„Eine Rolle pro Woche reicht“
Toilettenpapierhersteller Essity produziert rund um die Uhr – auch außerhalb der Krise

München -

Ganz Deutschland ist auf der Jagd nach Klopapier. Gibt es Hoffnung, welches zu bekommen? Ja, meint Michaela Wingefeld, Sprecherin von Essity, Deutschlands größtem Lieferanten von Toilettenpapier, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Andreas Kolesch.

Montag, 23.03.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 08:05 Uhr
Toilettenpapier-Produktion bei Essity,
Toilettenpapier-Produktion bei Essity, Foto: Essity

Wie viele Rollen Klopapier stellt Essity jeden Tag her?

Wingefeld : Essity produziert täglich Millionen Rollen Toilettenpapier. Unsere Lager sind gut gefüllt.

Machen Sie Sonderschichten?

Wingefeld: Wir haben die Produktion an unseren verschiedenen Standorten, soweit es geht, der Nachfrage angepasst und nutzen unsere Maschinenkapazitäten voll aus. Unsere Anlagen laufen täglich 24 Stunden. Das tun sie schon immer, auch am Wochenende.

Warum ist dann in den Regalen der Supermärkte so gut wie gar kein Klopapier zu finden?

Wingefeld: Die Lieferketten von Industrie und Handel sind einfach nicht darauf ausgelegt, dass die Verbraucher mehr als üblich einkaufen. Wir hoffen sehr, dass sich das in den nächsten Tagen einpendelt und die Menschen zurückgehen auf haushaltsübliche Einkaufsmengen.

Sie haben doch sicher Marktforschungsdaten. Wie viel Klopapier verbraucht ein durchschnittlicher Bundesbürger pro Tag? Umgerechnet in Rollen pro Monat heißt das?

Wingefeld: Wir gehen davon aus, dass eine Rolle pro Person in der Woche ausreicht. Das heißt, mit einer 8er-Packung kommt jeder schon eine ganze Weile über die Runden.

Zum Thema: Essity Germany

Essity produziert täglich Millionen Rollen Toilettenpapier. „Zewa“, „Tempo“, „Leukoplast“ und „Tena“ sind die bekanntesten Marken des Herstellers Essity Germany, der unter anderem auch Feuchttücher, Papiertaschentücher, Damenhygieneartikel und Babywindeln produziert. Essity hieß früher SCA und hat in Deutschland sechs Produktionsstätten.

Das Unternehmen ist eine Tochter des schwedischen Hygienepapierherstellers Essity. Die deutschen Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1874, als die Aschaffenburger Zellstoffwerke gegründet wurden. Essity hat die Traditionsmarke „Tempo“ übernommen und musste seine eigene Taschentuchmarke „Softies“ als Auflage der EU-Kommission veräußern. Käufer war das italienische Unternehmen Sofidel („Regina“). Weitere große Toilettenpapier-Hersteller sind Hakle und Wepa.

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Müssen Sie in ein paar Wochen Kurzarbeit befürchten, wenn alle Haushalte ihren Klopapierbedarf auf Monate hinaus gedeckt haben?

Wingefeld: Die Lage ist natürlich derzeit sehr dynamisch und kann sich schnell verändern. Für uns steht jetzt im Vordergrund, einen Beitrag zur wichtigen Grundversorgung der Bevölkerung zu leisten.

Woraus besteht Klopapier eigentlich? Was sind die Unterschiede? Und ist Recyclingpapier wirklich besser für die Umwelt?

Wingefeld: Toilettenpapier besteht aus Zellstoff, der entweder aus Frischfasern, also aus Holzresten, oder Recyclingfasern hergestellt wird. Wir bei Essity haben beides im Sortiment, allerdings kann man mit Recycling nicht die gleiche Qualität wie mit Frischfasern erreichen. In puncto Umweltverträglichkeit ist Recycling nicht unbedingt besser als Frischfaser-Klopapier.

Braucht man wirklich vierlagiges Klopapier?

Wingefeld: Die Menschen sind einfach unterschiedlich. Manche mögen lieber extra weiches und saugfähiges Toilettenpapier und bevorzugen daher vierlagiges Toilettenpapier. Klopapier ist eines der Produkte, die wirklich jeder Mensch benötigt. Uns als Hersteller ist es wichtig, alle Bedürfnisse abzudecken.

Steigt eigentlich auch der Absatz von Küchenrollen und Papiertaschentüchern?

Wingefeld: Auch von diesen Produkten wird zur Zeit mehr gekauft. Das liegt aber weniger am gestiegenen Verbrauch, sondern auch hier wohl eher am Bedürfnis der Verbraucher, sich sicherer zu fühlen, wenn sie einen Vorrat anlegen.

Hand aufs Herz: Haben Sie zu Hause auch Klopapier gehortet?

Wingefeld: Klar habe ich auch einen Vorrat zu Hause, aber nur in den üblichen Mengen, für circa acht bis zehn Tage.

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