Moderne Zeichensprache
„Emojis“ gab es schon im alten Ägypten

Münster/Dortmund -

Ob in WhatsApp-Nachrichten oder bei Facebook – überall dort, wo Menschen spontan schriftlich kommunizieren, gibt es sie: kleine Zirkuszelte, winzige Zauberhüte oder das klassische Smiley. Dass Emojis allein aber nicht reichen, wussten schon die alten Ägypter.

Donnerstag, 09.07.2015, 16:07 Uhr

Moderne Zeichensprache : „Emojis“ gab es schon im alten Ägypten
Smileys und Emojis sind heutzutage überall. Foto: Andrea Pärschke

Leicht kann man Emojis als Albernheit abtun, doch viele Sprachwissenschaftler sehen mehr darin. „Die Bilder drücken Emotionen des Autors aus“, sagt Michael Beißwenger , Privatdozent und Sprachwissenschaftler an der Universität Dortmund . Doch häufig werden die Symbole auch spielerisch genutzt. Ein Phänomen, das auch Annik Wüthrich , Ägyptologin der Universität Münster , kennt.

Seit 1982: :-)

„Meistens verwende ich positive Smileys“, stellt Jonas, Student an der Uni Münster, mit einem Blick auf sein Smartphone fest: Lächelnde, lachende und zwinkernde Smileys – um Missverständnisse zu vermeiden. Elektronische Kommunikation muss eben ohne Stimme, Gestik und Mimik auskommen – gar nicht so einfach. Um ernst Gemeintes von weniger ernst Gemeintem zu unterscheiden, erfand Scott Fahlmann schließlich das Emoticon. „Das war 1982“, sagt Michael Beißwenger. In einem elektronischen Diskussionsforum schlug der Informatikprofessor Fahlmann das kryptische Zeichen vor: zwei Punkte, Bindestrich und eine geschlossene Klammer. Er traf damit einen Nerv.

Das lachende Smiley wird heute weltweit benutzt, um Gefühlen, Zuneigung und Bestätigung Ausdruck zu verleihen. 800 Emojis kursieren derzeit im Netz. Tendenz steigend. Die Grundstimmung im Internet ist eben – trotz allem – kommunikationsbereit.

Missverstandene Emojis: Das bedeuten sie wirklich

Das ist auch in der WhatsApp-Gruppe von Michael Beißwenger und seinem Team an der Universität Dortmund nicht anders. Gerne benutzt der Sprachwissenschaftler den hochgereckten Daumen. Als gestern ein Gruppenmitglied Geburtstag hatte, brach in der Gruppe jedoch ein kleines Emoji-Feuerwerk aus: Kleine Sektgläser, Konfetti-Tüten und spanische Tänzerinnen tauchten hinter den Glückwünschen auf. Kein Einzelfall. Alleine auf Twitter wurden im Jahr 2013 acht Milliarden dieser Bildchen versendet.

„Emojis“ in ägyptischen Grabkammern

„Die Leute spielen auch mit den Symbolen“, sagt Michael Beißwenger. Ein neues und gleichzeitig sehr altes Phänomen, wie die Ägyptologin Dr. Annik Wüthrich von der Uni Münster weiß.

Die Leute spielen mit den Symbolen.

Michael Beißwenger

So stehen Bilder, die das Gesagte illustrieren, oft am Satzende. In Grabkammern der alten Ägypter entdecken Wissenschaftler das gleiche Phänomen: Zunächst lesen die Forscher „Der Mann schläft“ – geschrieben in einer Lautschrift. Dahinter ritzten die Alten Ägypter eine Art Emoji ein: Das Bild eines schlafenden Mannes. „Die Schreiber nutzten das Bild zur Verständnissicherung“, erklärt Wüthrich. Mit Erfolg. Die Kombination aus Laut- und Bildschrift wurde immer beliebter. „Die Schreiber spielten damit“, sagt die Ägyptologin.

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Dr. AnnikWüthrich: Für die münsterische Ägyptologin sind die im Altertum zur Kommunikation benutzten Hieroglyphen zum Teil eine frühe Form von Emojis.

„Die alten Ägypter zeigen aber auch, dass eine Schrift nur aus Emojis nicht ausreicht“, sagt Wüthrich. Um verstanden zu werden, haben sie immer beides kombiniert. Michael Beißwenger sieht das ähnlich. „Die Grammatik erlaubt uns, auch komplexe Zusammenhänge zu erläutern“, erklärt er. Abfolgen von Emojis sind letztlich nur Aneinanderreihungen von Zeichen. Sie haben eine andere wichtige Funktion: „Sie unterstützen die Organisation der Kommunikation, ermöglichen auf einfache Weise eine emotionale Kommentierung und wirken verständnissichernd.“

Hollywood im Emojy Style

1/11
  • Welche Filme verstecken sich hinter diesen Emojis? Auf zum Bilderrätsel!

    Foto: Andrea Pärschke
  • Das ist...

    Foto: Andrea Pärschke
  • Free Willy.

    Foto: dpa
  • Und das?

    Foto: Andrea Pärschke
  • The King's Speech

    Foto: dpa
  • Was ist hier bloß gemeint?

    Foto: Andrea Pärschke
  • Edward mit den Scherenhänden.

    Foto: dpa
  • Okay, das ist einfach, oder?

    Foto: Andrea Pärschke
  • Scream!

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  • Und zum Abschluss...

    Foto: Andrea Pärschke
  • Dirty Dancing.

    Foto: dpa
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