Spielerproteste
US-Sportler stellen sich gegen Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump wird von fast allen Seiten aus dem US-Sport für seine Attacken gegen NFL-Profis und deren Protest gegen soziale Ungleichheit kritisiert. Trump verteidigt seine Aussagen.

Montag, 25.09.2017, 15:09 Uhr

Spielerproteste: US-Sportler stellen sich gegen Präsident Trump
Terrence Smith, Eric Fisher, Demetrius Harris und Cameron Erving von den Kansas City Chiefs gehen vor ihrem NFL-Spiel gegen die Los Angles Chargers auf die Knie. Während der Nationalhymne protestierten sie damit gegen US-Präsident Donald Trump. Foto: dpa

Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und den US-Sportstars geht weiter. Immer mehr NFL-Spieler beteiligten sich am Sonntag (Ortszeit) vor ihren Partien an den Nationalhymnen-Protesten gegen soziale Ungerechtigkeit und reagierten damit auch auf die verbalen Attacken von Trump.

Sportlicher Gegenwind für Trump

Auch Trainer, Funktionäre und Sportler aus anderen US-Profiligen stellten sich gegen Trump und dessen umstrittenen Äußerungen am Wochenende. Dieser verteidigte seine Aussagen. Seine Angriffe gegen NFL-Topspieler, die sich weigern, während der Nationalhymne zu stehen, hätten nichts „mit Rassen oder irgendetwas anderem zu tun“, sagte der Republikaner am Sonntag vor Journalisten. „Das hat etwas mit Respekt für unser Land zu tun und mit Respekt für unsere Fahne.“ Er glaube, dass die Teambesitzer „etwas dagegen tun sollten“.

Vor den NFL-Partien am Sonntag gingen knapp 200 Spieler aus der amerikanischen Football-Liga beim Abspielen der US-Nationalhymne auf die Knie oder blieben auf der Spielerbank sitzen. Drei Teams kamen erst nach der Hymne aus ihren Umkleidekabinen. Ein Großteil der Spieler zeigte sich als geschlossene Einheit an den Seitenlinien der 14 Spielstätten von London bis Los Angeles. Noch vor einer Woche hatten sich nur sechs NFL-Spieler an den Protesten beteiligt.

US-Sportler stellen sich gegen Trump

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  • Die Tennesse Titans und Seattle Seahawks blieben der Eröffnungszeremonie und Nationalhymne aus Protest fern.

    Foto: Frederick Breedon
  • Basketball-Superstar LeBron James empörte sich über Aussagen von Trump, der einige US-Sportler als „Hurensöhne“ bezeichnete.

    Foto: Leah Klafczynski
  • Sean Payton, Trainer des NFL-Teams der New Orleans Saints über Trump: „Ich will, dass dieser Kerl einer der klügeren Menschen im Raum ist, und es scheint, wie jedes Mal, wenn er seinen Mund aufmacht, ist es etwas, das unser Land teilt und nicht zusammenführt.“

    Foto: GRANT HALVERSON
  • Basketballer Stephen Curry weigerte sich zum Besuch zu Donald Trump ins Weiße Haus zu gehen. Trump lud die Golden State Warriors daraufhin beleidigt aus.

    Foto: Marcio Jose Sanchez
  • Michael Jordan (hier mit dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama) sagte zu den Protesten gegen Trump: „Eines unserer grundlegenden Rechte, auf das dieses Land gegründet ist, war die Freiheit der Sprache, und wir haben eine lange Tradition des gewaltfreien, friedlichen Protests. Diejenigen, die dieses Recht friedlich ausüben, sollten nicht verteufelt oder verdammt werden.“

    Foto: imago sportfotodienst
  • Terrence Smith, Eric Fisher, Demetrius Harris und Cameron Erving von den Kansas City Chiefs gehen vor ihrem NFL-Spiel gegen die Los Angles Chargers auf die Knie. Während der Nationalhymne protestierten sie damit gegen US-Präsident Donald Trump.

    Foto: Sean M. Haffey
  • Donald Trump lässt seinen Frust über die Proteste derzeit auf Twitter ab.

    Foto: J. Luis Cuesta
  • Das Frauen-Basketball-Team der Los Angeles Sparks kam bei einem Finalspiel bei der Hymne nicht aufs Spielfeld.

