Zero-Waste-Lifestyle im Internet
Ein Leben ohne Müll

Münster -

Möglichst Müllfrei leben, das ist das Ziel der Anhänger des Zero-Waste-Lifestyles. Was einem dabei Freude macht und welche Momente schwer fallen, erzählen sieben Blogger in Steckbriefen.

Donnerstag, 08.02.2018, 16:22 Uhr

Zero-Waste-Lifestyle im Internet: Ein Leben ohne Müll
Diese Blogger informieren über das Thema Zero Waste, geben Tipps und einen Einblick in ihr müllfreies Leben. Foto: privat, Montage Ann-Kathrin Schriewer

Die Mülldiät mal ausprobieren oder in der Fastenzeit auf die Verpackungen verzichten - das erscheint machbar. Aber immer müllfrei Leben? Das klingt nach einer enormen Umstellung. Sieben Blogger aus ganz Deutschland erzählen, wie es geht.

Manuela Gaßner

Manuela Gaßner

Manuela Gaßner Foto: privat

"Das bin ich":

Manuela Gaßner, 36, Freising, drei Kinder, Freiberufliche Dozentin für Agrarwissenschaften, Autorin, Bloggerin, Speakerin für Zero Waste, Konsumverhalten, Urban Farming und nachhaltige Agrarwirtschaft

"Deshalb verzichte ich (so gut es geht) auf Müll":

Ich liebe die Natur und möchte einen Beitrag zu ihrem Schutz leisten. Müllvermeidung kann ich ganz einfach in meinen Alltag integrieren und die Ergebnisse sind sofort sichtbar. Außerdem möchte ich meinen Kindern und den nächsten Generationen keine Müllberge, kein verschmutztes Trinkwasser und keine ausgelaugte Erde hinterlassen, sondern die Natur, die ich aus meiner Kindheit kenne.

"So lange mache ich das schon":

Seit über 2,5 Jahren.

"Das vermisse ich/In den Momenten fällt es mir schwer":

Grundsätzlich vermisse ich das aktive und ehrliche Handeln mancher Konzerne für den Umweltschutz. Ein ganz praktisches Beispiel: Es fällt mir schwer, verpackte Butter zu kaufen. Natürlich kann ich Butter auch aus Sahne in der Pfandflasche herstellen, aber manchmal ist es einfacher, verpackte Butter zu kaufen, dann achte ich wenigstens auf Bioqualität und so regional wie möglich.

"Die Momente bereiten mir Freude/Das ist Ansporn, weiter zu machen":

Es bereitet mir Freude beim Abendessen mit meinem Freund und meinen Kindern zu sitzen und sagen zu können: „Heute haben wir keinen Müll verursacht“. Mein Ansporn ist, dass ich jeden Tag das Ergebnis unserer Lebensweise sehe, wir täglich praktischen Umweltschutz leben und viele Menschen (in meinem Umkreis) sich inzwischen für das Thema interessieren.  Was mich auch motiviert, sind die vielen tollen Initiativen, die zur Müllvermeidung, gegen die Wegwerfmentalität und die Lebensmittelverschwendung beitragen.

 

Alternulltiv

Alternulltiv

Allternulltiv Foto: privat

"Das sind wir":

Wir sind Alternulltiv. Vanessa Riechmann und Erdmuthe Seth, Mitte 30, verheiratet, aus Hamburg

"Deshalb verzichten wir (so gut es geht) auf Müll": 

Wir verzichten auf Müll und vor allem auf Plastikverpackungen, weil die Weichmacher aus den Verpackungen in die Lebensmittel übergehen (können). Wir also unserem Körper und vor allem auch der Umwelt keine giftigen und fragwürdigen Stoffe zuführen wollen.

"So lange machen wir das schon":

Wir leben seit dem Sommer 2015 den Zero Waste Lifestyle. Das ganze ist aber ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Man stellt sich langsam um und braucht alles „alte“ erstmal auf.

