„Teil-Lockdown“ beschlossen
Corona in der Niederlande: Gaststätten zu und Maskenpflicht

Den Haag -

Die Niederlande haben die Corona-Maßnahmen drastisch verschärft. Ministerpräsident Mark Rutte kündigte am Dienstag in Den Haag einen „Teil-Lockdown“ an.

Dienstag, 13.10.2020, 21:20 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 21:23 Uhr
Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande.
Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande. Foto: Bernd von Jutrczenka

Kneipen, Cafés und Restaurants werden geschlossen, und der Verkauf von Alkohol wird ab 20 Uhr verboten. Außerdem dürfen die Bürger nur noch maximal drei Gäste pro Tag in ihren Wohnungen empfangen und sollen Bus und Bahn nur noch in dringenden Fällen nutzen. Premier  Rutte kündigte auch eine allgemeine Maskenpflicht an für alle öffentlichen Räume wie Geschäfte, Museen oder Bibliotheken, bisher war dies nur eine dringende Empfehlung.

„Es liegt nun an uns allen selbst“, sagte der Premier in der live im TV ausgestrahlten Pressekonferenz. „Seien Sie realistische Niederländer und übernehmen Sie Verantwortung.“

Corona-Lage in fast allen Regionen „alarmierend“

Die Regierung reagiert damit auf die dramatisch steigenden Neu-Infektionen mit dem Coronavirus. In den vergangenen sieben Tagen waren 252 Infektionen pro 100 000 Einwohner gemeldet worden. Am schlimmsten betroffen sind Amsterdam und Rotterdam mit je etwa 410 Infektionen pro 100 000 Einwohner. Fast in allen Regionen sei die Lage „alarmierend“, sagte Rutte.

In der vergangenen Woche registrierte das Institut für Gesundheit und Umwelt RIVM fast 44 000 Neuinfektionen - 60 Prozent mehr als in der Vorwoche. Am Dienstag wurden rund 7400 Neu-Infektionen gemeldet, rund 550 mehr als am Vortag. Damit wurde erstmals die 7000-Marke überschritten.

Auch die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen steigt den Angaben zufolge schnell an. 34 Menschen waren am Dienstag nachweislich an Covid-19 gestorben, am Vortag waren 13 Todesfälle gemeldet worden. Seit Ausbruch der Pandemie gab es nachweislich im Land rund 190 000 Infektionen und 6631 Todesfälle. 

Appell aus Enschede

Mit den strengen Maßnahmen könnte vor allem für die grenznahen niederländischen Städte eine Sorge wegfallen: Unbekümmerte deutsche Touristen, die etwa von der fehlenden Maskenpflicht in niederländischen Geschäften angezogen wurden, dürften abgeschreckt werden. Bereits vor zwei Wochen, vor dem Tag der deutschen Einheit, hatte der Bürgermeister von Enschede, Onno van Veldhuisen, einen Appell in Richtung Deutschland geschickt: „Duitsers, blijf weg uit Enschede“ ( „Deutsche, haltet euch von Enschede fern“ )

In der Folge appellierte die NRW-CDU an Niederländer, aus Infektionsschutzgründen in der Vorweihnachtszeit besser nicht zu Besuch in die deutschen Großstädte zu kommen . „Wir heißen unsere Nachbarn sonst immer gern in NRW willkommen - aber in diesem Jahr muss unser Appell in die Niederlande lauten: Bitte bleibt daheim“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Peter Preuß.

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