Umsätze gehen zurück
Smartphone auf Abschiedstour?

Münster -

Ein Alltag ohne Smartphone? Unvorstellbar, aber möglicherweise bald Realität. Branchenkenner sind sicher: Das Ende naht.

Sonntag, 20.01.2019, 18:40 Uhr
Umsätze gehen zurück: Smartphone auf Abschiedstour?
Der Alltag ohne Smartphone ist für viele mittlerweile unvorstellbar. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Das Smartphone ist der technologische Mittelpunkt unseres Lebens, ein Beinah-Alleskönner, ohne den fast niemand mehr das Haus verlässt. Junge Erwachsene schauen einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge fast 60 Mal am Tag auf ihr Gerät, checken WhatsApp-Nachrichten, posten bei Instagram, navigieren mit GoogleMaps, surfen im Internet. 

An der Börse hat der einstige Überflieger Apple , dessen Flaggschiff iPhone vor zwölf Jahren die Ära des Smartphone-Booms einleitete, kräftig Federn gelassen. Der Kurs sank vom Spitzenwert 199 Euro im Oktober auf zuletzt rund 137 Euro pro Aktie. Erstmals seit gut einem Jahrzehnt hatte der Konzern seine Umsatzprognose nach unten korrigiert. Dafür gibt es vielfältige Gründe. Einer der offensichtlichsten: Weil sich neue Smartphones längst nicht mehr so fundamental von ihren Vorgängermodellen unterscheiden wie in früheren Generationen, sinkt die Bereitschaft der Kunden, regelmäßig in ein neues Handy zu investieren.

5G-Versorgung noch Zukunftsmusik

Noch viel gravierender dürften die Folgen des technologischen Fortschritts sein. Wenn eines Tages im „Internet der Dinge“ Geräte miteinander kommunizieren, smarte Datenbrillen mit Augmented Reality-Anwendungen digitale Daten in die echte Welt einbinden und sprechende Assistenten wie Alexa den Griff zum Smartphone überflüssig machen, verliert es seine Rolle als zentrales Steuerelement im digitalen Alltag.

Telekom-Technologievorstand Claudia Nemat prognostizierte bereits vor einigen Monaten im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wir werden unser Leben definitiv nicht mehr so an den Bedingungen des Smartphones ausrichten, wie wir es heute tun.“ Sie zeigte sich sogar überzeugt, dass das Handy in vielen Bereichen ersetzt werde. „Nicht heute, aber vielleicht in zehn Jahren.“

Smarte AR-Brille von Apple

Noch fehlt es, vor allem in Deutschland, an den Voraussetzungen für eine Rundum-Vernetzung und -Digitalisierung. Eine flächendeckende 5G-Versorgung, die auch als Voraussetzung für autonomes Fahren gilt, ist noch Zukunftsmusik. Smartphone-Hersteller wie Apple haben dennoch längst begonnen, neue Umsatzfelder zu erschließen. Seit Jahren investiert der Konzern in Augmented Reality (AR), die so genannte „Erweiterte Realität“. Sie werde die Technologie-Nutzung „für immer verändern“, wird Apple-Chef Tim Cook nicht müde in Interviews zu betonen.

Spätestens im kommenden Jahr, vermuten Insider, werde Apple eine smarte AR-Brille präsentieren, die keine Verbindung zu einem Smartphone benötigt. Sie habe das Zeug, den Markt ähnlich zu revolutionieren, wie es das iPhone vor zwölf Jahren tat.

Das Smartphone wird 20 Jahre alt

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  • Die Mutter aller Smartphones: 1996 kam der Nokia Communicator 9000 auf den Markt.

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  • Auf Konzerten (wie hier bei Cro) Alltag: Menschen, die aufs Handy-Display schauen - statt auf die Bühne.

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  • Gibt's hier was umsonst? Nee, ganz bestimmt nicht. Trotzdem harren iPhone-Fans mitunter stundenlang von Apple Stores aus, wenn ein neues Modell angeboten wird - wie hier 2004 in Hamburg das iPhone 5.

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  • Praktische Funktion: Mit speziellen Apps können Smartphones Naviationsgeräte ersetzen.

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  • Wer sein Handy liebt, der poliert . . .

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  • Längst wächst zusammen, was für viele zusammen gehört: Die Armbanduhr zeigt Handy-Inhalte an. Hier ein Samsung-Modell von 2013.

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  • 2011 noch aktuell: Blackberry-Smartphone von Research in Motion (RIM). 

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  • Praktisch, dennoch noch lange nicht bei allen Usern angekommen: QR-Codes. Sie lassen sich abfotografieren und führen direkt auf eine hinterlegte Internet-Seite.

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  • Das hat den Benzin-Markt unter Druck gesetzt: Spritpreis-Apps, mit denen Autofahrer schauen können, ob sie in der Nähe günstiger tanken können.

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  • Das war 2009 noch eine Nachricht wert: Beim zweiten Android-Smartphone haben HTC und Google auf eine Tastatur verzichtet. Alle Eingaben erfolgen über den Touchscreen. Uih!

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  • So sahen 2012 die neuesten Modelle von HTC aus.

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  • Für Urlaubsfotos und Erinnerungsvideos nutzen heute viele das Smartphone.

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  • Erinnert sich noch jemand an den HP iPAQ 214 Enterprise Handheld PC (links) von Hewlett-Packard (HP) und das Palm Pre Smartphone von Palm?

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  • Der Apple-Aktie verhalf das iPhone zum Aufschwung.

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  • Telefonieren am Steuer war früher: Heute checken Autofahrer häufig nebenbei auch Mails und Whatsapp-Nachrichten. Eine gefährliche Entwicklung.

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  • Strahlende Shopperin - eine Handy-App hilft bei der Naviation im Einkaufszentrum.

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  • "Generation Kopf unten": Fußgänger, die aufs Handy statt auf die Straße schauen, gehören längst zum Straßenbild.

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  • Kinder wachsen heute ganz selbstverständlich mit Smartphones auf - und seien es zunächst nur die der Eltern.

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  • Riesenandrang herrscht regelmäßig vor den Apple-Läden, wenn neue Geräte erscheinen - wie hier 2014 in Dresden.

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  • Neu und bunt - und nicht jedermanns Sache: Die Uhr von Apple.

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  • Steve Job, Chef von Apple, machte das Smartphone zum trendigen Kult-Objekt.

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