Alles über den LTE-Nachfolger
Turbo-Netz 5G gilt als Zukunft des Internets

Mit 5G sind viele Hoffnungen verknüpft. Hier ein Überblick über ein Thema, mit dem Deutschland in Sachen mobiles Internet auf die Überholspur kommen könnte - oder auch nicht.

Samstag, 01.12.2018, 11:07 Uhr aktualisiert: 01.12.2018, 17:50 Uhr
Alles über den LTE-Nachfolger: Turbo-Netz 5G gilt als Zukunft des Internets
5G gilt als mobiles Internet der Zukunft. Der flächendeckende Ausbau wird in Deutschland aber erst einmal noch nicht kommen. Foto: dpa

Was genau ist 5G?

Das Kürzel steht für 5. Mobilfunkgeneration. Die vierte Generation, bekannt als LTE, startete 2010. Nun also der nächste Sprung. Ein Downloadtempo von zehn Gigabit pro Sekunde könnte erreicht werden und damit grob gesagt 100 Mal schneller als bei gutem LTE-Download. Wichtig ist auch die Latenzzeit, die Verzögerung bei der Übertragung. Die könnte nur bei einer Millisekunde liegen und damit fast in Echtzeit.

Warum ist die Technologie so wichtig?

Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sichern. Bisher ist Deutschland in Sachen schnelles Internet hinten dran, mit dem neuen Standard soll das anders werden - die Bundesrepublik solle zum „Leitmarkt“ für 5G werden, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. 5G betrifft viele Branchen: Autobauer setzen auf autonom fahrende Pkw und Lkw, die auch dank 5G-Datenübertragung genau Bescheid wissen über das Glatteis in der nächsten Kurve.

Was haben die privaten Verbraucher davon?

Zumindest zur Startphase recht wenig. Zum einen gibt es noch keine 5G-fähigen Smartphones. Zum anderen wären die Anforderungen der Verbraucher schon gut bedient, wenn das LTE-Netz besser ausgebaut wäre und es nicht bei der bestehenden Technologie so viele Funklöcher gäbe.

Auf einem Testgelände in Neuss steht bereits eine 5G-Mobilfunkstation.

Auf einem Testgelände in Neuss steht bereits eine 5G-Mobilfunkstation. Foto: dpa

Was hat der Beirat der Netzagentur festgelegt?

Die 32 Vertreter des Bundestags und der Bundesländerhaben Vergaberegeln für die Versteigerung der 5G-Frequenzen im Frühjahr 2019 festgelegt. Die Telekommunikationsunternehmen werden nicht gezwungen, ihre Netze für ein nationales Roaming zu öffnen. Sie werden allerdings von der Bundesnetzagentur verpflichtet, über eine technische und vertragliche Kooperation mit ihren Wettbewerbern zu verhandeln.

Wird 5G in Deutschland flächendeckend eingeführt?

Schnelles Internet überall - das klingt verlockend. Daher fordern Politiker verschiedener Couleur eine 5G-Abdeckung auch auf dem Land, damit sich auch dort Firmen ansiedeln. Aber ist ein flächendeckender Ausbau sinnvoll und bezahlbar? Absolut nicht, monieren die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica. Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WiK) drohen die Kosten für die Erfüllung strenger Auflagen den Wert der Frequenzen deutlich zu übersteigen. Anders gesagt: Die Sache würde zum Verlustgeschäft für die Telekommunikationsunternehmen.

Was schlägt die Bundesnetzagentur vor?

Die Bundesnetzagentur wählte einen Mittelweg zwischen Interessen der Politik und der Netzbetreiber: 98 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen bis Ende 2022 Zugang zu schnellem mobilen Internet bekommen, auch Autobahnen, Bund- und Landstraßen sowie alle Zugstrecken und wichtige Wasserstraßen sind in der Versorgungsverpflichtung mit drin. Allerdings: Es geht um eine Mindestübertragungsrate von 100 oder 50 MBit pro Sekunde. Das wäre auch mit LTE-Antennen machbar - also nicht so teuer für die Netzbetreiber.

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Foto: AFP

Gibt es sonst noch Streit?

Ja, und zwar zum „National Roaming“. Hierbei würden die Netzbetreiber als Platzhirsche dazu verpflichtet, Neueinsteigern wie United Internet (1&1) vorerst auf ihre Antennen zu nehmen - die Billig-Konkurrenz dürfte also Telekom- oder Vodafone-Anlagen nutzen, was deren vermeintliches Alleinstellungsmerkmal - ein gutes Netz in der Fläche - zunichte machen würde. Die Politik wertete National Roaming großteils positiv, da durch den Neueinsteiger mehr Wettbewerb entstünde und die Preise für die Verbraucher fielen, so das Kalkül. Die Netzagentur entschied sich aber dagegen und schreibt nur ein „Verhandlungsgebot“ in das Regelwerk. Verhandelt ein alteingesessener Netzbetreiber also nicht mit dem Neueinsteiger, könnte die Regulierungsbehörde intervenieren und Bußgelder verhängen.

Wie viel Geld spült die Auktion denn wohl in die Staatskassen?

Fünf Milliarden Euro könnte der Staat nach Einschätzung des Instituts Wik bei der Auktion einnehmen. Unvergessen sind die Einnahmen aus der Frequenzversteigerung im Jahr 2000 - umgerechnet mehr als 50 Milliarden Euro sackte der Bund damals ein. Experten sehen das im Rückblick als Beginn einer Misere, die sich nicht wiederholen sollte. Denn die Netzbetreiber hatten damals so viel Geld für die Lizenzauktion bezahlt, dass ihre Investitionen in das Netz selbst nicht allzu üppig ausfielen - und so entstanden Funklöcher, die mancherorts bis heute blieben.

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