Auftakt zur WN-Serie „Fit in den Sommer“
Ein weiter Weg zum Marathon

Münster -

„Sie werden zu schnell sauer“, sagt der Arzt. „Stimmt“, meint der Arbeitskollege. Wenn sich bisherige Sportverweigerer entscheiden, mehr für sich und den eigenen Körper zu tun, dann ist der Spott des Umfeldes meist nicht weit.

Freitag, 17.04.2015, 17:04 Uhr

Auf dem Laufband wird es nicht nur anstrengend, es muss auch der innere Schweinehund überwunden werden. Am Ende gibt es aber gute Hinweise für den sportlichen Einstieg. Wie es damit weitergeht, berichtet der Autor in einem Blog.
Auf dem Laufband wird es nicht nur anstrengend, es muss auch der innere Schweinehund überwunden werden. Am Ende gibt es aber gute Hinweise für den sportlichen Einstieg. Wie es damit weitergeht, berichtet der Autor in einem Blog. Foto: Wilfried Gerharz

 Spielt aber keine Rolle. „Laufen kann man in jeder Altersklasse-. Vom Kind bis zum Senioren“, sagt Dr. Andreas Greiwing vom Zentrum für Sportmedizin in Münster . Allerdings: Eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik bei einem Sportmediziner, Kassen wie die Techniker Krankenkasse übernehmen 80 Prozent der Kosten, macht Sinn. „Gibt es Risikofaktoren, wo liegt die maximale Leistungsfähigkeit und gibt es vielleicht eine Herzerkrankung?“ Diese Fragen zu klären, sagen Greiwing und sein Kollege Dr. Ralph Schomaker , schützt vor bösen Überraschungen und vor allem, einem falschen Training.

Harmlose Untersuchung

 Die Untersuchung ist harmlos, aber anstrengend. Während es sich bei der Untersuchung des Herzens noch ganz locker liegen lässt, geht es zur Leistungsdignostik auf das Laufband. Alle drei Minuten wird die Geschwindigkeit um einen Stundenkilometer erhöht, in unserem Fall war die Leistungsgrenze bei 13 km/h erreicht. Dazwischen werden immer wieder Werte gemessen, die Aufschluss über den  Zustand des Patienten geben. Etwa, dass seine Laktatwerte darüber Auskunft geben, dass sein momentaner Trainingszustand ausbaufähig ist und er bei Belastung zu schnell Kohlenhydrate statt Fette verbrennt.

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Die Körpergröße wird auch gemessen. Foto: Wilfried Gerharz

Langsamer

Um einen Marathon zu laufen müsse aber noch einiges passieren. „Dafür müssen Sie langsamer laufen“, erklärt er. Die bisherigen Läufe, alle per Smartphone aufgezeichnet, seien nach den Ergebnissen der Untersuchung zu schnell gewesen, der Trainingsfortschritt somit auf Dauer zu klein. „Laufen Sie zehn Kilometer und mehr, dafür aber langsamer“, erklärt der Sportmediziner. Dann, sagt er und übertüncht damit die Nachricht der fehlenden Fitness, sei ein Marathon unter vier Stunden kein Problem. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Body Mass Index

Das Ergebnis der Untersuchung bekommt der Patient fein abgeheftet mit nach Hause. Körpergröße, Body Mass Index, Körperfett, Laktatwerte, Körperwasser und viele andere Details wie die Mager-, und Muskelmasse sind dort dokumentiert. Und natürlich gibt es Empfehlungen für den sportlichen Einstieg. Greiwing: „Damit sie nicht den ganzen Sommer trainieren und keinen Trainingserfolg spüren.“

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Um die Laktatwerte zu bestimmen, wird immer wieder Blut abgenommen. Foto: Wilfried Gerharz

 

Das Bewegungsverhalten der Deutschen

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht physische Inaktivität weltweit schon auf Platz vier der vorzeitigen Sterberisiken. Dabei, so die Experten, reichen pro Woche schon 150 Minuten moderate Aktivität oder 75 Minuten sportliche Betätigung, um positive Effekte zu erreichen. Davon ist Deutschland noch weit entfernt, denn für jeden zweiten ist Sport kein Thema. Jeder fünfte bezeichnet sich sogar als Antisportler und macht nie Sport. In einer Studie kommt die Techniker Krankenkasse zu dem Ergebnis: „Die Sportvermeider haben die Mehrheit übernommen – die Sportler sind in der Unterzahl.“

Übrigens: In Sachen Sport unterscheiden sich Männer und Frauen erheblich. Unter den Männern gibt es mit 55 Prozent weit mehr Sportvermeider als bei den Frauen (48 Prozent). Ein gravierender Unterschied liegt in der Art, wie Sport getrieben wird. Frauen bevorzugen gemäßigten Sport, bei den Männern ist es intensiver, sie nehmen auch mehr an Wettkämpfen teil. Ins Auge fällt, dass die 36- bis 45-Jährigen genauso wenig Sport treiben wie Menschen ab Mitte 60.

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