Irin spendet für Flüchtlinge
Ein weiter Weg

Lengerich -

In Lengerich ist in den vergangenen Wochen und Monaten viel für Flüchtlinge gespendet worden. Dennoch ist Mary Anne Clarke etwas Besonderes. Sie ist eigens aus Irland angereist, um zu helfen.

Mittwoch, 07.10.2015, 07:10 Uhr

Voll gepackt war der Transporter, mit dem Mary Anne Clarke an der Notunterkunft vorfuhr. Pfarrer Wernfried Lahr, der mit der Irin befreundet ist, half beim Entladen.
Voll gepackt war der Transporter, mit dem Mary Anne Clarke an der Notunterkunft vorfuhr. Pfarrer Wernfried Lahr, der mit der Irin befreundet ist, half beim Entladen. Foto: Michael Baar

Die ersten Plastiksäcke purzeln aus dem Lieferwagen heraus, obwohl Mary Anne Clarke die rückwärtige Tür vorsichtig öffnet. Wernfried Lahr klappt die andere Türhälfte auf. Weitere Säcke fallen heraus. Das gemeinhin als „Sprinter“ bezeichnete Fahrzeug ist bis unters Dach beladen. Neben den Säcken sind Kartons, Reisetaschen und Koffer zu sehen.

Am Samstagmorgen ist Mary Anne Clarke in Lengerich eingetroffen. „Ich bin seit 20 Jahren mit Wernfried Lahr befreundet“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrer Tochter Grainne hat sie sich auf den Weg von Meath in Irland nach Lengerich gemacht. Jetzt steht ihr Wagen vor dem Kellereingang zum Berufskolleg. Vollgepackt mit Bekleidung für die Flüchtlinge.

Im Radio hat Mary Anne Clarke einen Aufruf gehört, dass Kleidungsstücke für die Flüchtlinge in Calais gesammelt werden. „Da ist mir die Idee gekommen, dass wir das doch für Lengerich machen könnten.“ Schließlich weiß sie von ihrem Freund Wernfried Lahr, dass auch in Lengerich Flüchtlinge in einer Notunterkunft leben.

In ihrem Ort hat sie um Spenden gebeten, Freunde, Bekannte und wildfremde Menschen haben ihr Textilien gegeben. „Überwiegend Winterbekleidung für Kinder und Jugendliche“, sagt Grainne Clarke. Schuhe sind auch dabei, ebenso Herren-Pullover, Mäntel, Röcke. Das verraten die Aufkleber auf den Kartons und Säcken.

Die Direkt-Anlieferung an der Notunterkunft ist mit dem DRK – der Kreisverband betreut die Flüchtlinge – abgesprochen. Wernfried Lahr hat beim Shop „Jacke wie Hose“ (dort sollen eigentlich Kleiderspenden abgegeben werden) angefragt. „Die haben angesichts der Menge gesagt, wir sollen es direkt zum Berufskolleg bringen.“

Schnell hat sich an diesem Morgen eine Kette gebildet vom Lieferwagen bis in den Kellerraum, wo die Spenden erst einmal abgestellt werden. Mitarbeiter des DRK und des Sicherheitsunternehmens packen mit an, zwei Flüchtlinge dürfen ebenfalls mitmachen. Obwohl zügig gearbeitet wird, vergeht fast eine halbe Stunde, bis der „Sprinter“ leer ist.

Längst haben sich Kinder eingefunden. Sie schauen mit großen Augen auf kleine Pakete, die erst einmal auf die Seite gestellt worden sind. Trotz der fremdsprachigen Aufschrift ist unverkennbar, was die Kartons enthalten: Süßigkeiten. Doch auch die werden erst später zugeteilt.

Mary Anne Clarke strahlt, ihre Tochter Grainne macht ein Erinnerungsfoto mit allen Helfern und den Kindern. Ihr Einsatz hat sich gelohnt, ist aber noch nicht zu Ende. Von der Confey School in Leixlip sowie Freunden und Bekannten hat die Irin auch Geld erhalten. Die insgesamt 500 Euro werden an den Verein Flüchtlingshilfe übergeben.

Am Dienstag steigen Mary Anne und Grainne Clarke in ihren leeren Wagen, fahren heim in der Gewissheit, etwas Gutes getan zu haben.

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