Phänomen Videospiele
Das Geheimrezept für den „Suchtfaktor“

Das Essen ist angebrannt, der beste Freund wartet stundenlang auf eine Antwort und eigentlich wollte man sowieso längst auf der Arbeit sein: Jeder, der schon einmal in einer Partie „Candycrush“, „Tetris“ oder „Angry Birds“ versunken ist, kann ein Lied davon singen, wie Videospiele dafür sorgen, dass die reale Welt in Vergessenheit gerät. Aber warum können wir manche Spiele einfach nicht zur Seite legen?

Montag, 22.01.2018, 16:01 Uhr

Phänomen Videospiele : Das Geheimrezept für den „Suchtfaktor“
Foto: dpa (Symbolbild)

In der psychologischen Forschung ist man sich längst einig, dass Videospiele absolute Alleskönner sind - und zwar in der Befriedigung unserer inneren Grundbedürfnisse. Spielehersteller machen sich dieses Wissen zu Nutzen und statten ihre Produkte ganz bewusst mit dem gewissen „Suchtfaktor“ aus. Psychologe Christopher Gröning von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erklärt, warum uns die digitale Welt fasziniert und fesselt.

Herausforderungen als Schlüssel zum Erfolg

Wieder und wieder wird das Spiel neugestartet, stundenlang werden Zeit und Nerven investiert, und wozu das alles? Um endlich das nächste Level zu erreichen. Schuld daran ist das sogenannte Kompetenzbedürfnis. „Jeder kennt das positive Gefühl, eine Sache besonders gut gemeistert zu haben“, erläutert Gröning. „Anders als im Alltag bekommt man in Spielen kontinuierlich Feedback über die Leistung, zum Beispiel durch Punkte oder Ranglisten. Gute Spiele schaffen es, den Schwierigkeitsgrad optimal an unsere Fähigkeiten anzupassen. Das beschert uns ein optimales Erfolgserlebnis.“

Der besondere Autonomie-Kick

Die zweite zentrale Zutat im Geheimrezept der Spielehersteller ist laut Gröning Autonomie. „Wir möchten am liebsten immer die Wahl haben und selber entscheiden, was wir tun. Autonomie bietet die Chance, sich für die Handlungen zu entscheiden, die am meisten Spaß machen.“ Wenn der nächste Abgabetermin beim Chef näher rückt, bleibt einem wie auch in vielen anderen Alltagssituation nichts anderes als konzentriertes Arbeiten übrig. Die digitale Welt bietet uns den besonderen Autonomie-Kick: „In Spielen gibt es viele Möglichkeiten ein Problem zu lösen. Ist ein Gegner zu schwierig, kann man in der Regel viele Strategien ausprobieren um ans Ziel zu gelangen“, so Gröning.

In kaum einer modernen Spiele-App mangelt es an der Möglichkeit, Freunde direkt zum Mitspielen einzuladen. Laut Gröning steckt dahinter mehr als das bloße Ringen um Downloads: „Als Teil einer sozialen Gruppe fühlen wir uns stärker und sicherer.“ Denn Verbundenheit ist das dritte zentrale innere Bedürfnis, das unser Leben von klein auf bestimmt.  „Die soziale Vernetzung geht in der digitalen Welt viel schneller als in der Realität. In einem Online-Spiel sind Freunde schnell gefunden. Auf dem Sportplatz genug Leute für eine Runde Fußball zu finden ist deutlich aufwendiger“, erläutert Gröning.

Experte gibt Entwarnung

Trotz des umgangssprachlichen „Suchtfaktors“, dem wohl jeder Spielefan schon einmal begegnet ist, gibt der Experte aber Entwarnung: „Erst wenn wichtige Verpflichtungen vernachlässigt werden und man es trotz ernsthafter Versuche nicht mehr schafft, den Videospielkonsum herunterzufahren, besteht Grund zur Sorge.“

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