Coronavirus in Emsdetten
Altenheim nach Todesfall unter Quarantäne

Emsdetten -

Nach einem Corona-Todesfall wird das St.-Josef-Stift in Emsdetten abgeriegelt. Bislang wurden drei Mitarbeiter und drei weitere Bewohner positiv getestet. Wie es mit dem Seniorenheim weitergeht, entscheidet der Kreis Steinfurt. Im Falle einer Isolation dürften auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr nach Hause.

Sonntag, 29.03.2020, 17:05 Uhr aktualisiert: 29.03.2020, 19:56 Uhr
Coronavirus in Emsdetten: Altenheim nach Todesfall unter Quarantäne
Das erste Corona-Todesopfer im Kreis Steinfurt, ein 93-Jähriger mit mehreren Vorerkrankungen, lebte im Emsdettener Altenwohnheim St. Josef-Stift. Foto: Jens Keblat

Es ist das passiert, was unbedingt verhindert werden sollte, aber am Ende wohl unvermeidlich war: Das Corona-Virus hat den Weg in ein Emsdettener Seniorenheim gefunden. Insgesamt drei Mitarbeiter und drei Bewohner wurden bislang positiv getestet. Ein 93-jähriger Mann ist gestorben.

Wie der Kreis Steinfurt am Samstagnachmittag bestätigte, hat er das St.-Josef-Stift in der Emsdettener Innenstadt unter Quarantäne gesetzt sowie für einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die häusliche Quarantäne ausgesprochen. Eine Mitarbeiterin des Hauses hatte sich nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert, so der Kreis. Es seien „mehrere Bewohnerinnen und Bewohner und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkrankt“.

Die amtlich angeordnete Quarantäne bedeutet für das größte Emsdettener Seniorenheim eine enorme Herausforderung, damit eine weitere Ausbreitung eingedämmt, Bewohner und Mitarbeiter bestmöglich geschützt werden.

Mehrfache Vorerkrankungen

„Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen für die nächsten 14 Tage die Zimmer nicht verlassen und werden dort gepflegt und versorgt. Gemeinschaftsveranstaltungen, selbst kleinster Gruppen, sind untersagt“, teilt der Kreis Steinfurt dazu mit.

Am Samstagmorgen hatte der Kreis gemeldet, dass erstmals im Kreis Steinfurt ein Mensch im Zusammenhang mit dem Corona-Virus verstorben ist. Es handelt sich dabei um einen 93-jährigen Mann, Näheres wollte der Kreis nicht bekannt geben.

Nach bestätigten Informationen der Emsdettener Volkszeitung handelt es sich bei dem Mann, der mehrfache Vorerkrankungen hatte, um einen Bewohner des St.-Josef-Stiftes. Er war am Freitag mit Corona-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert worden und noch am selben Abend verstorben.

„Größte Befürchtung leider eingetreten“

„Damit ist unsere größte Befürchtung leider eingetreten“, erklärte am Samstagnachmittag ein merkbar betroffener Bürgermeister Georg Moenikes mit Blick auf die Tatsache, dass mit der Infektion in einem Seniorenheim nun eine Risiko-Gruppe noch stärker gefährdet ist als ohnehin schon.

„Wir sind am Anfang der Entwicklung. Gerade vor diesem Hintergrund kann ich die Leichtigkeit vieler Menschen nicht verstehen“, erklärt der Bürgermeister mit Blick auf seine Beobachtungen. Selbstverständlich sei das schöne Wetter verlockend, „aber wenn ich sehe, was in Hof Deitmar los ist, kann ich nur mit dem Kopf schütteln“. Georg Moenikes appelliert weiterhin dringend an alle Bürger, zuhause zu bleiben, sich an die Kontaktauflagen und Beschränkungen zu halten.

Umfangreiche Tests

Nachdem eine Corona-Infektion bei dem 93-Jährigen nachgewiesen worden war, starteten umfangreiche Testungen und Untersuchungen im Josef-Stift. Als klar war, dass mindestens eine Mitarbeiterin nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert ist, wurden die Quarantäne-Maßnahmen eingeläutet.

