Bewerbung um CDU-Vorsitz
Internet-Video polarisiert: 70 Sekunden Spahn-Show

Münster/Berlin -

Schnell war Jens Spahn schon mit seiner Kandidatur. Kurz nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wochenbeginn den Rückzug als CDU-Chefin angekündigt hatte, hat der Bundesgesundheitsminister seinen Hut schon in den Ring geworfen. Jetzt legt der Jüngste unter den Bewerbern mit einem Videospot bei Twitter und Facebook nach – und findet nicht nur Unterstützung.

Freitag, 02.11.2018, 13:39 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 02.11.2018, 11:43 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 02.11.2018, 13:39 Uhr
Bewerbung um CDU-Vorsitz: Internet-Video polarisiert: 70 Sekunden Spahn-Show
Jens Spahn will neuer CDU-Parteichef werden. Foto: dpa

Gerade einmal drei Tage hat der Ahauser CDU-Politiker gebraucht, um den 70-Sekunden-Videoclip zu produzieren. Schnelle Bildschnitte von Spahn unterwegs in Berliner Kulisse unterlegt mit treibenden Beats, eingeblendete Schlagworte und dazu die Ansage des 38-Jährigen: „Die CDU ist das Herz unserer Demokratie. Wir haben zugelassen, dass dieses Herz an Kraft verliert.“ Unverhohlener kann man kaum der CDU-Bundesvorsitzenden vorwerfen, sie habe der Partei geschadet.

Neuer Kurs gefordert

Der profilierte Merkel-Kritiker fordert einen anderen Kurs für die Christdemokraten. Seine Schlagworte fasst er plakativ - „tolerant, aber nicht naiv“ oder „pragmatisch, aber nicht beliebig“. Es ist eine kurze knappe Spahn-Show, mit der er nicht nur in die eigene Partei zielt, sondern ebenso darüber hinaus.

Und es ist nicht sein einziger Vorstoß: In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wird der Bundesgesundheitsminister konkreter, stellt den Umgang mit Migration als essenzielles Thema für die CDU ins Zentrum: Nur wenn die Partei Lösungen liefere, bleibe ihr ein Bruch mit den eigenen Anhängern wie bei der SPD nach der Agenda 2010 erspart. Das sei dann kein Rechtsruck. „Es geht um gesunden Menschenverstand, um bürgerliche Werte und lebensnahe Lösungen – und ja, auch um neue Ehrlichkeit.“

Jens Spahn: Karriere in Bildern

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  • Der ehrgeizige Gesundheitsminister Jens Spahn aus dem westfälischen Ahaus hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder als konservativer Kritiker der Kanzlerin profiliert. Nun zählt auch er zu den potenziellen Nachfolgern der Kanzlerin.

    Foto: CDU
  • Erst im März 2018 übernahm Jens Spahn das Gesundheitsministerium von Hermann Gröhe und wurde damit jüngster Minister in Merkels Kabinett. Es ist die bisher höchste Karrierestufe des Jungkonservativen.

    Foto: dpa
  • Nach sechs Jahren als gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und zweieinhalb Jahren als parlamentarischer Finanz-Staatssekretär rückt Spahn in die erste Reihe auf. In der Vergangenheit brachte sich Spahn nicht nur als geschicktester Merkel-Kritiker in den eigenen Reihen in Stellung. Er tummelte sich auch auf gesellschaftspolitischen Feldern, die mit seinen offiziellen Politikbereichen wenig, mit dem gefühlten Stimmungen im Land und dem erwünschten konservativen CDU-Kurs aber um so mehr zu tun haben.

    Foto: Soeren Stache
  • So forderte das CDU-Präsidiumsmitglied ein Islamgesetz etwa gegen «Import-Imame», die von der Türkei geschickt würden und eine reaktionäre Ausprägung ihrer Religion in Deutschland verankern wollten. Statt nach den langen Tagen mit der SPD den von ihm mitverhandelten Koalitionsvertrag zu erklären und verteidigen, reiste er tags drauf zum Wiener Opernball und suchte die Nähe zu Österreichs jungkonservativem Kanzler Sebastian Kurz, der so etwas wie ein politisches Gegenbild zu Merkel ist und für einen harten Flüchtlingskurs steht.

