„Spieglein, Spieglein“ – wie im Münster-Tatort
Auf der Suche nach unseren Doppelgängern

Münster -

Hauptkommissar Thiel, Professor Boerne und Staatsanwältin Klemm sind am Sonntag doppelt zu sehen. Den eigenen Doppelgänger kann man aber auch kennenlernen, ohne Teil des Münster-Tatort-Teams zu sein. 

Mittwoch, 13.03.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 15:09 Uhr
„Spieglein, Spieglein“ – wie im Münster-Tatort: Auf der Suche nach unseren Doppelgängern
Am Sonntag (17. März) wird wieder der Münster-Tatort ausgestrahlt Foto: dpa

Angeblich hat jeder Mensch bis zu sieben Doppelgänger – Menschen, die einem selbst zum Verwechseln ähnlich sehen, aber nicht zwangsläufig mit uns verwandt sind. Im neuen Münster-Tatort spielen die Doppelgänger eine wichtige Rolle: Sie sind die Opfer. Die Faszination, die es mit sich bringt, dem lebendig gewordenen Spiegelbild gegenüber zu stehen, sehen wir spätestens in Minute 61.

Finde deinen Doppelgänger

Die Vorstellung, dass es ein Duplikat von einem selbst geben könnte und man diesem gegenübersteht, ist für manche Menschen ein großer Reiz. Auch für Niamh Geaney und zwei ihrer Freunde. Geaney ist Mitbegründerin des Projektes „ Twin Strangers “ (fremde Zwillinge). Die Website gibt die Möglichkeit, weltweit nach dem eigenen Doppelgänger zu suchen.

So viel Münster steckt im neuen Münster-„Tatort”

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  • Frank Thiel (Axel Prahl, 1.v.l.) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, 2.v.r.) suchen im neuen Münster-„Tatort” nach einem Mörder, der Doppelgänger tötet - zum Beispiel von Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann, 2.v.l.) und Silke „Alberich” Haller (ChrisTine Urspruch, 1.v.r.) Neben Köln wurde selbstverständlich auch in Münster gedreht. Wie viel Münster ist bei den Ermittlungen zu sehen?

    Foto: picture alliance/Thomas Kost/WDR/dpa
  • Paulusdom und Promenade

    Hinter dem Dom wird eine Leiche gefunden, die Frank Thiel (Axel Prahl) kurz den Atem raubt: Liegt da seine Kollegin, die Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann)? Schnell kann er aufatmen: Es ist ihre Doppelgängerin. Vor Erleichterung muss Thiel kurz lachen - und landet damit prompt auf dem Titelblatt des „Westdeutschen Anzeigers”, der fälschlicherweise behauptet, die Leiche sei auf der Promenade gefunden worden.

    Foto: Oliver Werner
  • Kreuzigungsgruppe

    Die Leiche von Klemms Doppelgängerin, Hanne Siewers, wird direkt unter einem großen, bronzenen Kunstwerk gefunden, der „Kreuzigungsgruppe”. Seit 2004 steht das Kunstwerk von Bert Gerresheim an der Nordseite des Doms und soll das Golgatha-Geschehen zeigen. Allerdings sind nicht Jesu Jünger oder Maria zu sehen, sondern neben Jesus, hängend am Kreuz, Anna Katharina Emmerick, Schwester Maria Euthymia und Kardinal Clemens August Graf von Galen.

    Zudem finden sich ein Verweis auf Edith Stein sowie zerschlagene Zeichen und Embleme, die an dunkle Zeichen erinnern sollen, unter anderem das Hakenkreuz und der Judenstern. Ein wenig weiter entfernt sitzt der Wiedertäuferkönig Jan van Leiden.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jan-van-Leiden-Gesamtschule

    Thiel fragt Kommissar Mirko Schrader (Björn Meyer), der Kommissarin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) vertritt, an welcher Schule das Opfer Hanne Siewers gearbeitet habe. Schrader antwortet ihm, sie sei Sekretärin der Jan-van-Leiden-Gesamtschule gewesen.

    Diese gibt es natürlich nicht, doch es bringt die Geschichte der Stadt Münster ins Spiel. Denn  Jan van Leiden  war seit 1534 Herrscher und König des Täuferreichs in Münster, das sich in den 1530er Jahren, besonders unter van Leiden, zunehmend radikalisierte. Fürstbischof Franz von Waldeck eroberte die Stadt 1535 zurück.

