Folgen der Pandemie für den Einzelhandel
„Kunden kaufen bedarfsorientiert ein“

Herausforderungen im Einzelhandel. Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich durch die Corona-Pandemie stark verändert. Was das genau heißt und welche Spuren Covid-19 hinterlässt, erzählt Karin Eksen vom Handelsverband im Interview.

Donnerstag, 01.10.2020, 13:25 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 13:32 Uhr
Folgen der Pandemie für den Einzelhandel: „Kunden kaufen bedarfsorientiert ein“
Foto: dpa

Für den Einzelhandel ist die Pandemie eine große Herausforderung. „Es musste unglaublich viel völlig neu organisiert, überlegt, gestaltet werden. Nach außen wollte man bestmöglich für den Kunden präsent sein, nach innen hatte man aber auch Personalstrukturen umzuorganisieren, mit Ängsten umzugehen, Vorschriften umzusetzen“, lobt Karin Eksen , Geschäftsführerin des Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland, das große Engagement der Unternehmen. Im Interview erklärt sie darüber hinaus, wie sich das Einkaufsverhalten der Menschen geändert hat und was die Folgen der Pandemie für den Einzelhandel sind.

Inwiefern hat sich das Einkaufsverhalten der Menschen durch das Corona-Virus geändert?

Eksen: Nachdem während des Lockdowns nur sehr beschränkte Einkaufsmöglichkeiten bestanden (Lebensmittel, Baumarktsortimente), herrscht auch nach Öffnung aller Geschäfte immer noch eine große Verunsicherung. Insbesondere bei Bekleidung fühlen sich Kunden, wie uns immer wieder berichtet wird, durch die Alltagsmaske eingeschränkt. Einige Kunden kaufen verstärkt über das Internet, manche nutzen lokale Lieferdienste. Die meisten Kundinnen und Kunden akzeptieren die Schutzmaßnahmen. Normalität, wie wir sie bis März diesen Jahres kannten, werden wir wohl noch eine Weile vermissen.

Gibt es Unterschiede zwischen dem Beginn der Krise und heute?

Eksen: Ja, es sind schon Unterschiede festzustellen. Die Vorsicht ist zu einer gewissen Routine geworden. Man hält Abstand, beachtet die Hygienevorschriften und trägt selbstverständlich eine Alltagsmaske in den Geschäften. Natürlich gibt es auch immer mal Ausnahmen, aber die lassen sich vermutlich nie ganz vermeiden. Für die Unternehmen ist es immer noch eine schwierige Zeit. Anfangs war die Existenzangst sehr massiv, viele Fragen ergaben sich aus den Einschränkungen, die ja auch sehr kurzfristig bekannt gemacht wurden. Neben der Sorge um die Gesundheit der Mitarbeitenden und Kunden kamen ja die ganz persönlichen Ängste hinzu, sei es um die eigene Gesundheit oder auch die Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Unglaublich viele Dinge mussten sehr schnell geregelt werden. Aktuell machen den Unternehmen Urlaubsrückkehrer Sorge, aber auch die Frage, wie sich das Pandemiegeschehen in der bevorstehenden Herbst-/Winter-Zeit entwickeln wird.

Viele Menschen haben nun zum ersten Mal online eingekauft. Hat das Virus diesen Trend weiter beschleunigt?

Eksen: Ja, Online-Einkäufe waren eine willkommene Alternative auch für Kunden, die grundsätzlich das Einkaufserlebnis im stationären Handel suchen. Ich hoffe, dass dabei nach Möglichkeit auf lokale und regionale Anbieter gesetzt wurde, denn viele stationäre Geschäfte haben auch ihre Angebote verstärkt ins Internet verlagert, als sie vor Ort nicht verkaufen durften.

Hinterlässt die wirtschaftliche Unsicherheit Spuren bei den Konsumenten und wird als Folge daraus preisbewusster eingekauft?

Eksen: Das Preisbewusstsein ist in Deutschland ohnehin sehr ausgeprägt. Aber man muss natürlich berücksichtigen, dass viele Menschen über Monate und teilweise auch noch für eine vielleicht längere Zeit aufgrund von Kurzarbeit Einkommenseinbußen haben, die sich auch im Einkaufsverhalten niederschlagen.

Hat sich das Einkaufsverhalten nachhaltig und längerfristig verändert oder handelt es sich um eine vorübergehende Phase?

Eksen: Das wird man abwarten müssen. Es hängt von dem weiteren Pandemiegeschehen ab. Ich gehe aber davon aus, dass die bargeldlose Zahlung vielfach beibehalten werden wird. Bei Online-Einkäufen hoffe ich und appelliere entsprechend an die Kunden, auf die Händler zu setzen, die auch stationäre Geschäfte im Wohnort oder aber der Region unterhalten. Diese zahlen nicht nur Steuern vor Ort, sondern tragen mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen und sonstigem Engagement dazu bei, dass Orte attraktiv und vielfältig sind.

Corona hat die Art und Weise verändert, wo und wie wir einkaufen. Hat sich auch geändert, was gekauft wird?

Eksen: Ja, das muss man so sehen. Wir stellen immer noch fest, dass Kunden sehr bedarfsorientiert einkaufen. Es fehlt immer noch der Spontankauf, weil man gerade durch ein Geschäft bummelt. Schon in der Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Menschen angesichts der herrschenden Unsicherheit darauf gesetzt, ihr Zuhause gemütlich zu machen. Das scheint aktuell auch ein Thema zu sein.

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