Kritik an Klimaaktivistin
Greta Thunberg wehrt sich gegen Hass

Mit ihrem Protest für den Klimaschutz ist Greta Thunberg bekannt geworden. In den sozialen Medien wird sie jetzt zunehmend mit Kritik konfrontiert. Dagegen setzt sich die 16-Jährige zur Wehr.

Dienstag, 05.02.2019, 17:18 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 19:32 Uhr
Kritik an Klimaaktivistin: Greta Thunberg wehrt sich gegen Hass
Für den Klimaschutz streikt Greta Thunberg nicht nur in ihrer Heimat Schweden, sondern auch beim Weltwirtschaftsforum. Mit einem emotionalen Appell hatte die 16-jährige Klimaaktivistin dort zu sofortigen Maßnahmen gegen den Klimawandel aufgerufen. Foto: dpa

Sie sei altklug, verhaltensgestört und besessen von der Idee, die Welt zu retten: Greta Thunberg schlägt in den sozialen Medien immer mehr Hass entgegen. Die 16-jährige Aktivistin aus Schweden geht seit Monaten freitags nicht zur Schule, um vor dem Parlament für den Klimaschutz zu demonstrieren. Mit einem langen Beitrag auf ihrer Facebook-Seite reagierte sie jetzt auf die zunehmende Kritik an ihrer Person.

Die Gerüchte und teils barschen Kommentare drehen sich um ihre Asperger-Diagnose und ihr junges Alter. Thunberg wird außerdem vorgeworfen, für ihr Engagement Geld anzunehmen. Sehr deutlich formuliert der deutsche Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel die Kritik an Thunberg. Er kommentierte Ende Januar auf Twitter ihren Einsatz für das Klima: „Ein 16-jähriges Mädchen, altklug und verhaltensgestört, von Untergangsphantasien verfolgt und von der Idee besessen, die Welt retten zu müssen, wird innerhalb weniger Wochen zur Ikone einer neuen Jugendbewegung. Mit dem Missbrauch Minderjähriger kennen sich die Grünen aus.“ Auch auf der Facebook-Seite der jungen Klimaaktivistin finden sich einige negative Kommentare.

Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik

1/29
  • Schüler und Studenten streiken am 18. Januar 2019 in der Innenstadt von Münster für eine nachhaltigere Klimapolitik.

    Foto: Oliver Werner
  • Nach Polizeiangaben folgten 400 bis 500 Teilnehmer dem Aufruf. Angemeldet hatten die Organisatoren 100 Demonstranten.

    Foto: Oliver Werner
  • Einige Schüler wurden von ihren Schulen freigestellt für die Zeit, die meisten mussten jedoch „schwänzen“, um an der Demo teilzunehmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Nach einer ersten Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt vor dem historischen Rathaus wurde die Kundgebung kurzerhand von der Polizei auf den Domplatz verlegt. Von dort zogen die Schüler zum Schlossplatz und wieder zurück zum Rathaus.

    Foto: Oliver Werner
  • Mit zahlreichen Plakaten forderten die Schüler und Studenten eine nachhaltigere Klimapolitik.

    Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Oliver Werner
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Pjer Biederstädt
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Pjer Biederstädt
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Pjer Biederstädt
  • Schüler und Studenten demonstrieren für nachhaltigere Klimapolitik Foto: Pjer Biederstädt

Sie zielen auch auf Greta Thunbergs Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, ab. Den Betroffenen fällt es schwer, mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Für ihre Diagnose werde sie oft angegriffen. In ihrem Facebook-Post schreibt sie: „Asperger ist keine Krankheit, es ist ein Geschenk.” Wenn sie „normal” wäre und ihr der Umgang mit fremden Menschen leichter fiele, hätte sie sich einer Organisation angeschlossen oder selber eine gegründet. Stattdessen beschloss sie, etwas alleine zu tun. Denn klar war: Sie wollte etwas tun. Thunberg entschied sich, vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren. Ein kleiner, aber wirkungsvoller Protest.

Ein weiteres Argument der Kritiker, mit dem Thunberg konfrontiert werde: Sie sei „nur ein Kind und wir sollten Kindern nicht zuhören“, schreibt sie bei Facebook. Ein Problem, das leicht zu lösen sei. Wenn man nicht ihr zuhören wolle, dann solle der Wissenschaft zugehört werden: „Ich sage nichts Neues. Ich sage nur, was die Wissenschaft seit Jahrzehnten wiederholt sagt.” Thunberg sei eigentlich zu jung für den Protest, da stimmt sie zu: „Wir Kinder sollten das nicht tun müssen.“ Aber da zu wenige etwas unternehmen, hätten die Kinder das Gefühl, mit ihrem Einsatz weiter machen zu müssen.

Ich bin absolut unabhängig und repräsentiere nur mich selbst.

Greta Thunberg

Thunberg widerspricht Gerüchten, demnach sie für ihr Engagement bezahlt werde: „Ich bin kein Teil irgendeiner Organisation.” Sie  unterstütze und kooperiere manchmal lediglich mit Nichtregierungsorganisationen. „Ich bin absolut unabhängig und repräsentiere nur mich selbst.” Sie habe auch kein Geld erhalten. Die 16-Jährige beteuert, dass es in Zukunft dabei bleiben werde. Die Idee, Geld für den Einsatz gegen den Klimawandel zu erhalten, findet sie absurd. Für die Tickets und Unterkünfte bei Reisen würden ihre Eltern zahlen.

Die waren anfangs gegen das Engagement ihrer Tochter. Als Thunberg ihren Eltern erzählte, dass sie einen Schulstreik für den Klimaschutz beginnen wolle, waren diese nicht begeistert. Unterstützen wollten sie den Teenager damals dabei nicht. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Familie hat gemeinsam ein Buch darüber geschrieben, wie Greta Thunberg und ihre Schwester Beata die Denkweise ihrer Eltern beeinflusst haben, vor allem was das Klima angeht.

Demonstrationen unter dem Motto #Fridaysforfuture

Im August 2018 begann Greta Thunberg mit ihrem Streik. Sie setzte sich vor das schwedische Parlament und verteilte Flyer mit Fakten zum Klimawandel und Gründen für ihren Streik. Die Idee dazu entstand nach ihrer Teilnahme am Schreibwettbewerb einer schwedischen Zeitung. Greta Thunberg war eine der Gewinnerinnen dieses Wettbewerbs. Sie durfte einen Artikel veröffentlichen, der ihr weitere mediale Aufmerksamkeit einbrachte. Unterschiedliche Menschen meldeten sich bei ihr. Thunberg trat mit verschiedenen Aktivisten in Kontakt. „Das Ziel war es, Ideen für neue Projekte zu entwickeln, die auf die Klimakrise aufmerksam machen", schreibt die Schwedin bei Facebook.

Thunberg gefiel die Idee eines Schultreiks. Sie versuchte, weitere junge Menschen davon zu überzeugen. Das gelang ihr zwar nicht, dennoch plante sie einen Streik für den Klimaschutz. Seitdem sitzt Greta Thunberg jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament. Alleine ist sie mittlerweile nicht mehr. Denn der Streik erregte weltweit Aufsehen. Schüler in vielen Ländern demonstrieren, um gemeinsam auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Auch in Deutschland demonstrieren Schüler unter dem Motto #Fridaysforfuture. In Münster nahmen zuletzt 2000 Schüler an einem Schulstreik teil. Von Kritik scheinen sie sich nicht aufhalten lassen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6372342?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F1604524%2F2268861%2F
Ist in Münster Platz für Lastenräder?
Pro & Contra: Ist in Münster Platz für Lastenräder?
Nachrichten-Ticker