eltern erfuhren am frühen Mittwochmorgen, dass die Erzieherin am Coronavirus erkrankt sei und die Einrichtung vorsorglich geschlossen werde. „Die meisten Eltern haben das sehr gelassen aufgenommen. Nur zwei haben Nachfragen gestellt“, sagt ASB-Geschäftsführer Dirk Winter .

Kommentar: Virus kommt näher

Ja, Besonnenheit. Dazu raten alle. Mit kühlem Kopf dem Coronavirus begegnen: Das ist leichter gesagt als getan. Corona ist in der Stadt, insgesamt drei Fälle sind bekannt. Darunter ausgerechnet eine Erzieherin, die Kontakt zu Kindern in einer nun geschlossenen Kita hatte.

Verständlich, dass Eltern alarmiert sind. 40 Kinder, Geschwister, die in Schulen gehen, und Eltern selbst sind in häuslicher Quarantäne. Als sie ihre Kleinen am Morgen zur Kita am Dahlweg brachten, erfuhren sie von der Infektion der Erzieherin. Die meisten Eltern hätten das gelassen aufgenommen. Bei Kindern ist der Verlauf einer möglichen Erkrankung sehr milde, wird betont.

Alles dreht sich um Corona: bei Ärzten, in Krankenhäusern, Unternehmen und der Stadtverwaltung. Der Krisenstab tagt, der Oberbürgermeister trifft die Landräte. Veranstaltungen werden abgesagt. Die Menschen hamstern. Drei von 300 000 Menschen haben sich infiziert. Das ist die Lage in Münster. Bleiben Sie besonnen! (Von Ralf Repöhler)

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Die Kinder, die direkten Kontakt zu der Erzieherin hatten, werden getestet. „Bislang sind uns keine weiteren Fälle bekannt“, sagt Schulze Kalthoff. Prof. Dr. Stephan Ludwig, der das  Institut für Molekulare Virologie an der Universität leitet, ergänzt, dass die Verläufe einer möglichen Erkrankung bei Kindern sehr milde wären. 

Info-Hotline der Stadt

Das städtische Gesundheitsamt hat mittlerweile eine Info-Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Diese ist unter der Telefonnummer 0251/492-1077 erreichbar. Wie die Stadt mitteilt, ist die Hotline zu den folgenden - zunächst vorläufigen - Beratungszeiten erreichbar:

Montag bis Mittwoch 8 - 17 Uhr,
Donnerstag 8 - 18 Uhr,
Freitag 8 - 12 Uhr.

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Die junge Erzieherin hatte während der Karnevalstage eine Veranstaltung im Kreis Heinsberg besucht. Als sich bei einer Bekannten, die sie begleitet hatte, Symptome zeigten, habe die Münsteranerin ihren Arbeitgeber, den ASB, informiert. Der habe sie vom Dienst freigestellt und die ärztliche Untersuchung angeordnet, so Winter. Der Test verlief positiv, das Gesundheitsamt wurde informiert, die Kita geschlossen.

Am Wochenende war in Münster der erste Corona-Fall bekannt geworden. Ein 51-jähriger Mann zeigte Symptome. Er ist nach kurzem Aufenthalt im Uniklinikum zu Hause in Quarantäne.

 

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

    Foto: dpa
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

 

Verdachtsfall bei der LVM

Bei der LVM-Versicherung in Münster gibt es nach Angaben einer Sprecherin einen weiteren Verdachtsfall. Eine Mitarbeiterin hatte demnach am vergangenen Wochenende im privaten Bereich bei einer Sportveranstaltung Kontakt zu einer Person, die inzwischen als Corona-Fall bestätigt wurde. Die LVM hat ihre Mitarbeiter intern darüber informiert. Laut der Sprecherin habe sich der Verdacht bei der Mitarbeiterin bislang nicht bestätigt, die Testergebnisse werden wohl am Freitag vorliegen.

Bei der Versicherung wurden nun die ersten Maßnahmen eingeleitet. Die Mitarbeiterin sei am Mittwoch zu Hause geblieben. Es werde geprüft, welche Kontaktwege sie im Haus genommen hat. Der Flur, auf dem die Frau sonst arbeitet, wurde verschlossen. Die Kollegen aus ihrem direkten Umfeld arbeiten von zu Hause. Betroffen sei laut LVM jedoch nur ein kleines Team.

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Bund untersagt Ausfuhr von Schutzkleidung

Der Bund zieht den Nachschub dringend benötigter medizinischer Schutzkleidung an sich und unterbindet Ausfuhren in andere Länder. Das Gesundheitsministerium beschafft solche Ausrüstung nun zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser und Bundesbehörden. Auf Anordnung des Wirtschaftsministeriums wird zudem der Export medizinischer Schutzausrüstung wie Atemmasken, Handschuhen und Schutzanzügen ins Ausland verboten.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat Arbeitgebern im Gesundheitswesen mangelnde Vorbereitung beim Arbeitsschutz vorgeworfen. „Es kann nicht sein, dass die Arbeitgeber im Gesundheitswesen im Arbeitsschutz so schlecht vorbereitet sind, wie sie jetzt vorbereitet waren.“ Arbeitsschutz sei Sache der Arbeitgeber. Mitarbeiter von Praxen und Kliniken kritisieren, dass ihnen Schutzausrüstung für den Behandlung möglicher Coronavirus-Infizierter fehle.

von -hir-

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