Triathlon-Kolumne: Der rasende Reporter
Zu fett fürs Ballett

Ahlen/Münster -

Unser Autor Cedric Gebhardt hat eine Leistungsdiagnostik mit Spiroergometrie im Zentrum für Sportmedizin in Münster durchführen lassen. Dabei wurde er auf Herz und Nieren geprüft und hat erfahren, wie fit er wirklich ist.

Freitag, 04.05.2018, 05:05 Uhr

Fließband-Arbeit: Anfangs gleicht die Leistungsdiagnostik auf dem Laufband noch einem Spaziergang. Als es aber an Geschwindigkeiten zwischen 16 und 18 km/h geht, ist unser Redakteur Cedric Gebhardt am Limit.
Fließband-Arbeit: Anfangs gleicht die Leistungsdiagnostik auf dem Laufband noch einem Spaziergang. Als es aber an Geschwindigkeiten zwischen 16 und 18 km/h geht, ist unser Redakteur Cedric Gebhardt am Limit. Foto: Yvonne Cwynar

Wie fit bin ich eigentlich wirklich? Der im Februar beim Schwimmtraining glorreich errungene Titel des „Altweiber-Gleitkönigs“ taugt zur seriösen Beantwortung dieser Frage wohl kaum als Gradmesser. Subjektiv empfunden bin ich zumindest besser in Form, als die meisten es vermutlich von mir annehmen. Aber ich bin noch lange nicht so fit, wie ich es gern wäre.

Um meinen genauen Fitnessstand in Erfahrung zu bringen, habe ich eine Leistungsdiagnostik im Zentrum für Sportmedizin (ZfS ) Münster durchführen lassen. Dort habe ich mich zuvor schon mit Sportmediziner Dr. Ralph Schomaker über (meine) Ernährung im Ausdauersport unterhalten. Wenige Tage nach unserem Interview stehe ich erneut bei ihm im ZfS auf der Matte.

Hüftgold meine größte Kapitalanlage

Betreut werde ich bei meiner Leistungsdiagnostik von der Sportwissenschaftlerin Alina Schmidt . Sie ermittelt erst einmal mit einer sog. Bioelektrischen Impedanzanalyse meine Körperzusammensetzung. Außerdem misst sie meinen Bauchumfang. Ich mache mir zwar nicht allzu viel aus Kapitalanlagen, aber bei Hüftgold halte ich viele Anteile.

Für diese Erkenntnis reicht allerdings schon das bloße Auge, da mein Fett trotz des vielen Sports seit Jahren eine Dauerkarte für meinen Oberkörper besitzt.

Der rasende Reporter – Leistungsdiagnostik mit Spiroergometrie am ZfS Münster

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  • Anpfiff zur Leistungsdiagnostik mit Spiroergometrie. „Wie fit bin ich wirklich?“ Diese Frage wird heute hoffentlich beantwortet.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Als erstes hüpfe ich auf die Waage. Sportwissenschaftlerin Alina Schmidt notiert 95,1 Kilogramm.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Das ist ja wohl die Höhe. Ja, die wird auch gemessen. Ich bin 1,80 Meter groß.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Oha, jetzt geht’s ran an den Speck. Alina Schmidt packt das Maßband aus...

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • ...und ermittelt einen Bauchumfang von 98 Zentimetern und 2,5 Liter viszerales Fett. Das ist eindeutig zu viel. Weniger wäre mehr.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Nun folgt eine Bioelektrische Impedanzanalyse, bei der meine Körperzusammensetzung bestimmt wird.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Einmal aufs Knöpfchen gedrückt und schon geht’s los.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Ich muss nichts weiter tun, außer dumm rumliegen. Das ist auf jeden Fall der angenehme Teil des Tages. Doch schon bald ist es mit der Ruhe vorbei.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Vorher besprechen wir aber noch kurz die Werte.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Brust raus, Bauch rein. Jetzt steht das Belastungs-EKG auf dem Laufband an.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Bitte nicht kitzeln.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Da sind wir: Ich stehe auf dem Laufband, auf dem ich für gewöhnlich nicht gerne laufe. Ich habe immer Schiss, dass ich mal daneben trete und wie ein Tollpatsch vom Band fliege.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Nase zu und durch.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Nein, dies ist kein Alkoholtest. Ich bin vollkommen nüchtern. Ich puste für einen

    Lungenfunktionstest ein vorgegebenes Atemmanöver durch das

    Mundstück und damit durch den Volumensensor des Spirometriesystems.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Hatte ich doch den richtigen Riecher: Jetzt gibt’s noch eine feine Maske...