"Das vermissen wir/In den Momenten fällt es uns schwer":

Ehrlich gesagt, fehlt uns nichts. Man findet eigentlich zu 95 Prozent eine Alternulltive. Wenn man unterwegs und nicht so gut vorbereitet ist, fällt es manchmal ein bisschen schwerer, aber auch hier haben wir mittlerweile unsere Tricks und Kniffe.

"Die Momente bereiten uns Freude/Das ist Ansporn, weiter zu machen":

Wenn man merkt, dass immer mehr Leute das Ziel anstreben, bewusster und müllfreier zu leben und es dann auch immer mehr Möglichkeiten gibt, unverpackt einzukaufen. Wenn die Teilnehmer unserer Workshop danach zu uns kommen und uns sagen, dass wir sie inspiriert haben auch so zu leben. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und (leider) immer noch jede Menge Müll am Strassenrand, in den Büschen, in den Wälder und den Seen und Meeren sieht...

 

 

Olga Witt

Tante Olga

Team Tante Olga Foto: privat

"Das bin ich":

Olga Witt, 34, Köln, Architektin, Bloggerin auf zerowastelifestyle.de, Autorin von "Ein Leben ohne Müll - Mein Weg mit Zero Waste", Gründerin vom Onlineshop für Zero Waste Spezialprodukte, Zerowasteladen.de, und Kölns erstem Unverpackt-Laden Tante Olga (tante-olga.de) und ich halte Vorträge und Workshops zum Thema

"Deshalb verzichte ich (so gut es geht) auf Müll":

Offensichtlich, weil Müll zu zahlreichen ökologischen Problemen führt, aber auch weil Müll rausbringen nervt, Plastikverpackungen hässlich aussehen und der Zero Waste Lifestyle mein Leben klar, ästhetisch, reduziert auf das Wesentliche und einfach macht. Zudem spare ich sehr viel Geld, was mir die Freiheit gibt, wenig Geld verdienen zu müssen. So kann ich mehr Zeit mit den Dingen verbringen, die ich gerne tue, die aber nicht unbedingt gut bezahlt werden.

"So lange mache ich das schon":

Anfang 2013

"Das vermisse ich/In den Momenten fällt es mir schwer":

Es fällt mir manchmal schwer zu akzeptieren, wie weit der Weg noch ist, bis es eine gesamtgesellschaftliche Änderung gibt und wir alle daran mitwirken unsere Welt lebenswerter zu machen.

"Die Momente bereiten mir Freude/Das ist Ansporn, weiter zu machen":

All die Menschen denen ich begegne, die mir so viel positiven Input geben, mir sogar danken für die Arbeit die ich mache, die mich persönlich bereichern und weiter bringen und mir vor Augen führen, wie viel Bewegung es schon gibt. Gerade bei uns im Laden trifft man sehr vieler solcher Menschen.

Christoph Buckler und Luise Rosemeier

Luise und Christ

Luise Rosemeier und Christoph Buckler Foto: privat

 

Das sind wir:

Christoph Buckler, 31, aus Hamburg und Luise Rosemeier, 29, ebenfalls aus Hamburg.

Deshalb verzichten wir (so gut es geht) auf Müll:

Umwelt- und Tierschutz sind neben gesundheitlichen Aspekten unsere wichtigsten Gründe. Wir wollen erreichen, dass weniger Müll in unseren Weltmeeren landet und weniger Ressourcen für unnötige Verpackungen verschwendet werden. Plastikverpackungen vermeiden wir außerdem, da enthaltene Weichmacher im Verdacht stehen, diverse Krankheiten und Allergien auslösen zu können.

So lange machen wir das schon:

Anfang 2016 haben wir damit begonnen, (Plastik-)Müll immer mehr aus unserem Leben zu verbannen.

