Der Walkman wird 40
Musikhören damals und heute

Berlin/Münster -

Manche Erfindungen sind so erfolgreich, dass sie es als Markenname bis ins Wörterbuch schaffen. Der Fön, das Aspirin und das Tempo zum Beispiel. Doch wohl keine Erfindung hat sich so tief in den Wortschatz eingebrannt wie der Walkman.

Montag, 01.07.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 16:21 Uhr
Rasante Zeiten: Der Walkman, das „Must-have“ der 80er und 90er Jahre, ist längst Geschichte. Heute sind Musikdienste wie Spotify zum Massenphänomen geworden.
Rasante Zeiten: Der Walkman, das „Must-have“ der 80er und 90er Jahre, ist längst Geschichte. Heute sind Musikdienste wie Spotify zum Massenphänomen geworden. Foto: dpa

Der kleine Kasten, der vor genau 40 Jahren (1. Juli 1979) international eingeführt wurde, war schon nach kürzester Zeit ein Must-have für jeden Jugendlichen. Millionen junger Menschen kapselten sich mit zwei schaumstoffbezogenen Kopfhörern ab.

„Das war schon ein Paukenschlag, wenn man so will“, sagt Roland Stehle vom Branchenverband gfu, der die Internationale Funkausstellung ausrichtet. „Das war der Startschuss zur mobilen Mediennutzung“, also Musik überall und zu jeder Zeit konsumieren zu können. Mit dem Walkman sei „eine komplett neue Gerätegattung“ aufgekommen. Er sei eine Art „Ur-Ahn“ für andere Geräte. Der erste tragbare CD-Spieler (der erste Discman von Sony ) erschien 1984, der erste MP3-Player kam aus Korea und wurde 1998 auf der CeBit vorgestellt, drei Jahre darauf folgte der erste iPod. Und selbst seine Ära endet mittlerweile, weil man Musik auf dem Smartphone hören kann.

Debatte um laute Kopfhörermusik

Musikdienste wie Spotify und Apple Music sind so beliebt wie nie. Diese verändern auch die Hörgewohnheiten. Singles oder Alben spielen nicht mehr die Rolle wie noch vor Jahrzehnten. Das Angebot von über 40 Millionen Songs kann „on demand“ jederzeit abgerufen werden. Dank Algorithmen oder Suchen ist die Musik leicht zugänglich.

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Die Grafik bildet das Startdatum ausgewählter tragbarer Musikabspielprodukte ab. Foto: Statista

In den 80er Jahren saßen Jugendliche noch vor dem Radio und stellten ihre Mixtapes aus „Mal Sandocks Hitparade“ zusammen. Und wehe, der Moderator quatschte in den Song hinein. Heute bedeutet Musikkonsum Flatrate hören von Playlists, die fix per „drag and drop“ zusammengestellt werden können.

Untrennbar mit dem Walkman verbunden ist auch die heute noch aktuelle Debatte um die laute Kopfhörermusik. Die ständige Musikberieselung könne schwerhörig machen, mahnte 1987 Bayerns damaliger Sozialminister Karl Hillermeier.

Streaming-Dienste ohne Zeitlimit

Längst steckt der Kopfhörer direkt im Ohr und ist kabellos über Bluetooth verbunden. Auch deswegen sieht Audiologe Prof. Steffen Kreikemeier von der Hochschule Aalen „eine gewisse Gefährdung“ für das Gehör. „Diese Ansicht hat im Jahr 2009 auch die Europäische Kommission erkannt.“ Die EU mache dort auf einen „falschen Musikgenuss“ und dessen Folgen aufmerksam. „Nach dieser Studie entfällt ein solches Risiko auf schätzungsweise zehn Millionen Menschen in der EU.“

Professor Kreikemeier führt an, dass die neuen Smartphones deutlich länger beschallen können als die Geräte der 80er Jahre. Die Laufzeit beim Walkman oder CD-Player sei schon aufgrund der benötigten Batterien begrenzt gewesen, erinnert sich der 38-Jährige. „Heute hat jedes Smartphone die Möglichkeit, Musik abzuspielen, und durch Streaming-Dienste ist hier auch kaum ein zeitliches Limit vorhanden.“ Umso wichtiger sei es daher, darauf zu achten, dass der Lautstärkepegel nicht zu hoch sei.


Was hört welche Stadt auf Spotify?

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