„Wir denken an die Angehörigen des Verstorbenen, denen unser tief empfundenes Mitgefühl gilt“, sagte Landrat Dr. Klaus Effing. Wie in anderen Teilen Deutschlands müssten auch im Kreis weitere Todesfälle befürchtet werden. Er sei dem medizinischen Personal in den Krankenhäusern dankbar für den unermüdlichen Einsatz und bitte die Bürgerinnen und Bürger darum, sich weiterhin umsichtig zu verhalten.

Zahlen aus Emsdetten

Am Samstagmorgen hatte der Kreis Steinfurt mit der ersten Todesnachricht im Kreis die aktuellen Infizierten-Zahlen vermeldet. In Emsdetten gab es demnach (Stand 8.30 Uhr) 50 nachweislich mit dem Corona-Virus infizierte Menschen, am Vortag waren es zum selben Zeitpunkt 49 gewesen. Diese Zahl war auch am Samstagnachmittag noch aktuell, kreisweit war da die Zahl der Infektionen aber auf 362 gestiegen (8.30 Uhr: 353). Davon befinden sich 292 in Isolation, 69 sind gesundet, ein Mann ist verstorben.

Am Sonntagmorgen dann der befürchtete Anstieg: Der Kreis Steinfurt meldete um 8.30 Uhr für Emsdetten 59 Corona-Infizierte – neun mehr als am Morgen zuvor. Ein Großteil davon steht in Zusammenhang mit den Corona-Infektionen im St.-Josef-Stift. Denn mittlerweile war bestätigt: Bei drei Bewohnern und drei Mitarbeitern des Seniorenheimes wurde eine Corona-Infektion nachgewiesen. Weitere Testergebnisse stehen allerdings noch aus.

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Große Betroffenheit

Betroffen reagierte auf EV-Nachfrage auch Stiftungsvorstand Dr. Peter Eckhardt: „Im St.-Josef-Stift haben wir wie in allen Einrichtungen unserer Stiftung schon sehr frühzeitig umfangreiche Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen getroffen, haben die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und die behördlicher Anordnungen sofort umgesetzt.“ Dass man im Josef-Stift dennoch nicht vom Corona-Virus verschont geblieben sei, löse Betroffenheit aus, zeige aber auch die Grenzen des Machbaren auf.

„Unser ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Verstorbenen. Und unsere ganze Kraft gilt unseren Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nun in der herausfordernden Quarantäne-Zeit eine Ausnahme-Situation gemeinsam meistern müssen“, erklärt der Stiftungsvorstand.

Bis zum Sonntagnachmittag waren insgesamt drei Bewohner und drei Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden, weitere Testergebnisse stünden aus. Laut Peter Eckhardt seien alle sechs Betroffenen stabil. Bis auf die Erst-Infizierte, die im Krankenhaus behandelt wird, befänden sich alle im Josef-Stift in Quarantäne. Sie müssten nicht stationär behandelt werden.

Das weitere Vorgehen

Herr des weiteren Verfahrens ist nun der Krisenstab beim Kreis Steinfurt, in dem auch Emsdettens Feuerwehr-Chef Willi Kemper sitzt. Im Emsdettener Rathaus tagte am Wochenende zudem mehrfach der städtische Krisenstab – auch, um sich auf weitere mögliche Maßnahmen vorbereiten zu können.

Sollte die Zahl der Corona-Infizierten im Josef-Stift weiter steigen, könnte der Kreis eine Isolation des Seniorenheimes anordnen. Das würde auch bedeuten, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zeit der Isolation nicht mehr nach Hause dürften.

„Für diesen Fall haben wir als Stadt unsere Hilfe angeboten“, erklärte Bürgermeister Georg Moenikes gegenüber der Emsdettener Volkszeitung. So kläre man vorsorglich, ob Wohncontainer verfügbar wären. Hier kämen der Stadt die Erfahrungen und Kontakte aus der Flüchtlings-Krise 2015/2016 zugute. Ein mögliches „Containerdorf“ für die Mitarbeiter des Stifts könnte auf dem Rathausplatz aufgebaut werden.

Das St.-Josef-Stift wurde am Samstagabend konsequent abgeriegelt, der Krisenstab des Kreises hat laut Georg Moenikes ein „Betretungsverbot“ erlassen.

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