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • ...und die wird gleich noch an einen Sauerstoffschlauch angeschlossen.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Außerdem werde ich mit einem Gurt gesichert, damit ich Slapstick-Einlagen vermeide, falls ich mal daneben trete.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Eben noch den Blutdruck messen.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Noch etwas Salbe ans Ohr, damit die Durchblutung angeregt wird.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Habt ihr einen Stich? Sogar gleich mehrere. Alle drei Minuten wird mir nun in der Folge etwas Blut aus dem Ohrläppchen abgenommen, um meine Laktatwerte zu messen.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Immer hinein, Onkel Otto: Das Blut wird mit Hilfe von Kunststoff-Kapillaren (kleinen Röhrchen) aufgefangen, die mit ca. einem Tropfen Blut vollständig gefüllt werden müssen. Diese werden dann in ein kleines Reaktionsgefäß mit standardisierter Hämolyselösung gegeben und geschüttelt, so dass sich die Lösung und das Blut

    vermischen. Aus diesem Gemisch wird dann durch ein Gerät die

    Laktatkonzentration im Blut gemessen.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Vorne stehen die vorbereiteten Reaktionsgefäße mit der Hämolyselösung und

    weitere Materialien zur Blutabnahme bereit, hinten ein halb-automatisches

    Blutdruckgerät.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Und dann geht es auch schon los. Bei sechs km/h ist das anfangs noch ein Spaziergang.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Nach drei Minuten gibt es die erste Pause...

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • ...in der wird eine weitere Blutprobe genommen.

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  • Und weiter geht’s. Das Tempo wird schrittweise angehoben.

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  • Zwischendurch schaut der Doc vorbei. Zwei plauschen, einer schnauft.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Dr. Ralph Schomaker beobachtet meine Werte am Bildschirm.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Endspurt. Jetzt heißt es endgültig Gas geben. An der Schwelle von 16 zu 18 km/h wird es richtig fies.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Tief gebeugt dem Diktat des Machbaren: Abbruch. Mehr geht nicht.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Mir ist übel. Ich brauch Luft. Die Belastung war enorm.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Noch ein letztes Mal muss ich bluten.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Mein Schweiß verrät – das war eine glänzende Leistung.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Ein letztes Pröbchen. Ich bin gespannt auf die Auswertung.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Endlich kann die Atemmaske ab. Halleluja.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Nachdem ich geduscht habe, macht Dr. Ralph Schomaker noch einen Ultraschall von meinem Herzen.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)
  • Der Kenner sieht: Alles in Ordnung.

    Foto: Yvonne Cwynar (ZfS Münster)

Nun aber geht es ans Eingemachte. Ich werde fürs Belastungs-EKG verkabelt, das ich auf einem Laufband durchführe. Zusätzlich werde ich mit einem Gurt gesichert, damit ich bei einem Fehltritt nicht im hohen Bogen runter fliege.

Eine Maske stülpe ich mir obendrein übers Gesicht, um im Rahmen einer Spiroergometrie herauszufinden, wie gut meine Sauerstoffaufnahme funktioniert. Das ist ungewohnt. Ich habe automatisch das Gefühl, weniger Luft als gewöhnlich zu bekommen. Und natürlich juckt mir kurz vor dem Start der Leistungsdiagnostik die Nase. Aber Kratzen ist nicht. Wichtiger ist ohnehin, dass ich gleich auf dem Laufband an meinem Limit kratze. Um zu bestimmen, ab welcher Belastung mein Körper vermehrt Laktat ausschüttet, wird auch das regelmäßig gemessen.

Wie ein Schwerlasttransporter auf der Landstraße

Los geht es noch ganz gemütlich mit sechs km/h, also langsamem Gehen. Das ist so gemächlich, dass ich aufpassen muss, um nicht als Darsteller für Zeitlupen durchzugehen. Damit ist es aber rasch vorbei: Alle drei Minuten wird die Geschwindigkeit um zwei km/h erhöht. Zwischendurch gibt es jeweils eine kurze Unterbrechung, in der Alina Schmidt mir etwas Blut aus dem Ohr entnimmt, um den Laktatwert zu bestimmen.

Leistungsdiagnostik: Cedric setzt zum Endspurt an

Ab zwölf km/h komme ich ins Schwitzen und es wird anstrengend. Rechts neben dem Laufband hängt ein Bild, auf dem Schwimmer zu sehen sind, die im Neoprenanzug den Kanal im Hafenbecken von Münster durchqueren. Eine solche Abkühlung käme mir jetzt auch durchaus gelegen. Doch daraus wird nichts. Ab 14 km/h muss ich richtig arbeiten. Das von Dr. Schomaker gerühmte Laufen ohne zu schnaufen ist in diesem Augenblick eine Illusion.

Bei 16 km/h muss ich mich richtig konzentrieren, um noch einigermaßen gerade auf dem Laufband zu rennen und nicht allzu weit nach hinten befördert zu werden. Als ich die Schwelle zu 18 km/h erreiche, geht es endgültig nur noch ums Durchhalten. Meine Lunge scheppert nun wie ein osteuropäischer Schwerlasttransporter auf einer unbefestigten Landstraße. Ich muss dringend einen Rastplatz ansteuern.

