"Trashtag-Challenge"
Netz-Herausforderung mit ernstem Hintergrund

Münster -

Zimt essen, Handy wegwerfen, über eine unsichtbare Box steigen: Challenges gab es im Internet in den vergangenen Jahren so einige. Jetzt wird Müll gesammelt. Damit scheint sich das Phänomen jedoch zu verändern - und einen ernsteren Hintergrund zu bekommen.

Sonntag, 17.03.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 17:00 Uhr
Müll sammeln, Fotos machen, im Netz posten: So funktioniert die „Trashtag-Challenge“. Rund um den Globus beteiligen sich junge Menschen – und schützen so die Umwelt.
Müll sammeln, Fotos machen, im Netz posten: So funktioniert die „Trashtag-Challenge“. Rund um den Globus beteiligen sich junge Menschen – und schützen so die Umwelt. Foto: dpa

Es ist ein Internet-Hit der vergangenen Jahre: Challenges. Vor allem Jugendliche nehmen an Herausforderungen teil und posten das Ergebnis in sozialen Netzwerken. Es gab bereits viele Challenge-Trends im Netz: das Handy eine Schlucht herunterwerfen, einen Löffel Zimt essen oder über eine unsichtbare Box steigen. Weltweit machen die Menschen mit.

Die neueste Herausforderung im Netz scheint einen viel ernsteren Hintergrund zu haben. Bei der „Trashtag-Challenge“ räumen Social-Media-Nutzer auf der ganzen Welt säckeweise Müll weg – und zeigen Vorher-Nachher-Bilder davon im Netz. Die Aktion, die Menschen animieren soll, gegen Umweltverschmutzung aktiv zu werden, zieht weite Kreise. Unter #trashtag, das sich aus den Wörtern „Hashtag“ und „Trash“ (engl. für Müll) zusammensetzt, sind unzählige Beiträge zu finden.

Anerkennung und Follower

Doch worin liegt der Reiz, an solchen Herausforderungen im Netz teilzunehmen? Für Esther Laukötter, Kommunikationswissenschaftlerin der Uni Münster , ist klar: „Der Reiz liegt besonders darin, dass man sozial dazugehören möchte.“ Es gehe um Anerkennung – und vielleicht auch eine steigende Zahl an Followern.

Doch gerade das aktuelle Phänomen „Trashtag“ hebe sich davon ab, sagt Laukötter. Jugendliche zeigen mehr als nur „Spiegel-Selfies“, sie zeigen: „Ich lebe plastikfrei.“ Selbstinszenierungen verändern und erweitern sich: „Jugendliche stellen nicht mehr nur Äußerlichkeiten dar, sondern ebenso ihr Engagement.“

"Sinnfluencer" erobern das Netz

Das ist Esther Laukötter auch bei ihrer persönlichen Nutzung sozialer Medien aufgefallen. Es entstehen „Sinnfluencer“. Viele Influencer agieren derzeit in Richtung Nachhaltigkeit und nutzen ihre Reichweite, um andere vom Aktionismus zu überzeugen. So werde jetzt in der Fastenzeit zum Beispiel auch häufiger auf Plastik als auf Süßigkeiten verzichtet.

#Trashtag-Challenge: Müll-Sammeln als Trend

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  • Auch in Spitzbergen in Norwegen wird der Strand gesäubert.

  • Plastikmüll an einem Strand in Florida.

  • Volle Müllsäcke an einem Strand in Kalifornien.

  • Vorher-Nachher-Fotos von einem Fluss in Virginia in den USA.

  • Auf vier Pfoten unterwegs für den Umweltschutz ist ein Hund in Texas.

  • Ein Junge sammelt Strohhalme in China.

  • Mit dem Motorrad unterwegs in Indien.

  • Plastik in einem Strauch in Südafrika.

  • "Selbst im Paradies scheint der Respekt vor der Umwelt zu fehlen", wird aus Bali geschrieben.

  • Gleich mehrere Orte räumte dieser Nutzer aus Russland auf.

  • Ein Sonnenbad am Strand: "Eine Challenge, die sich lohnt", schreibt diese Nutzerin aus Sri Lanka.

  • Ein Wal aus Plastik: In Victória in Brasilien befreite eine Gruppe den Strand von Müll.

  • Aufräumen samt Pferd: Eine Nutzerin aus Sankt Petersburg in Russland postete ihren Beitrag vom Sattel aus.

  • Umweltschutz online: "thescientistfacts", ein Nutzer, der Wissenschafts-Post verbreitet, rief am Wochenende zur "Trashtag-Challenge" auf. Unter dem Hashtag laden Menschen auf Instagram weltweit Beiträge hoch, die Fotos von völlig zugemüllten Orten zeigen. Auf einem zweiten Foto sieht man den Ort erneut - nur diesmal aufgeräumt und den Müll in Beuten gepackt. Eine Challenge, die die Welt ein bisschen besser macht?

Daran wird wohl auch Greta Thunberg, die 16-jährige Klimaaktivist aus Schweden, einen großen Anteil haben. Unter anderem ihr Einsatz sorge dafür, dass Klima- und Umweltschutz in den Medien präsent sei, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin. Dadurch sei das Thema auch viel mehr in das Bewusstsein der Jugendlichen gerückt.

Wenn schon den neuen Trends anschließen, dann umso besser, wenn dahinter ein guter Zweck steht.

Esther Laukötter

Wie bei den „Fridays for Future“-Demos gibt es auch bei der Challenge viele Vorwürfe. Kritiker weisen zudem auf Widersprüche hin. Einige kann Laukötter nachvollziehen: „Einige fliegen erst in den Urlaub, um dann dort den Strand aufzuräumen.“ Wenn das Engagement im Lokalen passiere, sei es eine besonders gute Sache.

Die „Trashtag-Challenge“ ist nicht die erste, die einen ernsten Hintergrund hat. Die „Ice Bucket Challenge“ sollte auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam machen. Im Mittelpunkt habe bei vielen aber eher gestanden, dass Jugendliche sich nass machen und lustige Videos dabei entstehen. Laut Esther Laukötter haben die „Ice Bucket Challenge“ und die „Trashtag-Challenge“ in den Augen der Jugendlichen wohl eines gemeinsam: „Wenn schon den neuen Trends anschließen, dann umso besser, wenn dahinter ein guter Zweck steht.“

Blick hinter die Social-Media-Fassade

Ob es nun darum geht, die Zahl der Follower zu erhöhen oder wirklich etwas zu verändern, darüber mag Esther Laukötter nicht urteilen. Sie sagt aber: „Ich würde es begrüßen, wenn in den sozialen Medien häufiger hinter die Fassade geblickt wird.“

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