    Foto: Christian Petersen
  • Justin Houston (Kansas City Chief) protestiert ebenfalls auf Knien.

    Foto: Sean M. Haffey
  • Ihm tuen es einige Spieler des NFL-Temas Detroit Lions gleich.

    Foto: Rey Del Rio
  • Spieler der Tampa Bay Buccaneers und der....

    Foto: Hannah Foslien
  • Oakland Raiders verliehen ihrem Unmut über Trump ebenfalls Ausdruck.

    Foto: KEVIN DIETSCH

Beim Spiel zwischen den Tennessee Titans und den Seattle Seahawks weigerten sich beide Mannschaften, vor dem Ende der Nationalhymne das Spielfeld zu betreten. „Wir werden für die Ungerechtigkeit, die farbige Menschen in diesem Land erfahren, nicht stehen“, schrieben die Profis der Seahawks in einer Mitteilung. Man verbünde sich, „um gegen die vorzugehen, die uns unsere grundlegenden Freiheiten verbieten wollen“.

Präsident spricht von "Hurensöhnen"

New Orleans Saints Trainer Sean Payton ging nach dem ersten Saisonsieg seiner Mannschaft gegen die Carolina Panthers den US-Präsidenten am härtesten an. „Ich will, dass dieser Kerl einer der klügeren Menschen im Raum ist, und es scheint, wie jedes Mal, wenn er seinen Mund aufmacht, ist es etwas, das unser Land teilt und nicht zusammenführt.“ Einige Spieler nahmen auch Bezug auf Trumps Äußerung, der die protestierenden Sportler als „Hurensöhne“ bezeichnet hatte. „Ich bin der Sohn einer Königin“, sagte Grady Jarrett von den Atlanta Falcons. Sein Kollege Dean Jackson von den Tampa Bay Buccaneers nannte Trumps Beschimpfung eine „eklatante Respektlosigkeit“.

Knapp neun Stunden nach dem Spiel im Londoner Wembley Stadion meldete sich Trump erneut zu Wort. „Sportfans sollten es niemals dulden, wenn Spieler nicht für ihre Nationalhymne oder ihr Land stehen. Die NFL sollte ihre Regel ändern!“, erklärte der US-Präsident. Es war sein zwölfter Tweet zur Protestbewegung im US-Sport innerhalb von 36 Stunden. Auch wenn sich Spieler, Teambesitzer und Liga-Funktionäre geschlossen gegen Trump stellten, auf den Zuschauerrängen gingen die Meinungen weit auseinander. In einigen Stadien gab es Buhrufe für die protestierenden Spieler, in anderen Applaus.

Politik gefragter als Sport

Die verbale Auseinandersetzung zwischen Trump und den Spielern der wirtschaftsstärksten Liga der USA hat sich längst auf andere Sportarten ausgedehnt. Vor dem ersten Finalspiel der Frauen-Basketball-Liga WNBA verließen die Los Angeles Sparks beim Ertönen der Nationalhymne die Arena. Die Minnesota Lynx blieben in der Halle, die Spielerinnen hakten sich jedoch als Zeichen der Solidarität unter. Zu Beginn der gemeinsamen Vorbereitung auf die Saison in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga mussten sich Spieler, Trainer und Funktionäre bei den Medienterminen mehr mit Politik als mit ihren sportlichen Ambitionen auseinandersetzen. Der Besitzer der Charlotte Hornets, der frühere NBA-Superstar Michael Jordan, zeigte sich ebenfalls solidarisch mit den NFL-Spielern. „Eines unserer grundlegenden Rechte, auf das dieses Land gegründet ist, war die Freiheit der Sprache, und wir haben eine lange Tradition des gewaltfreien, friedlichen Protests“, sagte er. „Diejenigen, die dieses Recht friedlich ausüben, sollten nicht verteufelt oder verdammt werden.“

Trump hatte zuletzt die traditionelle Einladung für NBA-Meister Golden State Warriors ins Weiße Haus zurückgezogen und Warriors-Superstar Stephen Curry angegriffen. LeBron James, Star der Cleveland Cavaliers, unterstützte Curry und charakterisierte den Präsidenten auf Twitter als „Penner“. Zudem fügte er hinzu, dass der „Besuch im Weißen Haus eine Ehre war, bis Du aufgetaucht bist“.

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