    Foto: Holger Martsch
  • 1536 wurde Jan van Leiden gemeinsam mit zwei weiteren Wiedertäufern zu Tode gefoltert. Ihre Leichen wurden in eisernen Körben an die Lambertikirche gehängt. Dort befinden sie sich noch heute - als Mahmmal gegen Gewalt.

    Foto: Oliver Werner
  • Prinzipalmarkt

    Taxifahrer Herbert Thiel (Claus Dieter Clausnitzer), Frank Thiels „Vadder”, unterhält sich mit seinem Doppelgänger Fritz Mertens (Wolfgang Packhäuser) und zeigt ihm stolz seine neuen Visitenkarten, selbstverständlich im kitschigen Hippie-Stil.

    Im Hintergrund ist bei sonnigem Wetter der Prinzipalmarkt mit der Lambertikirche zu sehen. Es läuten sogar die Glocken, sodass das Münster-Klischee „Entweder es regnet, oder es läuten die Glocken” bedient ist. Von dort bekommt Herbert Thiel Kundschaft und weiß noch nicht, wen er da in seinem Taxi kutschiert.

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • JVA Münster

    Thiel und Boerne besuchen einen Mann in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde ab 1848 erbaut und gilt als zweitältestes Gefängnis Deutschlands. Im Juli 2016 musste es wegen vermuteter Baufälligkeiten geräumt werden.

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • Nach baulichen Veränderungen konnte das JVA-Gebäude zum Jahresbeginn 2018 wieder bezogen werden. 218 Häftlinge kamen dort unter. Am 23. Januar wurde nach vorheriger Suche bekannt, dass ein neues Gebäude im Stadtteil Wolbeck gebaut wird - 2024 soll es bezugsfertig sein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Wolbecker Brücke

    Silke „Alberich” Haller (ChrisTine Urpspruch) verschlägt es beim zweiten Opfer die Sprache, ...

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • ... denn sie kannte die getötete, ebenso kleinwüchsige Nicole Tiburcy aus der Eisdiele - und dann trug das Opfer auch noch Hallers Schal, als sie in den Kanal gestürzt wurde, dem Dortmund-Ems-Kanal. „Unweit der Wolbecker Brücke”, wie Boerne erklärt.

    Foto: Jan Hullmann
  • Hafen

    Verzweifelt und vor Angst, gefasst zu werden, zieht es Täterin Birgit Brückner (Kathrin Angerer) an den Hafen. Sie befindet sich dabei auf der Südseite und blickt auf die Osmo-Hallen auf der Nordseite, die seit Januar 2012 wegen Einsturzgefahr gesperrt sind; derzeit werden sie abgerissen. Auf dem Platz sollen Gebäude für Wohnungen, Büros und Restaurants entstehen. Ebenso zu sehen ist unter anderem der Turm der Herz-Jesu-Kirche.

    Foto: Luftbildkontor Fischer

Dem im Weg stehen nur die Registrierung auf der Website und das Hochladen eines biometrischen Bildes. „Twin Strangers“ verspricht, der schnellste Weg zu sein, um den eigenen Doppelgänger zu finden. Der Prozess kann beschleunigt werden, indem immer weiter Bilder zu dem eigenen Profil hinzugefügt werden. Sinn der ganzen Sache ist es, dann Kontakt zu dem vermeintlichen Zwilling aufzunehmen und sich zu treffen. Niamh Geaney hat mittlerweile drei Doppelgängerinnen gefunden: Karen aus Irland, Luisa aus Italien und Irene aus Irland.

Julia Roberts oder doch eher die Mona Lisa?

Auch an Ähnlichkeits-Apps mangelt es nicht. Ob man testen möchte, welchem Elternteil man ähnlicher sieht, welchem Promi oder sogar in welchem antiken Gemälde sich ein Doppelgänger versteckt, die Möglichkeiten sind schier grenzenlos.

Warum dieses Thema so präsent ist? Warum wir unbedingt eine Vervielfältigung von uns selbst sehen wollen? Boerne sagt, weil wir immer nach Mustern suchen.

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