Repräsentative Erhebung unter Zuwanderern
Viele Syrer sind für Obergrenze

Münster -

Vier Fünftel der schon länger in Deutschland lebenden Syrischstämmigen begrüßen nach einer Emnid-Umfrage die offene Politik des Landes gegenüber Flüchtlingen. Die Hälfte der Befragten plädiert jedoch für eine Aufnahme-Obergrenze.

Donnerstag, 07.04.2016, 15:04 Uhr

Auf rund 500 Syrischstämmige, die teils schon seit Jahren in Deutschland leben, bezieht sich eine Emnid-Umfrage.
Auf rund 500 Syrischstämmige, die teils schon seit Jahren in Deutschland leben, bezieht sich eine Emnid-Umfrage. Foto: dpa

Drei Viertel der Befragten zeigen Solidarität mit den Neuankömmlingen aus Syrien , nur ein Drittel befürchtet, dass sich die eigene Situation nun verschlechtere, wie die repräsentative Erhebung unter syrischstämmigen Zuwanderern und ihren Nachkommen in Deutschland weiter ergab. Die Umfrage führte der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster mit dem Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im vergangenen Vierteljahr durch.

Zugleich fragen sich nach der bundesweiten Erhebung 46 Prozent, ob unter den neu ankommenden Flüchtlingen auch viele Terroristen seien.

71 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass die meisten ihrer geflüchteten Landsleute nach Syrien zurückkehren wollen, wenn der Krieg vorbei ist, wie der Leiter der Studie, Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack , in einer Pressemitteilung erläutert. Genauso hoch ist der Anteil derer, die meinen, „Deutschland kann es schaffen, die Probleme bei der Aufnahme der vielen Flüchtlinge zu bewältigen“. Dabei sind jedoch etwa zwei Drittel der Ansicht, dies könne nur gelingen, wenn sich in Staat und Gesellschaft noch viel ändere.

Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid von Dezember 2015 bis März 2016 insgesamt 500 Zuwanderer aus Syrien und ihre Nachkommen. Sie leben im Schnitt seit 20 Jahren in Deutschland, mindestens seit einem Jahr, andere seit vier Jahrzehnten. 20 Prozent der Befragten wurden in Deutschland geboren. Die Hälfte hat die deutsche Staatsbürgerschaft, ein Drittel die syrische.

Die Umfrage wurde vom Exzellenzcluster Religion und Politik beauftragt und vom Forscherteam um Prof. Dr. Detlef Pollack (Foto) ausgewertet.

Die Umfrage wurde vom Exzellenzcluster Religion und Politik beauftragt und vom Forscherteam um Prof. Dr. Detlef Pollack (Foto) ausgewertet. Foto: Uni Münster

Prof. Pollack: „Insgesamt überwiegt unter den aus Syrien Zugewanderten und ihren Nachkommen die Offenheit gegenüber den neu ankommenden Flüchtlingen und die Solidarität mit ihnen. Dabei ist es erstaunlich, wie groß das Vertrauen in die Fähigkeit Deutschlands ist, mit den Problemen in der Flüchtlingspolitik fertig zu werden. Zugleich – und hier unterscheiden sich die syrischstämmigen Befragten kaum von der deutschen Mehrheitsgesellschaft – wird die klare Erwartung an die deutsche Politik und Gesellschaft gerichtet, den Integrationsprozess aktiv zu gestalten.“

Angesichts der Herausforderungen seien die Befragten nicht frei von Befürchtungen, etwa, was eine wachsende Konkurrenz im wirtschaftlichen und sozialen Bereich angehe. „Relativ groß ist auch die Angst, dass unter den Flüchtlingen viele Terroristen sein könnten – auch dies eine Sorge, die die Befragten mit vielen Menschen in der Mehrheitsgesellschaft teilen.“

Ausführliche Ergebnisse veröffentlicht der Forschungsverbund in den kommenden Wochen. Die Emnid-Erhebung entsteht im Rahmen eines Forschungsprojektes, das am Exzellenzcluster unter der Leitung von Prof. Dr. Detlef Pollack und der Mitarbeit der Religionssoziologen Dr. Olaf Müller, Dr. Gergely Rosta und Anna Dieler durchgeführt wird.

Das Forscherteam untersucht etwa, was Mitglieder der türkisch- und syrischstämmigen Minderheit, die überwiegend muslimisch geprägt ist, unter einer geglückten Integration verstehen.

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