Fernweh (5): Dominik Schäper als Soldat und Student im Ausland
Gegen das Schubladendenken

Venlo / Straßburg / Münster. -

Dominik Schäper (28) aus Lotte hatte die Chance, als Zeitsoldat nach Straßburg zu gehen. Derzeit studiert er Logistikmanagement in Venlo. Gebracht hat es ihm viel: „Man erweitert seinen sprachlichen Horizont und man lernt vor allem frei zu sprechen. Außerdem wird man viel weltoffener und steckt andere Menschen nicht sofort in eine Schublade.“

Freitag, 31.01.2014, 06:01 Uhr

Wo sind Sie gerade?

Seit August 2013 wohne ich in Nettetal am Niederrhein, etwa zehn Pkw-Minuten von der niederländischen Grenze entfernt. Ich habe letzte Woche das erste Semester erfolgreich abgeschlossen und verbringe nun die Freiwoche bei meiner Freundin in Münster .

Woher kommen Sie?

Gebürtig komme ich aus Lotte, aber seit 2007 habe ich die meiste Zeit in Münster verbracht, weil hier ein Großteil meines Freundeskreises ansässig ist.

Was hat Sie ins Ausland getrieben?

Dominik Schäper

Dominik Schäper

Es war schon etwas Zufall, dass es mich ins Ausland getrieben hat. Eigentlich wollte ich meine Laufbahn bei der Bundeswehr schon Ende 2010 beendet haben und ins Studium übergehen. Im Frühjahr 2010 wurde ich von dem damaligen Kompaniefeldwebel gefragt, ob ich mir vorstellen könnte zu verlängern und gleichzeitig einen Dienstposten im Eurokorps in Strasbourg, Frankreich , zu besetzen. Nun musste ich abwägen: einerseits nochmals das Studium hinauszögern und beim Studienbeginn wieder zweieinhalb Jahre älter sein oder eine einmalige Chance wahrnehmen und neue Erfahrungen sammeln. Ich entschied mich natürlich für den Auslandsdienstposten. Im Frühjahr 2011 zog ich dann von Münster nach Strasbourg und lebte und arbeitete dort bis Juli 2013.

Was war dort das schönste Erlebnis?

Das Interessante am Eurokorps ist der Nationenmix. Soldaten aus Frankreich, Belgien, Spanien, Luxemburg, Polen und Deutschland arbeiten hier vereint, Hand in Hand zusammen. Als Amtssprache gilt im Eurokorps Englisch. Französisch habe ich nur im Privatbereich gebrauchen müssen, entweder beim Einkaufen oder im Restaurant. Ich konnte viele Eindrücke über die einzelnen Nationen sammeln, meine Sprachkenntnisse und Teamfähigkeit enorm verbessern und das Elsass ausgiebig kennenlernen. Das gehört definitiv zu den schönsten Erlebnissen für mich.

Was machen Sie jetzt?

Nachdem ich meine aktive militärische Laufbahn beendet habe, entschied ich mich für ein Bachelor-Studium im Bereich Logistik. Obwohl ich einen der 70 Plätze an der FH Dortmund ergattern konnte, fiel auch hier wieder die Entscheidung für das Ausland. Seit August 2013 studiere ich an der FHTenL in Venlo.

Vergleichen Sie mal die Mentalität der Menschen in Ihrer neuen Heimat mit den Münsterländern.

Man sagt ja, der Münsterländer und Westfale sei recht stur und geht zum Lachen in den Keller, aber probieren Sie mal einen Franzosen auf Englisch anzusprechen. Da werden Sie merken, was Sturheit ist. Ansonsten habe ich die Franzosen als sehr gelassen und ausgeglichen kennengelernt, was definitiv an dem guten Essen und Wein liegen muss. Vor 9 Uhr morgens wurde nicht wirklich gearbeitet, sondern gemütlich Kaffee getrunken. Die Mittagspause ist ihnen heilig und das Glas Wein darf auf keinen Fall fehlen. Abends traf man sich zu Hause zum Apéritif für zwei bis drei Stunden und danach wurde erst sehr spät zu Abend gegessen. Eine Kneipen- oder Barkultur sucht man eher vergebens.

Was kann man im Ausland lernen?

Viel über andere Sitten, Bräuche und Kultur. Man erweitert seinen sprachlichen Horizont und man lernt vor allem frei zu sprechen. Außerdem wird man viel weltoffener und steckt andere Menschen nicht sofort in eine Schublade.

Würden Sie für immer auswandern?

Nein, ich bin in das Münsterland verliebt und möchte hier wieder sesshaft werden. Aber für eine überschaubare Zeitspanne, ist alles vorstellbar.

Schon mal unter Heimweg gelitten?

Definitiv! Meine Freundin und ich führen nun seit knapp zwei Jahren eine Fernbeziehung. Als ich noch in Straßburg gelebt habe, sah man sich unregelmäßig und meist nur an den Wochenenden. Da gab es dann schon viele Momente, wo man seine Partnerin sehr vermisst. Jetzt im Studium ist das schon deutlich besser geworden. Es sind nur noch 150km bis Münster (vorher 540km) und die Vorlesungen liegen so gut, dass ich erst montags wieder fahren muss.

Was würden Sie jungen Leuten raten, die Fernweh haben?

Wenn die Zeit und das Geld es zulassen, nutzt eure Chance. Die Erfahrungen und Eindrücke die ihr sammeln werdet, sind eine wahnsinnige Bereicherung. Wer Karriere machen möchte, wird heutzutage ohnehin nicht mehr drum herum kommen. Ob ein gemeinnütziges Projekt, ein Auslandssemester oder Praktika, man hat eine Riesenauswahl, ihr müsst euch nur trauen und den ersten Schritt machen.


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