Schlechter Scherz hart bestraft
Erstes deutsches Urteil: "Swatting"-Anrufer muss für 3,5 Jahre in Haft

Münster -

Scherzanrufe auf einem neuen Level: Bei „Swatting“ werden Internetstars vor laufender Kamera Opfer von falschen Notrufen.

Freitag, 20.01.2017, 15:01 Uhr

Schlechter Scherz hart bestraft  : Erstes deutsches Urteil: "Swatting"-Anrufer muss für 3,5 Jahre in Haft
Symbolfoto Foto: Colourbox.de

Die Tür fliegt auf und Einsatzkräfte stürmen das Zimmer. Das Ganze wird live auf Youtube übertragen. So geschehen beim Videoblogger „Drachenlord  aus Bayern. Doch der Feuerwehrtrupp trifft beim jungen Mann keinen Notfall an: Es handelt sich um einen Telefonscherz eines Zuschauers. Dieser, der 24-jährige Alexander S. , prahlte anschließend im Internet damit, im Namen des Opfers einen Hausbrand vorgetäuscht und damit die Leitstellen auf den Plan gerufen zu haben.

Falsche, also „Fake“-Anrufe gab es schon immer bei Polizei und Feuerwehr , doch die Dimensionen sind neu. Beim Phänomenen „Swatting“, nach S.W.A.T., den amerikanischen Spezialeinsatzkräften, wird dem Opfer auf mehrere Arten geschadet.  Unter seinem Namen werden die Einsatzkräfte gerufen - und: im schlimmsten Fall werden seine Reaktionen und Emotionen live ins Internet übertragen. Auch der bayrische Youtuber „Drachenlord“ war gerade auf Sendung.

Münsteraner Youtuber sind sensibilisiert

„Swatting“ sei in der Szene schon seit längerem bekannt, sagt der Videoblogger und Musiker „Dilly“ aus Münster. Es trifft vor allem Prominente und Netzsternchen. Der Notruf in Bayern ist jedoch das erste Mal, dass in Deutschland ein Youtuber Opfer wird. Für den Täter hatte die Aktion nun schmerzhafte Konsequenzen: Das Oberlandesgericht Nürnberg verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von insgesamt drei Jahren und fünf Monaten.

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In Münster ist das Phänomen Swatting für die Polizei noch kein Thema, sagt Pressesprecherin Angela Lüttmann von der Polizei Münster. Dennoch sind Youtuber darauf sensibilisiert. Der Münsteraner Videoblogger „Dilly“ erzählt, ihm sei in der Vergangenheit gedroht worden. Deswegen gehe er sehr sensibel mit seinen persönlichen Daten um. „Ich möchte nicht irgendwann einen Verrückten oder das SEK vor der Tür stehen haben“, sagt der Vater eines kleinen Sohnes.

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