Kleiderkammer für Flüchtlinge
Hilfe bringt die Menschen zusammen

Herbern -

Eine Garage in Herbern verwandelt sich in eine Kleiderkammer – aus ihrem Fundus können sich Menschen eindecken, die in Ascheberg Zuflucht gefunden haben. Die Flüchtlinge arbeiten auch selbst in dem kleinen Reich der gespendeten Textilien mit.

Dienstag, 22.09.2015, 14:09 Uhr

Unterstützung: Lokman (l.) und Lorenz (r.) freuen sich, dass sie sich in der Kleiderkammer bei Roswitha Reckers nützlich machen können.
Unterstützung: Lokman (l.) und Lorenz (r.) freuen sich, dass sie sich in der Kleiderkammer bei Roswitha Reckers nützlich machen können. Foto: Tina Nitsche

Eine noble Modeboutique sieht anders aus. „Aber das ist hier ja auch nicht gewollt“, sagt Roswitha Reckers und lässt ihren Blick durch den kleinen Raum schweifen. Gerade einmal 20 Quadratmeter misst er. Die Einrichtung ist einfach, aber sie erfüllt ihren Zweck. Eine Garage, hinter einem Herberner Flüchtlingshaus, hat Roswitha Reckers, in Absprache mit der Gemeinde, zur Kleiderkammer umfunktioniert.

In einer Ecke stapeln sich diverse Kisten übereinander, gegenüber lagern große Plastiksäcke. Alle gefüllt mit Kleidung. Bettzeug und Handbücher hingegen haben bereits einen Platz in den Regalen gefunden, genau wie Anziehsachen für Kinder.

Auf den ersten Blick wirkt es in der Garage ein wenig chaotisch. „Aber es steckt durchaus System dahinter“, beteuert Roswitha Reckers. Normalerweise reicht die Garage völlig aus. „Denn mein Ziel ist es, die Sachen, die reinkommen, direkt weiterzugeben“, sagt Reckers. Doch manchmal kommt es eben anders. So wie kürzlich, als beispielsweise das Ascheberger Basarteam alle nicht verkauften Artikel für die Flüchtlinge spendete. Hinzu kamen viele, viele Spenden aus der Bevölkerung. „Da mussten wir erst einmal sortieren, um uns einen Überblick zu verschaffen“.

Hilfe erfährt sie dabei von den Flüchtlingen. „Mir haben auch viele Bürger ihre Hilfe angeboten, aber ich habe mich bewusst dazu entschieden, diese Arbeiten gemeinsam mit den Flüchtlingen zu erledigen“, sagt Reckers. Zum einen seien diese dankbar, wenn sie eine Aufgabe haben, „zum anderen freuen sie sich, dass sie auf diese Weise etwas zurückgeben können“.

Am Samstag hat sie gemeinsam mit ihnen, Tochter Jenny und einigen freiwilligen Helfern Regale aufgebaut. Ismail, Lokman und Lorenz sind am Montagmorgen direkt gekommen, um weitere Kisten auszupacken. Sorgfältig sortieren sie die Sachen und ordnen sie nach Artikeln und Größe. „So behalten wir die Übersicht“, erklärt Reckers. Ein kleines überschaubares Reich. Hier bekommen Neuankömmlinge ihre Erstausstattung von Roswitha Reckers ausgehändigt. Kostenlos.

„Danach wird gezielt geschaut, was die einzelnen Flüchtlinge benötigen und entsprechend werden die Waren ebenfalls kostenlos an sie verteilt“, so Reckers.

Das tut sie nicht ohne Grund. Sie will vermeiden, dass die Sachen in den Häusern weiterveräußert werden. „Das gibt nur böses Blut“, kennt sie auch die typisch menschlichen Verhaltensweisen und schiebt dort direkt einen Riegel vor.

Ein kleiner Raum, in dem viele Nationalitäten zusammen arbeiten. Ganz bewusst. Das mag augenscheinlich auf den ersten Blick zwar ein wenig Chaos produzieren, aber und das ist Reckers viel wichtiger;: „Auf diese Weise bringen wir die Menschen zusammen“.

► Wer Textilien spenden möchte, kann diese jeweils donnerstags ab 16 Uhr an der Kleiderkammer an der Münsterstraße abgeben. Die Einfahrt befindet sich neben dem Second-Hand-Laden Sendermann, wo bitte keine Waren abgegeben werden sollen. Aktuell werden dringend Herrenschuhe in den Größen 42 bis 44 benötigt. Weitere Infos erteilt Roswitha Reckers unter Telefon 0162/7017564 oder auf der bei Facebook eingerichteten Seite Ascheberg hilft Flüchtlingen unter https://www.facebook.com/groups/1482233405406748/?fref=ts

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