Der Reproduktionsfaktor entscheidet
Merkels Rechnung

Bemerkenswert: Die Kanzlerin begründete die Entscheidungen mit einer Modellrechnung. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Begriff der Reproduktionszahl der Infektionen.

Donnerstag, 16.04.2020, 12:22 Uhr aktualisiert: 16.04.2020, 16:34 Uhr
Angela Merkel.
Angela Merkel.

Die Kanzlerin erwähnte diese Rechnung fast in einem Nebensatz. „Wir haben Modellbetrachtungen gemacht“, sagte Angela Merkel im Rahmen ihrer Pressekonferenz am Mittwoch Abend im Kanzleramt. Die Politikerin erklärte zunächst den Reproduktionsfaktor, der derzeit bei eins liege. Und leitete ihre Maßnahmen aus genau diesem Faktor ab.

  • Was meinte die Kanzlerin damit? Die Basisreproduktionszahl R0 gibt Aufschluss darüber, wie viele andere Personen ein mit dem Covid-19-Infizierter ansteckt, wenn dieser nicht immun ist und keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dieser liegt in Deutschland aktuell bei 1,0. Vor drei Wochen lag der Wert bei 3 bis 5. Viele Wissenschaftler wie zum Beispiel Mathematiker und Modellrechner der Uni Basel oder London haben errechnet, dass beim Corona-Virus Reproduktionsfaktoren von 2 bis 3,5 für eine ungebremste Ausbreitung sorgen – das bedeutet, die Pandemie wäre außer Kontrolle. Deswegen haben Politiker, Ärzte und Wissenschaftler ihre Berechnungen umgestellt und schauen nicht mehr auf die Verdopplungszeiten, sondern legen den Reproduktionsfaktor zugrunde.
  • Wie ist die Lage in Deutschland: Nach den Worten der Kanzlerin liegt der Reproduktionsfaktor derzeit bei 1,0 – ein Infizierter steckt also eine weitere Person an. Dies ist Folge der eingeleiteten Restriktionen, die das öffentliche Leben lahm legen. Erst wenn der RO geringer als 1 wird, geht die Ausbreitung zurück.
  • Was würde ein höherer Reproduktionsfaktor für das Gesundheitssystem bedeuten? Die Kanzlerin rechnete Beispiele vor: „Schon wenn wir darauf kommen, dass jeder Infizierte 1,1 Menschen ansteckt, dann sind wir im Oktober wieder an der Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems mit den angenommenen Intensivbetten.“ Steigt der Faktor auf 1,2, würde dies bedeuten, dass von fünf Menschen einer zwei ansteckt und vier einen. Folge: „Dann wären wir im Juli an der Belastungsgrenze“, so Merkel. Bei einem Faktor 1,3 wäre die Zahl der Intensivbetten nach dieser Rechnung bereits im Juni erreicht.
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