Bezahlte Botschaften
Wie Influencer mit Youtube und Co. Geld verdienen

Münster -

Das Produkt in die Kamera halten und loben – mit solchen Aktionen verdienen immer mehr Influencer Geld. Für einige wenige ist es ein Vollzeitjob, für viele ist das ein kleiner Nebenverdienst. Auch aus dem Münsterland schicken Influencer ihre Botschaften über die sozialen Netzwerke in die Welt.

Dienstag, 19.12.2017, 09:10 Uhr

Beauty-Produkte, Kleidung, aber auch Lebensmittel: Immer mehr Influencer verdienen mit Produktvorstellungen in sozialen Netzwerken wie der Video-Plattform Youtube Geld ...
Beauty-Produkte, Kleidung, aber auch Lebensmittel: Immer mehr Influencer verdienen mit Produktvorstellungen in sozialen Netzwerken wie der Video-Plattform Youtube Geld ... Foto: colourbox.de

Namen wie Bibi oder Julien Bam lösen bei Jüngeren regelmäßig Ohnmachtsanfälle aus. Beide gelten als Influencer, ihre Arbeit wird immer häufiger thematisiert. Auch aus dem Münsterland schicken Influencer ihre Botschaften über die sozialen Netzwerke in die Welt.

Ein Beispiel ist das Online-Magazin „Daddylicious“ des Münsteraners Mark Bourichter und seines Kumpels Kai Bösel, bei dem sich alles ums Dasein als Vater dreht. Die Bedeutung sozialer Netzwerke ist dabei für Bourichter klar: „Um Reichweite aufzubauen, sind soziale Netzwerke nicht mehr wegzudenken, ein Blog ohne soziale Netzwerke ist ein toter Blog.“

Typische Influencer-Karrieren

Andere Influencer im Münsterland haben die „klassische“ Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen im Blick. Die gebürtige Drensteinfurterin und Wahl-Berlinerin Jana Walter spricht die Zuschauer auf ihrem Youtube-Kanal „janasdiary“ mit Beiträgen über ihren Alltag oder Mode an.

Eine ganz besondere Erfolgsgeschichte ist die von „Lia und Alfi“: Regelmäßig versorgt die 2005 geborene Lia Beckmann aus Lienen ihre Youtube-Abonnenten mit Videos über Pferd Alfi und das Reiten.

Deutschlandweit entwickeln sich Influencer-Karrieren ähnlich: Sind sie nicht vorher schon prominent, beginnen sie auf einem eigenen Blog, Youtube-Kanal oder sozialen Netzwerk Beiträge zu teilen und werden dadurch bekannter. Ihre Aktivitäten begleiten sie häufig auch in anderen sozialen Netzwerken wie Instagram.

Influencer

Das Wort „Influencer“ kommt vom englischen Verb to influence, im Deutschen „beeinflussen“ bedeutet. Influencer senden ihre Botschaften über die sozialen Netzwerke in die Welt. Wer so ein großes Publikum erreicht, egal ob Promi oder Laie, wird zum gefragten Werbeträger.

Die Zahl potenzieller Influencer ist groß: Einer Studie der Hochschule Macromedia von 2014 zufolge zählen rund 4,6 Millionen Social-Media-Nutzer in Deutschland dazu. Sie sind täglich in den sozialen Medien aktiv, sehr markenaffin und ihre Meinung zu Marken wird geschätzt: Sie werden als Marktkenner eingestuft.

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Empfänglich für Empfehlungen

Je mehr Anhänger ein Influencer online vorweisen kann, desto interessanter wird er als Werbefigur. Gerade junge Anhänger sind empfänglich für die Empfehlungen ihrer Vorbilder, deren Vorteil ihre Glaubwürdigkeit und Nähe zu den Nutzern sind. Sie haben den direkten Kontakt zu ihren Anhängern, die häufig eine homogene Gruppe bilden und durch Werbung gezielt angesprochen werden können. Damit verdienen immer mehr Influencer Geld – für viele ist das ein kleiner Nebenverdienst so wie für Bourichter, für einige wenige ist es ein Vollzeitjob.

Mark Bourichter mit seinem Sohn

Mark Bourichter mit seinem Sohn Foto: Raimar von Wienskowski

Interessierten Firmen bieten Influencern dafür entsprechende Werbepakete: Als Werbestrategie gewinnt Influencer-Marketing zunehmend an Bedeutung. „Influencer einzusetzen in der Markenkommunikation ist, glaube ich, nicht mehr wegzudenken“, meint Bourichter, der hauptberuflich in einer Agentur arbeitet.

1000 Euro pro Artikel

Über die Summen schweigen die Akteure gern. Bourichter ist da offener: „Wir nehmen in der Regel für eine bezahlte Kooperation um die 1000 Euro. Das beinhaltet einen Artikel auf der Internetseite inklusive einer Ankündigung bei Facebook, Insta­gram und Twitter.“

Dabei wird Influencern immer häufiger Schleichwerbung vorgeworfen. Erste Gerichtsurteile zeigen, dass eine eindeutige Kennzeichnung notwendig ist. Bourichter hält das schon aus Eigeninteresse für wichtig: „Wenn wir für irgendwas bezahlt werden auf unserem Blog, dann wird das gekennzeichnet. Das machen wir auch, wenn wir mit Unternehmen sprechen, ganz klar. Wir lassen uns in unsere Redaktion nicht reinreden. “

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