Das vermissen wir/In den Momenten fällt es uns schwer, weil…

Gerade viele vegane Produkte wie Pflanzenmilch oder Tofu gibt es fast ausschließlich in Plastikverpackungen. Da ist die einzige Alternative das Selbermachen, was relativ zeitaufwändig sein kann. An „faulen“ Tagen fällt es uns manchmal schwer, frisch und verpackungsfrei zu kochen und nicht stattdessen einfach etwas beim Lieferdienst zu bestellen.

Die Momente bereiten uns Freude/Das ist Ansporn, weiter zu machen:

Wenn die Verkäuferin beim Bäcker so begeistert von der mitgebrachten Dose für das Stück Kuchen ist, dass sie uns einen Rabatt auf den Einkauf gibt oder wenn der nächste Bio-Supermarkt in der Stadt eine Unverpackt-Ecke einrichtet.

 

Jennifer Hauwehde

Mehr als GrÃRnzeu

Jennifer Hauwehde Foto: privat

 

Das bin ich:

Ich bin Jennifer Hauwehde, 25 Jahre alt und wohne im beschaulichen Greven im schönen Münsterland. Mich hat es – wie viele andere sicherlich auch – zum Studium hergezogen und mittlerweile bin ich so verliebt in diese Landschaft, die Stadt Münster und alles drumherum, dass ich mir nur noch schwer vorstellen kann, wegzuziehen. 

Deshalb verzichte ich (so gut es geht) auf Müll:

Ich habe vor anderthalb Jahren einen Vortrag von Bea Johnson in der Uni Münster gehört – und war das Müllvermeiden vorher lediglich ein diffuser Vorsatz gewesen, so wurde er nun zu einem handfesten Plan. Denn ich habe zum ersten Mal gesehen, dass das eigentlich kein großer Akt ist, dieses Müllvermeiden. Die Umwelt lag mir schon immer am Herzen – so plakativ und abgedroschen das klingen mag. Und im Laufe der letzten Jahre bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass man mehr tun kann, als einmal pro Jahr irgendwohin zu spenden (nicht, dass das jetzt verwerflich wäre!). Und dass kleine Schritte – in der Summe – manchmal so viel mehr bewirken können als wenige große, an die man sich im Alltag doch nicht herantraut.

So lange mache ich das schon:

Exakt seit den oben angegebenen anderthalb Jahren.

Das vermisse ich/In den Momenten fällt es mir schwer:

Ich finde es furchtbar schwierig, Sojaprodukte unverpackt zu bekommen. Leider habe ich eine Leidenschaft für Tofu (auch, wenn das nicht jede*r nachvollziehen kann) und Sojajoghurt. Ich kann mich oft zusammenreißen und kaufe dann nicht die Dinger in der Plastikverpackung, sondern warte geduldig, bis ich irgendwann im Unverpackt-Laden losen Tofu bekommen kann (der ist immer wahnsinnig schnell ausverkauft – kein Wunder, er ist auch umwerfend gut). Und beim Sojajoghurt gönne ich mir ein- oder zweimal im Monat einen Becher. Denn ich bin der Überzeugung, dass zu strikter Verzicht nicht glücklich macht und Balance auch hier das Schlüsselwort ist. Mein ultimatives Ziel (in progress): beides selbst herzustellen.

Die Momente bereiten mir Freude/Das ist Ansporn, weiter zu machen:

Manchmal verliert man, in seiner Nachhaltigkeits-Blase vor sich hinlebend, den Blick auf das, was man schon geschafft hat. Ich finde es daher wahnsinnig inspirierend, mich mit anderen Menschen über diese Themen auszutauschen, online wie offline. Das möchte ich auch allen anderen Menschen empfehlen, die sich gerne mit der Less/Zero-Waste-Thematik und generell Umweltthemen beschäftigen (möchten): Vernetzt euch und schaut, was die anderen machen, wie sie Probleme angehen, bewältigen und vielleicht auch, wie sie scheitern. Das gute alte Schwarmwissen ist heutzutage so zugänglich wie nie zuvor – und das sollten wir nutzen.

 

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