Fernweh (9): Frederike Vörckel in Spaniens Enklave von Afrika
Zwischen den Kontinenten

Tecklenburger Land / Ceuta (Afrika) -

Frederike Vörckel lebt im fernsten Winkel Spaniens. Nämlich an der Nordspitze Afrikas, in der kleinen Exklave Ceuta. Die 19-Jährige aus Ibbenbüren erlebt hier das Leben in einer wirklich kleinen internationalen Welt.

Sonntag, 09.02.2014, 11:02 Uhr

Wo sind Sie gerade?

Ich bin gerade in Ceuta, das ist eine kleine spanische Exklave bei Marokko. Ich bin also noch in Spanien , aber schon in Afrika . Ceuta liegt auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar und ist eine Halbinsel.

Was hat Sie nach Afrika getrieben?

Einfach mal was Neues sehen, eine neue Kultur kennenlernen. Das ist der Vorteil an Ceuta: Hier ist die marokkanische und die spanische Kultur vermischt. Ich kann immer wieder was Neues entdecken, und kann trotzdem wieder zurück in die spanische Kultur, die mir vertrauter ist.

Was machen Sie?

Ich mache einen europäischen Freiwilligen Dienst (EFD) beim Jugend-Rot-Kreuz von Ceuta. Ich arbeite zum Beispiel im Krankenhaus in einem Spielzimmer für kranke Kinder und unterstütze die Aktivitäten, die das Jugend-Rot-Kreuz hier organisiert.

Vergleichen Sie mal die Mentalität der Menschen in Ihrer neuen Heimat mit den Münsterländern.

Frederike Vörckel.

Frederike Vörckel.

Eigentlich ist die Mentalität nicht sehr unterschiedlich. Was dem Münsterländer seine Bahn, ist dem Ceuti seine Fähre („Fährt eh nur wenn sie Lust hat“). Man meckert übers Wetter und über Politik. Aber dann gibt es doch Unterschiede. Man küsst sich zur Begrüßung auf die Wange, auch wenn man sich noch nie vorher gesehen hat, und man eigentlich Körperkontakt vermeiden will. Ich berufe mich dann im Notfall auf die „Deutsche Distanziertheit“ - Vorurteilen sei Dank. Und dadurch, dass Ceuta eine Insel ist, eingeschlossen von zwei Meeren und einer Grenze, trifft man ständig einen Bekannten. Deshalb bleibt in dieser Stadt nichts geheim. Aber gerade das ist etwas, was die Stadt und die Leute ausmacht. Man kennt sich, redet hier und da und hat immer Gesellschaft.

Was kann man im Ausland lernen?

Erst mal natürlich die Sprache, klar. Aber viel entscheidender ist wahrscheinlich, einfach mal eine neue Lebensform zu sehen: Ich lebe mit zwei Französinnen in einer spanischen Stadt in Afrika. Morgens wird bei uns der Kaffee aus (Müsli)schalen („Trinkschalen“) getrunken, mittags gibt es Couscous und zwischen drei und fünf ist Siesta. Das alles ist „typisch“. Aber genau das ist es was man lernt: Klischees und Vorurteile zu hinterfragen und sie durch die eigene Meinung zu ersetzen. Sind Deutsche wirklich alle so steif und ernst? Machen Spanier wirklich immer nur „Fiesta“? Manche Vorurteile werden bestätigt. Andere werden widerlegt. Aber auf alle Fälle glaube ich nicht mehr alles so schnell, was man mir über „Die Spanier“, „Die Franzosen“ oder „die Marokkaner“ sagt.

Würden Sie für immer auswandern?

Nein, so schön und so spannend es im Ausland auch ist… Es ist nicht zuhause.

Schon mal unter Heimweg gelitten?

Ja, natürlich. Es gibt schöne Tage, aber auch harte. Wenn ich mal wieder feststelle, dass mein Spanisch noch nicht reicht, um Witze zu verstehen, der Supermarkt um die Ecke kein normales Brot verkauft, die Termine spanisch-locker genommen werden und meine Franzosen sich lieber auf Französisch unterhalten, frage ich mich schon manchmal, wie ich auf diese unfassbar bescheuerte Idee gekommen bin, ins Ausland zu gehen. Da werden plötzlich Banalitäten zu großen Dramen. Aber das gibt sich schnell wieder. Denn am nächsten Tag kann ich auf Spanisch telefonieren, esse ein Stück Tortilla de Patatas und lasse mir von meinen Französinnen Französisch beibringen. Und dann war das Heimweh doch nicht so schlimm.

Was würden Sie jungen Leuten raten, die Fernweg haben?

Es ist viel Arbeit, das Richtige für sich zu finden, das richtige Programm, Au-Pair, EFD, FSJ …. Die ganzen Bewerbungen zu schreiben, keine oder negative Rückmeldungen zu kriegen, anderen zu erklären warum man weg will. Aber es lohnt sich. Denn, wenn man erst einmal ankommt, ist es die ganze Mühe wert gewesen.

 
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