Datenschutz
Der gläserne Verbraucher

Düsseldorf -

Unterwegs im Auto, täglich begleitet von intelligenter Armbanduhr oder Smartphone, daheim beim Fernsehen: Viele alltägliche Handlungen werden vom Bordcomputer, von Apps oder von TV-Plattformen protokolliert. Datenschutz ist ein Verbraucherthema geworden.

Freitag, 15.05.2015, 17:05 Uhr

Immer mehr Kameras beobachten den öffentlichen Raum – auch das macht den Datenschützern Sorge.
Immer mehr Kameras beobachten den öffentlichen Raum – auch das macht den Datenschützern Sorge. Foto: Gunnar A. Pier

Die Verarbeitung dieser Daten habe längst „atemberaubende Dimensionen“ angenommen, warnte am Mittwoch der Landesbeauftragte für Datenschutz , Ulrich Lepper . In seinem Jahresbericht widmet er sich auch dem Datenhunger von Behörden, die meisten Tücken lauern aber im täglichen Leben.

Auto : Wer als Autofahrer ein modernes Fahrzeug mit Bordcomputer und elektronischem Komfort steigt, liefere bereits eine Menge Informationen, beginnend bei Spritverbrauch, Zahl der Beifahrer und Betriebsdaten. Dazu kämen individuelle Einstellungen für Sitze und Spiegel, die inzwischen über biometrische Identifizierung gespeichert werden. Eine weitere Dimension schaffen Lepper zufolge Assistenzsysteme, die das Fahrverhalten analysieren. „Das Autofahren wird zu einem öffentlichen Vorgang.“

Der oberste NRW-Datenschützer bewertete deshalb die verpflichtende Einführung des automatischen Notrufsystems E-Call als problematisch, weil es viele der Daten an die Leitstellen übermittelt. „Wir müssen darauf achten, dass nicht noch andere mit bedient werden“, betonte Lepper mit Blick auf Versicherungen.

Die Datensammlung und -verarbeitung im privaten Sektor hat gigantische Ausmaße angenommen. Das macht mir Sorge.

Ulrich Lepper, NRW-Datenschutzbeauftragter

►  Versicherungen: Schon jetzt bieten Kfz-Versicherungen günstige Tarife an, wenn die Kunden eine Blackbox mitfahren lassen, die ihren Fahrstil protokolliert und so die Beitragshöhe bestimmt. Krankenkassen nutzten dafür Fitness-Apps in Smart-Watches , die Gesundheitsdaten auswerten. Solche Entwicklungen beobachte er mit großer Sorge, weil das die Wahlfreiheit einschränke, sagte Lepper.

►  Fernsehen: Die Sender und Betreiber von Video-Plattformen, Gerätehersteller und sogar Dritte können Details erfahren, wenn Nutzer von Smart-TV-Geräten ihr Wunschprogramm sehen. Lepper erinnerte die Anbieter daran, sie dürften diese Daten nicht ohne Einwilligung für die Analyse des Fernsehverhaltens nutzen, anonymes Fernsehen müsse möglich bleiben.

►  Soziale Netzwerke: Landesregierung, Behörden und Kommunen gehen aus Leppers Sicht zu sorglos mit Facebook um. Selbst bei so genannten Fanseiten, die Nutzer mit „gefällt mir“ markieren können, speichere der Konzern zu jedem Besucher unzählige Informationen. Auskünfte, was mit diesen Daten geschieht, habe Facebook stets verweigert. „Ich rate dringend allen öffentlichen Stellen davon ab, wenn man nicht weiß, welche Datenverarbeitungsprozesse dahinterstehen“, schloss Lepper alle Netzwerke ein.

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