    Foto: dpa
  • Einigermaßen spektakuläre Einlassungen und Vorstöße mit Überraschungseffekt gehören zu Spahns Karriere seit Jahren dazu. Als 2008 die damalige große Koalition eine Rentenerhöhung beschlossen hatte, wertete der Jungpolitiker das «Wahlgeschenk an die Rentner» und löste eine Empörungswelle aus. 

    Foto: dpa
  • Ob er ein Verbot von Schönheitsoperationen bei Jugendlichen forderte oder die Trennung in gesetzliche und private Krankenversicherung als «nicht mehr zeitgemäß» kritisierte - Aufmerksamkeit war ihm gewiss.

    Foto: Carsten Rehder
  • Persönlich ist der großgewachsene Mann mit modischer Brille gewinnend, freundlich. Mühe, sein Selbstbewusstsein zu verbergen, gibt er sich wenig. Immer wieder ist er mit Schwulenfeindlichkeit konfrontiert. Er  heiratete seinen Lebenspartner, den Journalisten Daniel Funke. Unpassende Bemerkungen konterte er immer wieder lässig. Gleichzeitig bemängelte er auch, dass Schwulenhass von Flüchtlingen tabuisiert werde, angeblich aus einem krudem «Multi-Kulti-Wohlfühldasein» heraus.

    Foto: Robert Schlesinger
  • Verwurzelt ist Spahn in Ahaus, wo er Abitur machte, einem Kreisverband der Jungen Union vorsaß und zehn Jahre Mitglied in einem Stadtrat war. 

    Foto: Kay Nietfeld
  • Ein bisschen Gegenwind bekam der gelernte Bankkaufmann vergangenes Jahr wegen seiner  Beteiligung an einem Startup, das günstige Bearbeitungen von Steuererklärungen im Internet anbietet. SPD und Grüne warfen ihm einen Interessenkonflikt vor, weil er als Finanzstaatssekretär für solche Firmen zuständig sei und einen staatlichen Zuschuss erhalten habe. 

    Foto: Kay Nietfeld
  • Ob Spahn als Merkels Nachfolger eine Chance hat? Ihm wird parteiintern angekreidet, dass er mit Äußerungen etwa in der Flüchtlingspolitik zu stark polarisiert habe. Wer als Kandidat die Mehrheit eines Parteitages auf sich vereinen wolle, müsse alle Flügel integrieren, sagen Kritiker. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Starker Tobak für den beginnenden Wahlkampf innerhalb der CDU. Spahn versucht damit vor allem, gegen seinen ebenfalls auf dem konservativen Flügel antretenden Herausforderer Friedrich Merz das Wasser abzugraben. Zumindest in Sachen Internet-Marketing hat Spahn die Nase vorn. Von Merz ist dort noch nichts zu sehen.

Widerspruch von Laschet

Scharfen Widerspruch erntet Spahn allerdings von NRW-Ministerpräsident und CDU-Landeschef Armin Laschet. In die Richtung  von Merz und Spahn warnt er in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ vor einem Rechtsruck in der CDU, das sei der falsche Weg. Dass Spahn sich mit der Debatte über die die Aufnahme von Flüchtlingen profilieren will, rügt Laschet: „Ich halte es jedenfalls für einen Fehler, auch aktuell wieder den Eindruck zu erwecken, die Migration sei das größte aller Probleme. Diese Analyse ist sachlich und politisch falsch und schadet.“

Aus Spahns Sicht hingegen ist dies das Thema, durch das er als Sprachrohr der Konservativen in der CDU an Einfluss gewonnen hat. Diese Karte spielt er jetzt aus.

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