Vorsicht, Falle!
Wie Sie sich vor Datenklau im Gratis-WLAN schützen können

Mit einem frei zugänglichen WLAN ist es wie mit Schokolade: Die meisten Menschen können nicht widerstehen. Einer Studie zufolge halten es 46 Prozent der Befragten nur wenige Minuten aus, bevor sie sich in einem Hotel oder Café ins WLAN einzuloggen versuchen. Dabei gebe es enorme Sicherheitsrisiken, warnt Julian Graf, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. Gerade im Urlaub ist Vorsicht angesagt!

Dienstag, 18.07.2017, 15:07 Uhr

Vorsicht, Falle! : Wie Sie sich vor Datenklau im Gratis-WLAN schützen können
Freies Surfen im öffentlichen WLAN ist eine komfortable Sache. Verbraucherschützer warnen allerdings vor Risiken. Foto: Imago

Im „Norton Wifi Risk Report“, einer globalen Studie im Auftrag des Sicherheitsspezialisten Symantec , haben mehr als 70 Prozent der Befragten angegeben, dass für sie ein frei zugängliches WLAN ein entscheidender Faktor bei der Auswahl eines Hotels oder Ferien-Appartements sei. 55 Prozent würden einen Drei-Minuten-Werbespot angucken, Apps unbekannter Herkunft herunterladen oder sogar persönliche Daten preisgeben, wenn sie dafür gratis auf eine WLAN-Verbindung zugreifen könnten. Immerhin 60 Prozent halten ihre persönlichen Daten im öffentlichen Netz für sicher. Doch das ist ein Irrglaube.

 „Woher wissen Sie, dass der Hotspot-Betreiber derjenige ist, von dem Sie denken, dass er es ist?“, fragt Julian Graf von der Verbraucherzentrale . Jeder könne im Handumdrehen zum WLAN-Betreiber werden - auch Kriminelle. Ist dieser WLAN-Zugang unverschlüsselt, „sind Ihre Daten von Dritten ganz einfach einsehbar“.

Freies WLAN: Vorsicht, Falle!

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  • Immer öfter können Besucher selbst in Straßencafés auf frei zugängliches WLAN zugreifen. Im „Norton Wifi Risk Report“ gaben 43% der Befragten an, für sie sei freies WLAN gar „ein wesentliches Entscheidungskriterium“ für die Wahl eines Restaurants oder Cafés.

    Foto: Imago
  • Der Zugang zum Netz ist seit Wegfall der Störerhaftung meist denkbar einfach – Registrierung oder Passwort sind nicht mehr erforderlich. Allerdings...

    Foto: Imago / zerocreatives
  • ...ist Vorsicht geboten: Im freien, unverschlüsselten WLAN seien Daten leicht auch für Dritte einsehbar, warnt die Verbraucherzentrale NRW.

    Foto: Imago / Jo Kirchherr
  • Gut lachen hat dabei nur, wer ein paar Grundregeln beachtet: Im frei zugänglichen WLAN niemals sicherheitsrelevante Daten oder Informationen verschicken!

    Foto: Imago
  • Online-Banking nur im sicheren Netz, niemals in einem Café erledigen!

    Foto: Imago / Kike Arnaiz
  • Vorsicht bei kryptischen Hotspot-Namen oder mehreren, ähnlich lautenden WLANs an einem Ort!

    Foto: Imago
  • Laut „Norton Wifi Risk Report“ glauben 60 Prozent der mehr als 15.000 Befragten in 15 Ländern, ihre persönlichen Daten seien im öffentlichen Gratis-WLAN sicher. Doch das ist ein Trugschluss...

    Foto: Imago
  • ...mit professionellen Tools können auch Mitbenutzer desselben WLANs die Daten anderer Teilnehmer abgreifen. Je mehr Menschen denselben Hotspot nutzen, desto größer ist die Gefahr des Missbrauchs, warnen Experten

    Foto: Imago / Jo Kirchherr

 

Seine Tipps fürs sichere Surfen:

  •  „Machen Sie eine WLAN-Diät“ - beschränken Sie sich im offenen WLAN nur auf einfaches Surfen im Internet. Loggen Sie sich nirgends ein, geben Sie keine Passwörter ein.
  • „Deaktivieren Sie das automatische Einwählen in offene Hotspots. Suchen Sie die WLAN-Verbindung besser manuell aus“, so Graf.
  • Nutzen Sie sichere, verschlüsselte Websites - gekennzeichnet durch „https“ in der Adresszeile des Browsers und meist durch ein grünes Vorhängeschloss links daneben.
  • Operieren Sie niemals ungeschützt mit Ihren Bankdaten. Julian Graf: „Überlegen Sie vorher: Was sind Daten oder Infos, von denen Sie unter keinen Umständen möchten, dass Dritte sie sehen?“ Nutzen Sie gegebenenfalls einen abgeschotteten „VPN-Tunnel“ zum verschlüsselten Transport Ihrer Daten. Beim Einrichten helfen Programme wie Cyberghost (teils kostenpflichtig).
  • Seien Sie vorsichtig bei kryptischen Hotspot-Namen oder bei mehreren, ähnlich lautenden WLANs an einem Ort und vergewissern sich im Zweifel durch Nachfragen, ob der Betreiber seriös ist. 
  • Wenn Sie, beispielsweise in einem Café, die Wahl zwischen einem verschlüsselten und einem freien WLAN haben, „fragen Sie den Betreiber nach dem Zugang zum verschlüsselten. Das ist immer die bessere Alternative“, sagt Graf.
  • Nutzen Sie, beispielsweise auf Apple- oder Android-Smartphones, keine veralteten Betriebssysteme.
  • Im Zweifelsfalle gilt, lieber auf das mobile Datennetz als auf eine ungesicherte WLAN-Verbindung zurückzugreifen. Seit dem Wegfall der Roaming-Gebühren sind die Kosten dafür auch im EU-Ausland überschaubar.
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Mehr freie Hotspots 

Seit dem Wegfall der so genannten „ Störerhaftung “ kann jeder Deutsche sein WLAN öffentlich machen, ohne selbst haftbar gemacht zu werden, falls Nutzer illegale Inhalte aus dem Internet abrufen. Damit wird die Zahl offen zugänglicher WLAN-Hotspots, beispielsweise in Cafés oder an Bahnhöfen auch hierzulande weiter steigen Für die Nutzer bedeuten freie Hotspots einen schnellen und oft kostenfreien Weg ins Internet – ohne Registrierung und Eingabe eines Passwortes. Aber Achtung beim Kleingedruckten: Ein britisches Unternehmen hat gerade wieder demonstriert, wie arglos die Nutzer AGB akzeptieren. Ohne genauer hinzuschauen verpflichteten sie sich zum Putzen öffentlicher Toiletten . . .

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