„Nächste Verzweiflungstat“
Kulturwerkstatt wird Flüchtlingsunterkunft

Ostbevern -

Zwölf neue Flüchtlinge wird die Gemeinde Ostbevern allein in dieser Woche aufnehmen. Stand: 16. September, 10.30 Uhr. Sie werden noch in angemieteten Wohnungen untergebracht werden können. Doch Bürgermeister Annen geht davon aus, dass schon in der nächsten Woche die Kulturwerkstatt als Schlafstätte dienen muss. Seine „nächste Verzweiflungstat“: ein Brief an alle Haus- und Wohnungseigentümer.

Donnerstag, 17.09.2015, 12:09 Uhr

„So viele Flüchtlinge wie noch nie in einer Woche“ werden bis Freitag nach Ostbevern kommen. Das sagte am Mittwochmorgen auf Nachfrage unserer Zeitung Bürgermeister Wolfgang Annen . Zwölf Männer sind es insgesamt. Stand: 16. September. Fünf Zuflucht suchende Menschen kommen aus Syrien , drei aus Afghanistan, zwei aus dem Irak, einer aus Ghana, ein weiterer aus Eritrea.

Noch, betonte Annen gestern, sei die Gemeinde Ostbevern in der Lage, diese Menschen in Wohnungen unterzubringen. Noch! Denn: Werden Ostbevern in der nächsten Woche weitere Flüchtlinge zugewiesen – was sehr wahrscheinlich ist –, geht der Bürgermeister fest davon aus, dass der Gemeinde nichts anderes übrig bleiben wird, als die Kulturwerkstatt (Obergeschoss) zu belegen.

Gehofft hatte Wolfgang Annen, dass das erst Mitte Oktober erforderlich sein würde. Die Kulturwerkstatt sei „definitiv menschenwürdiger“ als die Turnhalle der Josef-Annegarn-Schule, erklärte der Bürgermeister, weshalb die Gemeinde Ostbevern zunächst dieses Haus und nicht die Sporthalle nutzen wird, um Flüchtlingen einen Schlafplatz geben zu können. „Wir werden jetzt alle Eigentümer in Ostbevern anschreiben und sie fragen, ob sie Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen können – das ist die nächste Verzweiflungstat “. Es ist Annen anzumerken, dass ihn die Schicksale der Menschen bewegen. Der Bürgermeister weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Eigentümer, die Wohnraum umbauen und für Flüchtlinge schaffen, vergünstigte Kredite von der NRW-Bank erwarten können.

„Das soziale Gefüge“ in der Gemeinde Ostbevern – sprich zum Beispiel die Nutzung der Turnhalle für den Schul- und Breitensport oder die der Kulturwerkstatt durch eine Trommelgruppe – möchte der Bürgermeister gerne aufrechterhalten. Doch ob das gelingt angesichts der vielen Menschen, die vor den Grenzen in erbärmlicher Lage ausharren und diese schließlich irgendwie überwinden – in der Hoffnung, dass ihnen Zuflucht in einem sicheren Land gewährt wird?

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