Die Zukunft der Arbeit
Working Out Loud für vernetztere, schlauere, zufriedenere Mitarbeiter

Münster -

Unternehmen stecken voller schlauer Köpfe. Doch sie stecken oft auch fest in ihren Silos und fühlen sich mit ihren Problemen alleingelassen. Immer mehr Unternehmen, darunter Bosch, BMW und Siemens, führen deshalb die Methode "Working Out Loud" ein. Sie bringt Menschen bei, sich zielgerichtet mit anderen zu vernetzen. Vorteil: Menschen mit Netzwerken kommen schneller zu Lösungen. Ein Überblick über eine neue, zukunftsweisende Art der Zusammenarbeit.

Montag, 22.07.2019, 11:30 Uhr aktualisiert: 29.07.2019, 08:46 Uhr
Die Zukunft der Arbeit: Working Out Loud für vernetztere, schlauere, zufriedenere Mitarbeiter
Vier bis fünf Personen nehmen an einem Working Out Loud-Zirkel teil und unterschützen sich drei Monate lang bei ihren persönlichen Zielen. Foto: Colourbox.de

Mariann Lange ist zur Veranstaltung "Münster macht agil" in die LVM-Zentrale in Münster gekommen, um sich inspirieren zu lassen und interessante Menschen zu treffen. Das Programm der Veranstaltung wird erst am Abend selbst gemeinsam erarbeitet. Jeder kann sich einbringen. Mariann Lange, Referentin für Personalstrategie bei der Sparkasse Münsterland Ost, hatte nicht vor, einen Workshop anzubieten. Doch plötzlich überbekommt sie ein "Mutanfall".

Working Out Loud steht für eine neue Art der Zusammenarbeit und vermittelt Mitarbeitern die notwendigen Fähigkeiten, um vernetzt zu arbeiten.

Michael Kattau, Pressesprecher bei Bosch

Großzügig Wissen teilen

Sie tritt nach vorne an die Pinnwand mit dem Zeitplan und steckt eine Karteikarte an, auf der "Working Out Loud" (WOL) geschrieben steht. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen will sie ihre Erfahrungen mit der Methode teilen, die in immer mehr Unternehmen zum Einsatz für Personal- und Organisationsentwicklung kommt. Sie ist im Working-Out-Loud-Modus: Sie macht sich und ihre Arbeit sichtbar und teilt ihr Wissen großzügig mit ihrem Netzwerk.

Sich selbstorganisiert weiterentwickeln

Working Out Loud ist eine Lern- und Kollaborationsmethode. "Es ist ein Angebot, gemeinsam zu lernen und sich innerhalb des Unternehmens zu vernetzen", sagt Lange. WOL bringe Mitarbeitern bei, sich selbstorganisiert weiterzuentwickeln. Das sei nötig, denn mit der Digitalisierung veränderten sich auch die Unternehmen und die Art der Zusammenarbeit. Die Robert Bosch GmbH , die in Sachen "Working Out Loud" Vorreiterin ist und damit schon seit 2015 experimentiert, beschreibt die Idee dahinter so:

Es geht darum zu lernen, wie man sich zielgerichtet mit Experten vernetzt und stabile Beziehungen aufbaut, die einen bei spezifischen Fragestellungen unterstützen und weiterbringen.

Katharina Krentz, WOL-Expertin bei Bosch

Den Kulturwandel unterstützen

WOL unterstützt damit auch einen Kulturwandel in Unternehmen - auf dem Weg von hierarchischem Top-Down-Denken hin zu agilem, selbstorganisiertem Bottom-Up-Denken, wie es zum Beispiel in großen Technologie- und Software-Unternehmen schon längst Standard ist. Der Netzwerkgedanke ist dabei ganz wichtig, denn "je mehr Menschen ich kenne, desto einfacher ist es, Probleme zu lösen", sagt Mariann Lange. Mitarbeiter, die sonst immer nur gesagt bekommen, was sie tun sollen, würden so zu Gestaltern.

Uns ist wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter mit ihren Ideen und ihrer Expertise einbringen – unabhängig von Hierarchie, Funktion oder Kultur. Nur gemeinsam können wir die Chancen der vernetzten Welt nutzen.

Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH

Eine digitale Identität aufbauen

Die Methode nutzt dabei in hohem Maße soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn, Facebook und Twitter . Denn es geht darum, die eigene Arbeit für andere sichtbar zu machen. Nur so können sich interessante Kontakte finden und Expertennetzwerke bilden. So wollte Monika Homann , Personalreferentin bei der LVM, sichtbarer mit ihrer Leidenschaft für das Thema New Work (Neue Arbeitswelt) werden, als sie zusammen mit Mariann Lange und drei weiteren Münsteranern ihren ersten WOL-Zirkel gründete. "Mit Hilfe von WOL erlangt man eine ganz neue Klarheit bezüglich der eigenen Fähigkeiten und Ziele", erzählt sie beim "Münster macht agil"-Abend. 

