Neue Routen der Flüchtlinge
Schleuser werden immer flexibler

Münster -

Derzeit kommen weniger Flüchtlinge nach Deutschland. Flüchtlingsorganisationen gehen aber davon aus, dass viele Menschen weiter versuchen, nach Europa zu gelangen. Szenarien über die neuen Routen der Flüchtlinge.

Freitag, 08.04.2016, 16:04 Uhr

Die dramatischen Szenen der vergangenen Monate sollen sich nicht wiederholen. Doch Experten rechnen aber damit, dass die Flüchtlinge neue Routen suchen werden.
Die dramatischen Szenen der vergangenen Monate sollen sich nicht wiederholen. Doch Experten rechnen aber damit, dass die Flüchtlinge neue Routen suchen werden. Foto: AFP

Derzeit kommen weniger Flüchtlinge nach Deutschland . Das Bundesinnenministerium wagt keine Prognosen, wie sich die Zahlen in diesem Jahr entwickeln werden. Zu viele Faktoren spielen nach der Schließung der Balkanroute und dem Türkei-Abkommen eine Rolle.

Flüchtlingsorganisationen gehen davon aus, dass angesichts der schwierigen Lebensbedingungen vieler Flüchtlinge im Nahen Osten und in der Türkei viele weiter versuchen, nach Europa zu gelangen. Zudem warten noch Zehntausende Schutzsuchende in Griechenland.

Basierend auf eine Studie des Projects „Acaps“ für den UN-Flüchtlingskommissar beschreibt der Mediendienst Integration zwei Szenarien: ► Szenario 1: Trotz der Pa­trouillen der griechischen und türkischen Grenzpolizei könnten Schleuser neue, längere und gefährlichere Routen in der Ägäis finden. Vor allem junge Männer und Minderjährige ohne Begleitung aus dem Nahen Osten würden so weiterhin die Reise wagen. Die Situation in den griechischen Aufnahmelagern würde so eskalieren. Die neuen Touren könnten durch Bulgarien, Albanien oder Italien führen. ► Szenario 2: Mithilfe von Frontex und der Nato würde die Seegrenze zwischen der Türkei und Griechenland abgeriegelt. Die Türkei sperrt die Grenze zu Syrien komplett ab. Dadurch könnten sich die Migrationsbewegungen in Richtung Nordafrika verschieben. Viele Geflüchtete könnten so versuchen, die Hafenstädte von Ägypten und Libyen zu erreichen.

Das bestätigten bereits Aussagen des italienischen Innenministeriums. Andere bezweifeln das zweite Szenario: Nur Geflüchtete aus der Subsahara (Eritrea, Nigeria) würden den Weg über diese sogenannte zentrale Mittelmeerroute nehmen. Für die meisten syrischen Flüchtlinge – die Hälfte der Menschen, die derzeit unterwegs sind – komme die Route nicht infrage. Denn alle Länder in Nordafrika würden inzwischen ein Visum von den Syrern verlangen.► Wahrscheinlich ist, dass die Flüchtlinge demnächst eine Vielzahl von Routen nutzen. Ihre Wege sind generell sehr dynamisch geworden. Schleuser brauchen im Handy-Zeitalter nur wenige Tage, um Transporte zu organisieren. Sie sind sehr flexibel geworden. Beispiel: Im vergangenen Sommer wichen die Flüchtlinge sofort auf eine Vielzahl neuer Routen aus, nachdem Ungarn Grenzzäune zu Serbien und Kroatien errichtete. Experten gehen so davon aus, dass die meisten Geflüchteten aus dem Nahen Osten weiter die Route über Osteuropa wählen und Ausweichwege suchen. Den Experten zufolge haben zwischen Januar und März bereits 7500 die griechisch-bulgarische Grenze überquert. Wird diese geschlossen, bietet sich der Weg über Albanien an.

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