Ergebnisse stehen in Windeseile fest

Sekunden vergehen in Zeitlupe. Die vorgesehenen drei Minuten bis zur nächsten Tempostufe schaffe ich nicht mal mehr annähernd und ich breche vorzeitig ab.

Kurzzeitig ziehe ich in Erwägung, Alina Schmidt meinen Mageninhalt zu präsentieren. Meine gute Kinderstube und die rasch abklingende Übelkeit verhindern dann aber doch, dass ich mich übergebe. Noch eine letzte Laktatabnahme, dann darf ich auslaufen und duschen. Puuuuuuuuuh... der anstrengende Teil ist damit zum Glück erledigt.

Leistungsdiagnostik
Foto: Quelle: ZfS Münster

Während ich dusche, werden meine Daten ausgewertet. Gerade mal 20 Minuten später liegen sie schon vor.

Also, wie fit bin ich denn nun? Gemeinsam mit Alina Schmidt gehe ich die Ergebnisse durch. Besonders gut schneide ich ab, was die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit anbelangt. Ich kann bei starker Belastung viel Luft durch die Lungen befördern. Im Befund wird mein Leistungszustand im Vergleich zum Normalo insgesamt als exzellent eingeschätzt – und das trotz eines erhöhten Körperfettanteils und Übergewichts.

Den Fettstoffwechsel ankurbeln

Wow! Damit hätte ich selbst nicht gerechnet. Dennoch gibt es nach wie vor reichlich zu tun. Die Leistungsdiagnostik zeigt genau, wie meine Laktatwerte ab zehn bis zwölf km/h Laufgeschwindigkeit deutlich ansteigen. Ab diesem Punkt drosselt mein Körper meinen Fettstoffwechsel und widmet sich der Kohlenhydratverbrennung.

Fettmasse
Foto: Quelle: ZfS Münster

Mein Ziel muss es also sein, ab sofort so zu trainieren, dass ich künftig meine Laktatkurve weiter nach rechts verschieben kann, damit mein Körper erst bei höheren Belastungen vermehrt Laktat bildet. Meine persönliche optimale Intensität für den Grundlagenausdauerbereich liegt demnach bei einer Geschwindigkeit zwischen 8,4 und 9,6 km/h und einer Herzfrequenz zwischen 132 und 142.

Zum Autor

Cedric Gebhardt, Jahrgang 1985, ist Sportredakteur unserer Zeitung – und wird im August in Sassenberg an seinem ersten Triathlon teilnehmen. Dazu hat er auch neben seiner Fitness auch seine Ernährung auf den Prüfstand gestellt. Manchmal knurrt ihm angesichts der wenigen Kohlenhydrate der Magen. Das hindert ihn jedoch nicht daran, in seiner Kolumne „Der rasende Reporter“ in regelmäßigen Abständen von seiner Vorbereitung auf den Wettkampf zu berichten.

...

80 Prozent meines Trainings soll in diesem Bereich stattfinden, nur 20 Prozent soll hochintensives Intervalltraining sein. Außerdem sollen meine Einheiten beim Laufen oder auf dem Rad nach Möglichkeit stets 90 Minuten oder mehr umfassen. Dann sind sie besonders effektiv.

Ab jetzt wenig Kohlenhydrate

Basierend auf diesen Erkenntnissen soll ich auch meine Ernährung umstellen. „Das Verhältnis von Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel ist durch Training und Ernährung beeinflussbar“, erklärt Alina Schmidt. Für einen guten Fettstoffwechsel empfiehlt mir die Sportwissenschaftlerin daher eine kohlenhydratarme Ernährung.

Zehn Wochen lang soll ich mich nach dem Flexi-Carb-Prinzip ernähren – also fett- und eiweißreich essen und möglichst nicht mehr als 100 Gramm an Kohlenhydraten täglich zu mir nehmen. Ende Mai wartet dann eine weitere Leistungsdiagnostik, bei der meine (hoffentlich bis dahin erzielten) Fortschritte festgestellt werden. Ich bin gespannt auf den Vergleich.

Fettstoffwechsel
Foto: Quelle: ZfS Münster

Bis dahin versuche ich meine Ernährung umzustellen und mich so gut wie möglich an die Vorgaben zu halten. Die aufgenommene Kalorienmenge spielt derweil keine Rolle.

Fazit: Ich bin wohl zu fett fürs Ballett, aber einen Triathlon werde ich trotz meines Speckgürtels absolvieren können. Dann will ich mal reinhauen – aber vernünftig. Einen letzten Tipp gibt mir Alina Schmidt auch noch mit auf den Weg: „Keine Angst vor Fett. Fett macht nicht fett.“ Diese Nachricht muss ich nun wirklich erst mal verdauen.

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