Warmherzigkeit und Nähe

Die meisten, die WOL ausprobieren, sind begeistert: Die sozialen Netzwerke sind voll von Gruppenselfies von WOL-Gruppen und Beiträgen unter dem Hashtag #WOL. "Die WOL-Gemeinschaft ist sehr warmherzig und ein Beziehungsbeschleuniger", sagt Monika Homann. WOL-Erfinder und Autor des Buches "Working Out Loud: For a better career and life" John Stepper lebt diese Warmherzigkeit und den Vernetzungsgedanken vor, indem er  auf jeden Post in den sozialen Netzwerken reagiert, in dem er erwähnt wird.

Wie funktioniert Working Out Loud?

  • Ein WOL-Zirkel besteht aus vier bis fünf Personen. Sie finden entweder über Eigeninitiative oder über den Zirkelfinder und die WOL-Gruppen in den sozialen Netzwerken zusammen. Drei Monate lang treffen sie sich einmal wöchentlich, entweder vor Ort oder virtuell.
  • Zu Beginn setzt sich jeder Teilnehmer ein eigenes Ziel. "Ich möchte selbstbewusster mit meiner Doppelrolle als Mutter und Vollzeit-Berufstätige umgehen", sagt zum Beispiel Mariann Lange. Ziele können privater genauso wie beruflicher Natur sein. Ziele können auch sein, etwas Neues zu lernen (z.B. eine neue Sprache) oder sich beruflich neu zu orientieren bzw. die nächste Karrierestufe zu nehmen. In jedem Fall steht hinter einem Ziel immer der Wunsch nach einer Veränderung.
  • Um ihr Ziel zu erreichen erarbeiten sich die WOL-Mitglieder im Laufe der drei Monate ein Expertennetzwerk. Wie sie Personen für ihr Netzwerk gewinnen können, lernen sie schrittweise mit Hilfe von Übungen, die jeder Wochen-Leitfaden , den John Stepper auf seiner Homepage kostenlos zur Verfügung stellt, enthält.
  • Tauchen Zweifel oder Schwierigkeiten auf, erfährt jedes Mitglied automatisch Unterstützung durch seine Gruppe und hat Zugang zu deren Wissen und Ideen. "Man kriegt direkt Input von der Gemeinschaft, wenn man nicht weiterkommt", sagt Rieke Liebig, WOL-Mitstreiterin von Mariann Lange und Monika Homann.
  • Bei Working Out Loud geht es um lautes Arbeiten, also darum, die eigene Arbeit sichtbar zu machen. "Nur wenn ich mich und meine Arbeit sichtbar mache, können andere davon profitieren", sagt Mariann Lange. Das Netzwerk soll also von dem profitieren, was jedes WOL-Mitglied zu bieten hat. WOL vermittelt die Werte Großzügigkeit und Wertschätzung. Dahinter steht die Überzeugung, dass niemand ein Netzwerk aufbauen kann, wenn er nur nehmen, aber nicht geben möchte.
  • Sichtbarkeit wird vor allem in den sozialen Medien wie LinkedIn, Xing, Twitter, Facebook oder Medium geschaffen, aber auch Kontaktaufnahme und Beziehungspflege über E-Mails, Intranets und Chats spielen eine Rolle, je nachdem welchen Grad der Intimität ein WOL-Mitglied zu einer Person aus seinem Netzwerk pflegt. Die WOL-Zirkel-Teilnehmer bauen sich im Laufe der drei Monate also aussagekräftige digitale Profile auf,  die ihr Ziel und ihr Wissen transportieren.
  • In den Zirkeln muss absolute Vertraulichkeit herrschen. Da Ziele sehr persönlich sind und sensible Daten ausgetauscht werden, muss das, was im Zirkel besprochen wird, auch im Zirkel bleiben.

Mariann Lange und Monika Homann hatten zunächst aus reiner Neugierde privat einen WOL-Zirkel gegründet. "Wir haben uns wechselseitig in den jeweiligen Büros getroffen. Das Abschiedstreffen fand im Garten statt", so Lange. Inzwischen sind sie so überzeugt von der Methode, dass sie sie in ihre Unternehmen tragen. "Eine vernetzte Welt braucht vernetzte Menschen", ist Mariann Lange überzeugt.

Die fünf Bausteine von WOL
  1. Beziehungen
  2. Sichtbarkeit der Arbeit
  3. Großzügigkeit
  4. Wachstumsorientiertes Denken
  5. Zielgerichtetes Entdecken
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