Wie in Bullerbü
Kinderparadies voller Erinnerungen

Reckenfeld -

Familie Hachmann in Reckenfeld hat einen ganz persönlichen Garten: Er birgt jede Menge Erinnerungen – vom Kreuz, das vom elterlichen Hof stammt, bis hin zu Mauerblümchen aus Taizé.

Samstag, 26.07.2014, 07:07 Uhr

Bullerbü lässt grüßen: Das Spielhaus im Schwedenstil ist ein Lieblingsplatz von Benedikt. Es schwebt über einem großen Sandkasten und bietet so gleichzeitig einen Sonnen- und Regenschutz.
Bullerbü lässt grüßen: Das Spielhaus im Schwedenstil ist ein Lieblingsplatz von Benedikt. Es schwebt über einem großen Sandkasten und bietet so gleichzeitig einen Sonnen- und Regenschutz. Foto: Monika Gerharz

Klar, der Garten würde sich auch wunderbar in einer Hochglanzzeitschrift machen. Die Gemüsebeete , angelegt wie ein traditioneller Bauerngarten. Der Spielbereich mit Baumhaus, Matschgrube, Schaukel und Kletterwand. Die üppigen Staudenbeete, die Obstbäume, die lauschigen Sitzplätze. Und doch, selbst wenn man den Plan bis ins kleinste kopierte – die Seele würde fehlen.

Denn die Seele des 1300-Quadratmeter-Grundstücks am Emsweg sind Erinnerungen. Die Steine für die Gartenwege etwa sind alle gebraucht. „Ich bin wochenlang durch die Gegend gefahren und habe bei allen, die welche übrig hatten, Steine eingesammelt“, lacht Ute Hachmann . „Es war eine Heidenarbeit, sie zu verlegen, denn jeder hatte eine andere Höhe.“ Heraus gekommen sind nun wunderbar lebendige Flächen. Natursteine und gegossene Steine liegen einträchtig, zu gefälligen Mustern geordnet, nebeneinander. Besonders schön ist die Einfassung eines alten Brunnens geworden, den die Hachmanns auf ihrem Grundstück unter Gebüsch ausgegraben hatten. Das schmiedeeiserne Sicherheitsgitter hat Markus Hachmanns Vater geschmiedet – nach dem Vorbild eines eckigen Labyrinths aus der Krypra des Kölner Doms “. Im Vorgarten, unter einer hohen Birke, steht das alte Hofkreuz vom elterlichen Hof von Ute Hachmann. Und der Terrassentisch auf der Galerie hinter dem Wohnzimmer ist ein alter eicherner Küchentisch aus groben Brettern vom Sperrmüll. „Wir sind beide nicht die Typen, die Deko kaufen würden, erst recht nicht Wegwerfdeko“, sagt Markus Hachmann. Und seine Frau ergänzt: „Ich freue mich über Dinge mit Geschichte – sie schaffen eine Verbindung zu früheren Generationen.“ Kein Wunder, dass die Pastoralreferentin, die im Zweitberuf Baumschulgärtnerin ist, alte Obstsorten vom elterlichen Hof gepfropft und in ihrem Garten angesiedelt hat.

Als die Hachmanns die ehemalige „Villa Frieda“ – heute „Villa Frieden“ genannt – 2005 übernahmen, sah es auf dem Grundstück ganz anders aus. „Wir haben eigentlich einen Wald gekauft", erzählen sie. Darum hieß es zunächst einmal Bäume fällen. Eine große Esche, Lebensbäume an der Grundstücksgrenze, ein uralter Boskop, der üppig Früchte trägt, einige Birken durften stehen bleiben. Aber der Vorgarten wurde komplett umgestaltet. Eine gepflasterte Garagenzufahrt ragt ein gutes Stück in den Garten hinein, vom Grün durch einen Eisenzaun getrennt. „Wir wollten den Zugang vom Haus einladend halten und doch abgetrennt“, erzählen die Hachmanns. Nach vorne hinaus, Richtung Süden, liegt auch der Gemüsegarten. „Wir mussten leider den Buch herausreißen, weil er einen Pilz hat“, seufzt Markus Hachmann. „Da hat mir doch das Herz geblutet.“ Jetzt haben die Hachmanns eine gute Alternative gefunden, um die Beete einzufassen – Ilex crenata sieht fast genau so aus wie die alte Bauerngartenpflanze.

Hinter dem Haus haben die drei Hachmannkinder ihr Paradies. Ihr Baumhaus im Bullerbü-Stil ist allerdings mittlerweile kein Baumhaus mehr. Sturm Kyrill hat die Fichten dort geknickt. Es schwebt jetzt auf Stelzen über einem großzügigen Sandkasten, erst jüngst haben Markus Hachmann und seine beiden Söhne Benedikt und Nikolas vom Regenfass eine Leitung dorthin gelegt – ein wunderbarer Matschbrunnen ist so entstanden. Sogar das Baby, die sechs Wochen alte Franziska, fühlt sich dort schon wohl in der Babywippe – eine riesige Birke fasziniert sie sichtlich mit ihrem Licht- und Schattenspiel auf dem Rasen. Ein Paradies, fürwahr – wenn auch mit kleinen „Schlangen“ namens Schnecken, Wühlmäusen und Unkraut. Aber dass der Garten Arbeit macht, stört die Hachmanns nicht. „Es hat etwas erdverbundenes“, sagt Ute Hachmann, und ihr Mann ergänzt: „Wenn ich im Garten vor mich hinbrüddele, kann ich mich super entspannen.“

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