Münster am 9. November 1989
„Vorabend der Revolution“ nur im Museum

Münster -

In Münster am Tag des Mauerfalls vor 25 Jahren war noch nicht viel von den historischen Veränderungen zu spüren. Alltag in der Uni-Stadt, wo die Hörsäle auch schon damals überfüllt waren. In den Tagen darauf fiel Münster ins Wendefieber.

Samstag, 08.11.2014, 15:11 Uhr

In der DRK-Schule Münster wurden DDR-Übersiedler untergebracht: Ralf und Heidi Schönfelder kamen mit zwei Kindern aus dem Vogtland.
In der DRK-Schule Münster wurden DDR-Übersiedler untergebracht: Ralf und Heidi Schönfelder kamen mit zwei Kindern aus dem Vogtland. Foto: Matthias Ahlke

Das Exponat, das am 9. November 1989 als Leihgabe ins Stadtmuseum geliefert wird, illustriert schaurige Begleitumstände politischer Umwälzungen. Die Guillotine aus der niederländischen Sammlung komplettiert die damals dort präsentierte Ausstellung „1789 – Wien, Münster , Paris“. Deren Untertitel soll sich just an diesem Tag in anderen Zusammenhängen wörtlich bewahrheiten: „Am Vorabend der Revolution“.

Ende der DDR spielt in Münster vorerst keine Rolle

Während sich im Laufe des 9. November 1989 in Berlin der Mauerfall ankündigt, spielt in Münster an diesem Tag der Zusammenbruch der DDR – noch – keine Rolle. Der Blick ins lokale Geschehen in der Stadt ist vor 25 Jahren eher nach Westen gerichtet, wie die Aufmachung des WN-Lokalteils spiegelt. Am Nachmittag wird im Schloss nach jahrelanger Vorarbeit feierlich das Niederlandezentrum der Universität eröffnet (siehe 6. Lokalseite).

Vormittags hat in Münster traditionell bereits eine andere, ernste Feier stattgefunden: In der Synagoge an der Klosterstraße warnt am Jahrestag der Reichspogromnacht der damalige Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Heinz Jaeckel , vor neuem, erstarkendem Rechtsextremismus und antisemitischen Tendenzen in der Bundesrepublik.

Graue Wolkendecke

Münster liegt am Tag des Mauerfalls novembergerecht unter einer grauen Wolkendecke, zehn Grad, nachmittags leichter Regen. Die Luftqualität wird laut Meldung in den WN mit 0,06 Milligramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft lokal als unkritisch bewertet. Weniger entspannt sehen Umweltexperten schon damals die Entwicklung des Weltklimas: Im Naturkundemuseum schwitzt in einer Sonderausstellung ein großer Globus in einem Liegestuhl. Titel der neuen Schau: „Das kann ja heißer werden“.

Viele Themen, die Münster am 9. November 1989 bewegen, sind auch heute noch aktuell: Der SC Preußen Münster, damals in der zweiten Bundesliga, spielt, so die Klage, in einem nicht adäquaten Stadion. In einem Leserbrief wird ein besserer Lärmschutz für die Umgehungsstraße gefordert. Vor dem Hörsaal F 10 im Fürstenberghaus knubbeln sich Studenten wegen Überfüllung, und die Beleuchtung für den Weihnachtsmarkt wird schon einmal aufgehängt.

Batman statt Mauerfall

In den sechs Kinos der Stadt, das Cineplex ist noch Zukunftsmusik, zieht es laut Besucherstatistik der Woche die meisten Münsteraner in den damals aktuellen Batman-Film, Asterix und Obelix – „Operation Hinkelstein“ und Steven Soderberghs Spielfilm „Sex, Lügen, Video“. Kein Zweifel: Das weitaus spannendere Programm lief an diesem Abend im Fernsehen: Bilder aus Berlin von jubelnden Menschen auf der Mauer.

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